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Lokales Stadt lässt Theater Titanick im Stich: Leipziger Löwen bald obdachlos
Leipzig Lokales Stadt lässt Theater Titanick im Stich: Leipziger Löwen bald obdachlos
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14:56 30.03.2019
Auch die fünf Lipsia-Löwen vom Stadtgeburtstag „1000 Jahre Leipzig“ sind auf der Alten Messe eingelagert. Quelle: André Kempner
Leipzig

Das Straßentheater Titanick gehört zu den bedeutendsten Open-Air-Compagnien Europas. 1990 von Künstlern aus Münster und Leipzig gegründet, erhielten die spektakulären Inszenierungen etliche Preise. In Leipzig gestaltete die Truppe zum Beispiel effektvoll den Start des Jahres 2000 auf dem Augustusplatz, das 100. Jubiläum des Völkerschlachtdenkmals und den Stadtgeburtstag „1000 Jahre Leipzig“ mit einem Umzug von fünf Leipziger Löwen im Jahr 2015. Doch nun drohen genau diese, technisch aufgerüsteten Wappentiere obdachlos zu werden.

Quartier auf Alter Messe zum 30. Juni gekündigt

Bis zum 30. Juni 2019 muss Titanick sein Quartier auf der Alten Messe verlassen. Und die Hoffnung auf ein Ausweichobjekt hat sich gerade zerschlagen. „Wir sind immer noch geschockt von der Absage aus dem Liegenschaftsamt“, sagt der künstlerische Leiter Uwe Köhler.

Zum Stadtfestspiel „1000 Jahre Leipzig “ zogen die Performance-Künstler mit fünf Lipsia-Löwen durch ganz Leipzig in die City. Quelle: André Kempner

Schon lange sei klar gewesen, dass die Theater-Truppe ihre Werkstatt, das Lager und die Probenräume in den unsanierten Seitenflügeln hinter dem „Eventpalast“ (Halle 16) räumen muss. Bekanntlich will die Stadt diese Gebäudeflügel abreißen lassen, damit auf dem Areal anschließend ein Hornbach-Baumarkt entstehen kann. Das 5,5 Hektar umfassende Grundstück hat die städtische Entwicklungsgesellschaft LEVG bereits an Hornbach verkauft.

Zunächst ein Teil der agra-Halle 22 im Gespräch

Die Kommune sagte Titanick Unterstützung bei der Suche nach einem Ausweichobjekt zu. Erst war die Hälfte der Halle 22 auf der Agra im Gespräch – dort erwies sich die Miete als zu teuer. Ab April 2018 wurde mit dem Liegenschaftsamt über eine „renovierungsbedürftige Halle“ in Wahren gesprochen, die ebenfalls der Stadt gehört.

Weil bei diesem Objekt an der Ecke Travniker/Linkelstraße (neben der B6) alle Medienanschlüsse fehlen, war eine deutlich geringere Miete erwartet worden. Ein Architekt erstellte für Titanick das Nutzungskonzept. Jedoch überraschte das Liegenschaftsamt im November mit einem Mietangebot, dessen Preis deutlich über dem von der Agra lag.

Brandschutzamt plant Feuerwache in Wahren

Später senkte das Amt die Höhe etwas. Damit der neue Preis erschwinglich für Titanick wird, suchte das Theater in aller Eile Untermieter, um sich die Kosten zu teilen. Doch über die Details dieser Lösung wollte das Amt schon gar nicht mehr sprechen. Denn inzwischen meldete das Brandschutzamt Interesse an dem Grundstück in Wahren an. Dort soll nun eine Feuerwache entstehen.

Zum 100. Geburtstag der Alten Messe Leipzig zeigte Titanick am 1. Mai 2013 eine Vorstellung mit viel Feuer und Wasser. Quelle: Dirk Knofe

Einen Antrag der SPD-Fraktion, die Halle in Wahren per Erbbaurecht an das Theater zu überlassen, beschied das Wirtschaftsdezernat soeben abschlägig. Aus Sicht der Verwaltung sei „eine bevorzugte Behandlung nicht gerechtfertigt“. Titanick solle bei der Suche nach einem Ausweich lieber „den Radius erweitern“, also sich außerhalb Leipzigs umsehen.

Lösung für 120 Tonnen Bühnenmaterial gesucht

„Wir haben zwar gerade Tourneen in Mexiko und in Chile absolviert, aber Leipzig ist unsere Heimat“, sagt Theaterleiter Köhler dazu. Die 120 Tonnen Bühnenmaterial ließen sich nicht an einem Standort auf dem Land in Schuss halten, weil die Werkstatt auch für viele andere Künstler arbeitet, die dort tätigen Fachleute Leipziger sind und Titanick wegen der naturgemäß vielen Reisen gute Anbindungen benötige. „Wir wären sehr froh über jede Idee und Hilfe, die uns retten kann.“

Uwe Köhler ist der künstlerische Leiter des Straßentheaters Titanick. Quelle: André Kempner

Von Jens Rometsch

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