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Lokales Sportcenter Markranstädt: Rund 50 Einsatzkräfte versorgen Evakuierte
Leipzig Lokales Sportcenter Markranstädt: Rund 50 Einsatzkräfte versorgen Evakuierte
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21:08 09.12.2019
Nach dem Fund einer Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg müssen Teile der Gemeinden Dölzig und Frankenheim westlich von Leipzig am Montag evakuiert werden. Auf dem Bild: Einsatzkräfte vor der Sporthalle in Markranstädt. Dort wurden 55 Einwohner für mehrere Stunden untergebracht. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Es ist der zweite Bombenfund innerhalb von einer Woche – diesmal auf einem Feld bei Dölzig, westlich von Leipzig. Und auch am Montag wird ein Sperrkreis eingerichtet – rund 1800 Menschen müssen den Bereich verlassenn.

Kartoffeln auf dem Herd und die Einsatzkräfte klingeln

Am Vormittag wird im Sportcenter Markranstädt eine Notunterkunft eingerichtet. Eine der ersten Betroffenen, die sich auf den Rängen in der Turnhalle einfinden, ist Marlis Friedrich. Sie wurde direkt aus ihrem Alltag gerissen: „Ich war gerade mitten im Kochen, als die Einsatzkräfte geklingelt haben, und die Kartoffeln sind mir noch übergekocht.“ Zunächst ist ihre Wohnung noch nicht betroffen. Doch als der Radius auf 1500 Meter erweitert wird, trifft es auch die Häuser, die an das Gewerbegebiet in Frankenheim angrenzen. Marlis Friedrich ist keineswegs beunruhigt, sondern geradezu begeistert, wie reibungslos die Evakuierung vonstatten ging. „Sie haben uns persönlich angesprochen und dann auch noch Tipps gegeben, wo wir in Markranstädt am Besten parken, ohne ein Knöllchen zu kassieren“, erzählt die Rentnerin.

Getränke sind da und etwas zu lesen gibt es auch: Während der Evakuierung werden Betroffene im Sportcenter in Markranstädt versorgt. Quelle: Dirk Knofe

„Man denkt an die anderen“

Neben Marlis Friedrich sitzt ihre Nachbarin, Monika Winter. Zusammen haben sie es sich mit der Apotheken-Umschau so gemütlich gemacht, wie es auf harten Turnhallen-Bänken nun mal geht. „Für die Omis sind diese Bänke aber ganz schlecht“, wirft Monika Winter ein und deutet auf ein paar Senioren, die auf ihren Rollatoren sitzen und warten. Winter und Friedrich haben sich sofort kurzgeschlossen, als sie im Radio von der Bombe gehört haben. „In solchen Situationen denkt man natürlich an die anderen. Monika wohnt ja allein, deswegen habe ich gleich angerufen, um zu fragen, ob ich sie mit dem Auto mitnehmen soll.“ So ganz realisieren können beide Frauen die Situation noch nicht. „Man hört davon, man liest davon – aber dass es einem selber passiert...“, sagt Friedrich und wiegt den Kopf.

50 Einsatzkräfte kümmern sich in Markranstädt

Währenddessen nimmt Christopher Beeck von der Feuerwehr Döhlen Funkmeldungen entgegen, bespricht sich mit seinen Kameraden und mit Michael Szymanski vom Deutschen Roten Kreuz (DRK), Abschnittsleiter der Führungsunterstützungsgruppe. Rund 25 Feuerwehreinsatzkräfte sind am Montag in Markranstädt aktiv, angefordert aus Döhlen, Gärnitz und Räpitz; darüber hinaus sind Freiwillige Feuerwehren aus Leipzig im Einsatz. Die Einsatzkräfte des DRK kommen aus Markranstädt, Zwenkau, Taucha und Mölkau. Zusammen sind es rund 50 Männer und Frauen, die sich um die Bürger kümmern.

Am Mittag lässt Szymanski provisorische Betten auf dem Turnhallenboden aufbauen, damit Patienten, die liegen müssen, direkt nach dem Transport wieder im Warmen sind. Jede Liege besteht aus einer Trage mit Kopfkissen und einer Einmaldecke. „Die Decken mögen zwar dünn aussehen, machen aber sehr schnell warm“, erklärt Szymanski.

Nudelsuppe bis zur Sprengung

Der Versorgungstrupp kommt am Nachmittag, bringt Nudelsuppe und heiße Getränke für die 55, die bis zur Sprengung um 16.47 Uhr nicht in ihre Wohnung zurückkehren können.

In der Heinrich-Pestalozzi-Schule haben sich weniger Evakuierte eingefunden. Quelle: Dirk Knofe

Weniger Einsatzkräfte sind in der Heinrich-Pestalozzi-Oberschule nötig: Zwölf Mann der Feuerwehr Böhlitz-Ehrenberg sorgen am Nachmittag für wenige Einzelpersonen und vereinzelte Kinder. Die Kinder aus dem Kindergarten und der Kindertagesstätte Rückmarsdorf werden jedoch eins nach dem anderen abgeholt, während Schulleiterin Annette Richter mit sechs Lehrerkollegen und zwei Hausmeistern die Stellung hält, bis die Nachricht der Sprengung kommt.

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Von Katharina Stork

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