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Leipzig Lokales So war das Konzert mit dem Rammstein-Frontmann
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12:10 16.02.2020
Beim Konzert von Till Lindemann im Haus Auensee in Leipzig fliegen nicht nur Fische durch den Raum. Quelle: Kempner
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Leipzig

Um 22.55 Uhr, zu „Fish On“, segeln sie dann endlich durchs Haus Auensee. Erst manuell, später dann auch mit einer Art Schleudermaschine befördert Till Lindemann (57) tatsächlich einige Dutzend Fische in die eng an eng stehende Menge vor ihm. Es ist nur eine von diversen Abartigkeiten, die der Frontmann von Rammstein – derzeit wieder zusammen mit dem schwedischen Multiinstrumentalisten Peter Tägtgren als „Lindemann“ unterwegs – am Freitagabend in Leipzig-Wahren in der mit 3600 Zuschauern ausverkauften Konzerthalle vorführt.

Ganz in Weiß: Till Lindenmann im Haus Auensee in Leipzig. Quelle: Kempner

Menschliche Abgründe

Der 1963 sinnigerweise in der Messestadt geborene Lindemann hat sich wie bei Rammstein auch bei seinem Soloprojekt vornehmlich den menschlichen Abgründen gewidmet – auf dem ersten Album „Skills In Pills“ noch auf Englisch, bei der 2019er-Platte „F&M“ dann in gewohntem Deutsch, inklusive gerolltem Rammstein-“r“. Im Haus Auensee geschieht das hauptsächlich auf der übergroßen Leinwand hinter der sechsköpfigen Combo, die komplett in Weiß geschminkt auftritt. So ist gleich beim Opener „Skills In Pills“ ein nackter Hintern zu sehen, auf den Pillen prasseln, am Ende des Videos kommen die Tabletten aus dem Anus. Bei „Ladyboy“ tritt danach ein Transsexueller auf, der sich selbst oral befriedigt. Und bei „Allesfresser“ schließlich kotzt Lindemann wortwörtlich im Strahl, bekleidet mit Schulmädchenkostüm.

Im ausverkauften Haus Auensee gab Rammstein-Sänger Till Lindemann am Freitagabend vor rund 3600 Fans ein Konzert.
Quelle: Kempner

Sexuelle Perversion ohne Schockfaktor

Auf Dauer wirken derlei Provokationen doch arg pennälerhaft, auch wenn das Publikum nicht nur wegen einer strikten Ab-18-Vorgabe die Pubertät schon lange hinter sich gelassen hat. Und letztlich dreht sich das meiste um sexuelle Perversionen, die in Zeiten von allgegenwärtiger Pornografie kaum noch jemanden schocken kann. Der Höhepunkt ist dabei ein realer Pornoclip, der nach der eigentlichen Show anläuft, nachdem die Band die Bühne schon verlassen hat.

Provokativ geht es auch auf der Leinwand zu. Quelle: Kempner

Solotour ist ausverkauft

So kann Lindemann auch nur notdürftig kaschieren, dass er sich musikalisch – bis auf die englischen Texte des ersten Albums – kaum von Rammstein fortentwickelt hat. Einige Stücke wie das beim Leipziger Auftritt nicht gespielte „Mathematik“ – mit Zeilen wie „Fick, fick, Mathematik“ – sind regelrecht absurd geraten und der geneigte Betrachter ist sich nicht sicher, ob die Komik beabsichtigt ist. Die große Rammstein-Fangemeinde hat den Lindemannschen Soloausflug dennoch mehrheitlich goutiert, was sich nicht nur in der quasi komplett ausverkauften aktuellen Tour zeigt, sondern auch an Platz eins für „F&M“ in den deutschen Charts.

Ausverkauftes Haus: Lindemann im Haus Auensee. Quelle: Kempner

Rammstein-Konzerte im Mai in Leipzig

Insofern dürften auch die Sachsen mit dem Konzert ihres Landsmanns zufrieden sein – Schauwerte gab es ja genug. Und wer nach dem Freitagabend noch nicht genug von Till Lindemann bekommen hat: Bereits am 29. und 30. Mai kehren Rammstein für zwei Gigs in der Red Bull Arena in die Messestadt ein, leider auch schon seit langem ausverkauft.

Von Christian Dittmar

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