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Lokales Stadt: Wackerbad-Sanierung kostet 2,5 Millionen Euro
Leipzig Lokales Stadt: Wackerbad-Sanierung kostet 2,5 Millionen Euro
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22:02 21.03.2019
Nach Ansicht der Sportbäder Leipzig GmbH kann das Wackerbad in der Max-Liebermann-Straße erst nach einer umfassenden Sanierung wieder öffnen. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Im Tauziehen um das rund 100 Jahre alte Sommerbad Gohlis – in jüngster Zeit auch Wackerbad genannt – hat eine neue Runde begonnen. Die Leipziger Stadtverwaltung will nun prüfen, ob sie das Areal an der Max-Liebermann-Straße 83 an die kommunale Sportbäder GmbH übertragen kann. Das Ergebnis der Prüfung soll dem Stadtrat „im dritten Quartal 2019“ vorgelegt werden, heißt es in einem aktuellen Verwaltungsstandpunkt aus dem Dezernat Umwelt, Ordnung, Sport. Damit folgte das Dezernat einem Antrag der SPD-Fraktion. Diese hatte im Herbst 2018 eine solche Prüfung gefordert, um das Bad wieder dauerhaft flott zu bekommen.

Auch der Kassenbereich, an den sich ein Filterraum sowie Lager anschließen, müsste nach Ansicht der Sportbäder GmbH dringend saniert werden. Quelle: Kempner

200 000 Euro Bewirtschaftungskosten pro Jahr

Wie die Sache ausgeht, bleibt derzeit aber unklar. Am 2. Oktober 2018 fand vor Ort eine Begehung und Bestandsaufnahme statt, heißt es in dem aktuellen Papier des Dezernates. Im Anschluss habe die Sportbäder GmbH eingeschätzt, dass für ein neues Wasserbecken, eine technische Ausstattung auf heutigem Stand und eine ebenfalls notwendige Umgestaltung der Außenbereiche „zirka 2,5 Millionen Euro netto“ investiert werden müssten. Hinzu kämen jährliche Bewirtschaftungskosten von „zirka 200 000 Euro netto“. Solche Summen seien nur über eine Erhöhung der städtischen Zuschüsse an die Sportbäder GmbH zu finanzieren. Dann sei die GmbH gern bereit, „das im desolaten Zustand befindliche Objekt“ zu übernehmen und wieder als Freibad zu öffnen.

Wasserbecken hat laut Prüfern Risse im Boden

Nach einer Übertragung der Immobilie würde es samt Planung allerdings etwa 30 Monate dauern, bis das Bad saniert ist und wieder Gäste empfangen kann, schreibt das Dezernat weiter. Eine Teilsanierung reiche für den Weiterbetrieb nicht mehr aus. Zum Beispiel stehe die frühere Gaststätte „Zum Storchennest“ an der Max-Liebermann-Straße seit Jahren leer, der Kassenbereich samt Filterraum harre seit Jahrzehnten einer Sanierung. Das Wasserbecken weise im Boden Risse auf, auch eine „eingedrückte Wand“. Kern der Wasseraufbereitung sei ein „offener Filter“, der vermutlich aus den Anfangszeiten des Bades in den 1920er-Jahren stamme. Die dazugehörige Technik sei veraltet. „In dem Zustand kann ein Freibad keinesfalls weiterbetrieben werden“, meint die Sportbäder GmbH. Eine Dosierungsanlage für Chlorgranulat sowie eine Steueranlage für Hygienehilfsparameter fehlten. Der Spiel- und Volleyballplatz seien hinüber, Schattenflächen kaum vorhanden.

Im Dürresommer 2018 konnte das Wackerbad nur an wenigen Tagen geöffnet werden. Quelle: André Kempner

Grundstück soll am Nordende verkleinert werden

In dem Papier entwirft die Tochterfirma der Leipziger Wasserwerke schon erste Ideen für den Neustart. So sollen am nördlichen Ende 5300 Quadratmeter von dem 18 700 Quadratmeter großen Grundstück abgetrennt werden, um einen wirtschaftlicheren Betrieb zu ermöglichen. Trotz der vielen neuen Wohngebiete in Gohlis und Möckern sei das Besucherpotenzial begrenzt. Vor allem, weil es in 1000 Metern Entfernung die Schwimmhalle Nord mit dem im Sommer geöffneten Kinderfreibecken „Robbe“ gebe und weiter weg (fünf Kilometer) das Ökobad Lindenthal. Diese Einrichtungen werden durch die Sportbäder GmbH betrieben.

Gericht entscheidet über Wirkkraft der Kündigung

Vorläufig bleibt unklar, ob die Stadt das ihr gehörende Grundstück an der Max-Liebermann-Straße überhaupt wieder in ihre Verfügungsgewalt bekommt. Wie berichtet, hatte sie einen auf 30 Jahre angelegten Pachtvertrag mit dem Verein SV Wacker zum 30. August 2018 gekündigt. Begründung: Der Verein komme seinen Pflichten nicht vollständig nach. Der SV Wacker bestreitet das. „Wir haben im vergangenen Jahr über 1500 Stunden ehrenamtliche Arbeit in das Bad gesteckt, um unsere Vertragspflichten zu erfüllen“, erklärte Holger Drendel vom Vorstand auf LVZ-Nachfrage. Es sei grotesk, dass die Stadt seit dem Vertragsschluss 2011 dem Verein nur 8000 Euro pro Jahr zukommen lasse, nun aber selbst von einem jährlichen Bewirtschaftungsaufwand von 200 000 Euro ausgehe.

Insgesamt 2000 Besucher im Dürresommer

Gleichzeitig fordere das Sportdezernat Dinge, die mit den geringen Mitteln – trotz allem Engagements – nicht zu verwirklichen seien, so Drendel. Ob das Wackerbad 2019 wieder öffnen kann, entscheide nicht das Sportamt, sondern ein Hygienetest vom Gesundheitsamt, betonte er. Ein solcher Test habe auch im Juli 2018 ergeben, dass das Wasser in dem 60 Meter langen Becken (davon zehn Meter Nichtschwimmer-Bereich) sehr gut zum Baden genutzt werden kann. „Wir werden den Rechtsstreit mit der Stadt bis zu Ende führen und wir werden vor Gericht gewinnen“, sagte er. Allein die Kommune trage die Schuld daran, dass das Bad in den Jahren 2016 und 2017 nicht und 2018 dann nur eingeschränkt genutzt werden konnte. Im Dürresommer 2018 öffnete das Bad an wenigen Tagen sowie nach Voranmeldungen für Gruppen: Laut Verein wurden insgesamt 2000 Gäste gezählt.

Sportbäder GmbH verzichtete 2004 freiwillig

Bis 2004 wurde das Sommerbad Gohlis noch vom Sport- und Bäderamt der Stadt Leipzig betrieben. Weil es schon damals erhebliche bauliche Mängel aufwies und als unwirtschaftlich galt, übertrug es die Kommune jedoch nicht an die seinerzeit neu gegründete Sportbäder GmbH.

Von Jens Rometsch

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