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Lokales So soll das neue Industriegebiet im Leipziger Norden aussehen
Leipzig Lokales So soll das neue Industriegebiet im Leipziger Norden aussehen
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13:42 31.07.2019
Zwischen der Podelwitzer Straße (links) und der B 184/Maximilianallee (rechts) plant die Stadt Leipzig ein Industriegebiet. Das 54 Hektar große Areal liegt nördlich der Autobahn 14. Es grenzt an das Gewerbegebiet „Seehausen I“ (unten) und auch fast an Podelwitz (oben) an. Quelle: Patrick Moye
Leipzig

Noch bis zum 8. August können die Dokumente zum Bebauungsplan mit der Nummer 208 „Industriegebiet Seehausen II“ im Neuen Rathaus eingesehen und kommentiert werden. In seiner letzten Sitzung gab der alte Leipziger Stadtrat dafür vor der Sommerpause einstimmig (bei sechs Enthaltungen) grünes Licht.

„Konkrete Ansiedlungsabsichten von Unternehmen“

Zwar schweigt die Stadtverwaltung hartnäckig zu der Frage, welche Investoren ein Auge auf die 54 Hektar große Fläche zwischen der Maximilianallee (B 184) und Podelwitzer Straße geworfen haben. Doch zuletzt drückten das Wirtschafts- und das Baudezernat mächtig auf die Tube, um bald alle rechtlichen Hürden für eine Bebauung der riesigen Felder zu nehmen. „Der Stadt Leipzig liegen konkrete Ansiedlungsabsichten von Unternehmen mit Schwerpunkt auf produzierendem Gewerbe mit arbeitsplatzintensiven Nutzungen vor. Der Bebauungsplan soll beschleunigt weitergeführt werden“, hieß es in der entsprechenden Vorlage.

Alter Joker der Leipziger Wirtschaftsförderung

Der Bebauungsplan-Entwurf für dieses der Stadt Leipzig gehörende Areal war schon mal 2011 öffentlich ausgelegt worden. Seitdem galt „Seehausen II“ als Joker der Kommune, um gewichtigen Unternehmen schnell große Ansiedlungsflächen im Stadtgebiet zur Verfügung stellen zu können. Diese Trumpfkarte wurde aber nie gezogen – schließlich waren im nahe gelegenen Industriepark Nord (mit dem BMW-Werk auf 208 Hektar) noch genügend Flächen frei. Wie berichtet, hat sich das jüngst geändert. Der Industriepark Nord ist inzwischen ebenso ausgebucht wie schon länger das Güterverkehrszentrum bei Radefeld.Seehausen II“ soll nun offenbar zur Überbrückung dienen. Im Bereich des Flughafens plant die Stadt weit größere Gewerbeflächen, deren Baureife aber noch einige Jahre dauern wird.

Neue Ampelkreuzung an der Bundesstraße

Dass die aktualisierten Pläne jetzt überhaupt noch mal öffentlich ausgelegt werden und die Bürger dabei mögliche Einwände vorbringen können, liegt vor allem an Aktualisierungen bei der Verkehrserschließung. An der B 184 soll nun eine dreiarmige Ampelkreuzung entstehen, von der eine 350 Meter lange Stichstraße mit Wendehammer für LKW nach Süden abzweigt. Diese neue Straße teilt das Industriegebiet zugleich in zwei große Bereiche auf. Forderungen nach einem Kreisverkehr an der B 184 haben die Planer als nicht notwendig verworfen. An beiden Seiten der 22,5 Meter breiten Trasse entstehen etliche LKW-Stellplätze.

Am Wendehammer dürfen nur Busse weiterfahren

Am Wendehammer wird die Erschließungsstraße durch eine schmalere Fahrbahn weiter nach Süden geführt. Diese nur sechs Meter breite Trasse (hinzu kommt ein Fuß- und Radweg) dürfen dann nur Busse des ÖPNV bis zur Tornauer Straße befahren. Diese Idee soll einerseits eine gute Bus-Anbindung mit der Linie 196 Leipzig-Bad Düben samt einer neuen Haltestelle gewährleisten, andererseits die Kreuzung Kossaer Straße/B2 vor einer Überlastung mit LKW schützen, die sonst auf diesem Wege das künftige Industriegebiet ansteuern könnten.

Gleisanschluss und 6,5 Hektar begrünte Dächer

Für die Firmen wird ein Gleisanschluss zum Gütertransport ermöglicht. Die nur 250 Meter entfernte Ortslage Podelwitz soll unter anderem durch ein Verbot lärmintensiver Anlagen geschützt werden. Das ganze Areal darf nur zu 65 Prozent versiegelt werden, bekommt 6,5 Hektar begrünte Dächer, einen kleinen Wald und einen doppelten grünen Ring an den Grenzen. 80 Prozent der vorhandenen Gehölze bleiben erhalten, zusätzliche Nisthilfen für Vögel und Fledermäuse sind vorgesehen.

Ausgleich im Schlobachshof und in Liebertwolkwitz

Die ökologischen Ausgleichsmaßnahmen sind so umfangreich, dass dazu auch fast zehn Hektar kommunaler Flächen an anderen Standorten gehören. Zum Beispiel werden elf Gebäude vom Schlobachshof in Böhlitz-Ehrenberg abgerissen. Diese seien nicht denkmalgeschützt und nicht erhaltenswert, heißt es in den mehrere Hundert Seiten umfassenden Unterlagen. Sofern das (nach wie vor beim Grünflächenamt in Arbeit befindliche) Entwicklungskonzept für den Schlobachshof nichts anderes ergibt, werden an Stelle der elf Gebäude Grünflächen angelegt – eventuell als Streuobstwiese. Eine solche bekommt auf jeden Fall auch Göbschelwitz: Nach dem Abriss eines ehemaligen Stallkomplexes sollen dort auf zwei Hektar 150 hochstämmige Obstbäume angepflanzt werden. In Liebertwolkwitz weichen eine alte Schweinemastanlage am südlichen Ortsrand (für eine Weide) sowie am nördlichen Ortsrand die Ruinen des früheren Klinkerwerks auf drei Hektar. Östlich des Klinkerwerks wird noch eine Ackerfläche (knapp zwei Hektar) als Eichen-Hainbuchen-Wald aufgeforstet.

Alleen bekommen fehlende Bäume zurück

In der Podelwitzer Straße und am Plaußiger Weg in Hohenheida werden die Lücken bei den Straßenbäumen geschlossen. Weitere Aufforstungen am Willwisch-Wäldchen in Sommerfeld hatte die Stadt bereits vorab aus einem revolvierenden Fonds finanziert, der auf Antrag der Grünen-Fraktion eingerichtet worden war.

Kosten werden an die Investoren weitergereicht

Die Kommune will sämtliche Erschließungs- und Ausgleichsmaßnahmen zeitnah ausführen, die Kosten dafür bei einem Verkauf der Gewerbeflächen aufschlagen. Das nötige Geld ist bereits im städtischen Haushalt für 2019/2020 eingestellt. Der Planentwurf kann im vierten Obergeschoss des Neuen Rathauses (Stadtplanungsamt, vor den Zimmern 496 bis 499 und im Zimmer 489) eingesehen werden.

Von Jens Rometsch

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