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Lokales So war das Silly-Konzert im Leipziger Haus Auensee
Leipzig Lokales So war das Silly-Konzert im Leipziger Haus Auensee
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07:17 01.12.2019
Sängerin Julia Neigel und Bassist Jäcki Reznicek haben am Samstagabend das Haus Auensee in Leipzig gerockt. Quelle: Christian Modla
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Leipzig

Silly existieren mittlerweile so lange, wie der Staat bestand hatte, in dem die Band 1978/79 gegründet wurde. Die derzeitige Tour mit den Sängerinnen Julia Neigel und AnNa R. markiert den „dritten Neuanfang“ einer Gruppe, die für die Popmusik in Ostdeutschland von großer Bedeutung ist.

Wie waren Silly drauf?

Mit roten Köpfen und breitem Grinsen verabschiedeten sie sich nach mehr als zweieinhalb Stunden. „Geil, geil, geil“, rief Bassist Jäcki Reznicek. „Danke, dass ihr uns so unterstützt bei unserem dritten Neuanfang“, sagte Keyboarder Ritchie Barton. „Silly 3.0 – wir hoffen, es bleibt dabei.“ Und Gitarrist Uwe Hassbecker hob den Kopf: „Danke, meine Heimatstadt!“ Er ist vor 59 Jahren in Leipzig geboren.

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Auf großer Deutschlandtour begehen Silly ihr 40-jähriges Bestehen. Am Samstag feierte die Rockband im Haus Auensee mit ihren Leipziger Fans.

Wie war die Stimmung?

1400 Fans hatten seit mindestens fünf Monaten darauf gewartet. So lange schon war das Konzert ausverkauft. Bei einem Sitzkonzert ist das mit der Stimmung zwar sonst so eine Sache. Aber gleich nach drei Liedern forderte Julia Neigel „Standing Ovations“ für 40 Jahre Silly. Ab da handelte es sich in weiten Teilen um ein Tanzkonzert. Und spätestens bei „Alles rot“, dem letzten Stück des regulären Sets, war es ein Mitsingkonzert: der Saal, ein einziger Chor. „Ihr seid alle Thomaner!“, rief Uwe Hassbecker.

Was waren die Höhepunkte?

Kurz vor der Pause, bei „Asyl im Paradies“, verließen AnNa R. und Julia Neigel Hand in Hand die Bühne. Auf der Leinwand ein Foto von Tamara Danz und ihre Stimme vom Tonband zu Ritchie Bartons Klavier: „Gib mir Asyl, hier im Paradies. Hier kann mir keiner was tun ... Nur den Moment, um mich auszuruhen.“ Jäcki Reznicek hatte vorab erklärt, Tamara habe den Text lange vor ihrer Krebsdiagnoseverfasst. „Hatte sie schon eine Vorahnung?“

Nachdem am Abend zuvor in Rostock die Platte „Bataillon d’Armour“ im Vordergrund gestanden hatte, stellte die Band in Leipzig ihr Album „Februar“ in den Mittelpunkt- die erste Platte, die im Februar 1989 gleichzeitig in der DDR und der Bundesrepublik erscheinen sollte (was auch fast klappte). „Aus heutiger Sicht ist es schon erstaunlich, was da zur Sprache gekommen ist“, erklärte Uwe Hassbecker per Videoeinspielung. „Was wir uns getraut haben zu sagen, das mussten wir einfach.“ Silly hatten bereits im Westen Konzerte gegeben. Man habe den Freunden schon gar nicht mehr davon erzählt: So frustriert seien alle gewesen.

Eines von vielen Beispielen: das Lied „Paradiesvögel“. AnNa R. sang es im Haus Auensee. „Paradiesvögel sperrt man nicht ein. Sie brauchen den Himmel ganz - ein Stück ist zu klein.“ Der Applaus war lang und kam von Herzen.

Wie waren Sound und Bühne?

Der Klang war griffig und mitreißend. Ritchie Bartons analoge Synthesizer ließen immer wieder wunderbar düsteres 80er-Jahre-Flair aufkommen. Am Ende packte Uwe Hassbecker sogar die Geige aus. Niemand geht auf ein Silly-Konzert, um dort einen opulenten Bühnen-Zirkus zu erleben. Das Licht ist hier dazu da, die Musik zu unterstützen und hat keinen Selbstzweck. Kurze Einspieler mit Wortbeiträgen der drei Ur-Sillys verstärkten die persönliche Note dieser Tour - und machten zugleich die Bedeutung die Band für die ostdeutsche Popmusik-Geschichte deutlich.

Wie hoch war der Unterhaltungsfaktor?

Man habe in den vergangenen Jahren eher weniger alte Sachen gespielt, sagte Ritchie Barton in einem der Filmchen. Mit Hilfe der Rockröhre Julia Neigel, in deren Stimme Soul - also Seele - liegt, und mit Hilfe der charismatischen Melancholie, die AnNa R - früher bei Rosenstolz und zuletzt bei Gleis Acht - auf die Bühne zauberte, war eine Ahnung von Silly der 80er und 90er-Jahre zurück. Düster und zugleich lebensfroh, nachdenklich und dennoch immer wieder selbstvergessen, himmelhochjauchzendzutodebetrübt. Anna Loos hat an diesem Abend wohl kaum jemand vermisst. Wobei einige Lieder aus der Loos-Ära, neben „Alles rot“ etwa auch „Zwischen den Zeilen“ und „Ich sag nicht ja“, den Unterhaltungsfaktor durchaus noch erhöhten.

(Eine ausführliche Konzertkritik folgt im Laufe des Sonntags.)

Von mwö

Leipzig Alumnat, Thomasschule und -kirche, Tourneen. Und natürlich Bach. Jede Menge Bach. Dies und noch viel mehr prägt das Leben eines Thomaners. Jährlich kommt eine neue Generation des weltberühmten Ensembles hinzu, seit mehr als 800 Jahren. Jene von 2013 wird die LVZ auf ihrem Weg zum Chor-Olymp in loser Folge begleiten. Heute: das besondere Adventskonzert.

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