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Lokales 350.000 Fotos transportiert: Leipziger Stadtarchiv mit Festakt eröffnet
Leipzig Lokales 350.000 Fotos transportiert: Leipziger Stadtarchiv mit Festakt eröffnet
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21:32 29.10.2019
Ein erstes Geschenk: Ralf Jacob (links) überreicht Michael Ruprecht bei der Eröffnung des Stadtarchivs ein Foto vom Hermann Walter (1838-1909), einem der wichtigsten Bildchronisten Leipzigs. Quelle: André Kempner
Leipzig

„Besser als Sherlock und Poirot: Detektivarbeit im Archiv“ – mit diesem Spruch hat das Stadtarchiv augenzwinkernd für sich geworben. Doch das war eigentlich gar nicht nötig. Vom Ahnenforscher über Studenten bis hin zum gestandenen Wissenschaftler sind viele ganz heiß, das neue Domizil des Stadtarchivs im ehemaligen sowjetischen Pavillon auf der Alten Messe in Augenschein zu nehmen. Es wurde am Dienstag bei einem Festakt feierlich eröffnet – der Andrang war groß. „In Leipzig ist ein neuer Stern am Archivhimmel aufgegangen“, lobte Ralf Jacob, der Chef des Verbandes deutscher Archivare.

Logistische Meisterleistung vollbracht

Die Arbeitsgemeinschaft „Pfau Architekten / F29 Architekten“ entwickelte die ehemalige Messehalle zu einem Magazin-Zweckbau mit Platz für rund 20 Regalkilometer Archivgut auf 8200 Quadratmetern. Die Stadt hat rund 17 Millionen Euro investiert. Das alte Domizil am Torgauer Platz war zu klein geworden. Die Stadt mietet das Gebäude nun von der Leipziger Entwicklungs- und Vermarktungsgesellschaft LEVG an, die die Sanierung übernahm. Vorgesehen sind bereits Flächen in der ehemaligen Messehalle 12, um das Archiv erweitern zu können. Die reichen dann bis 2050.

Innerhalb von zweieinhalb Jahren ist aus dem ehemaligen sowjetischen Pavillon fürs Stadtarchiv ein modernes Bauwerk entstanden: Passiv klimatisiert, mit speziell eingerichteten Funktionsräumen für Restauratoren und Archivare, neuester Technik für die Werkstatt sowie einem großzügig geschnittenen Forschungssaal.

Bis es zum Ausbau kam, wurden über mehr als zehn Jahre mindestens 20 Standorte begutachtet. „Wir müssen dafür sorgen, dass wir das uns anvertraute kulturelle Kapital sicher für die Zukunft verwahren“, betonte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) am Dienstag, der auch die logistische Meisterleistung der Mitarbeiter beim Umzug lobte. Mehrere Monate lang fuhren täglich etwa acht LKW, um 2200 Paletten mit insgesamt 12,5 Regalkilometern Akten und 350 000 Fotos zu transportieren, zudem über 3000 Urkunden sowie 150 Container mit Stadtbüchern und großformatigen Plänen. „Ich verstehe das Stadtarchiv als offenes Haus für Wissenschaftler und Bürger“, so Michael Ruprecht, der Direktor.

Stadtbrief ist wohlbehütet

Dort sind Leipzigs Schätze wie der fragile Stadtbrief untergebracht. Das Stadtrecht wurde um 1165 verliehen, das schriftliche Dokument wurde allerdings um 1215 ausgestellt, also wesentlich später. Es wird bei etwa 20 Grad sowie einer relativen Luftfeuchtigkeit von 55 Prozent in einer Schutzkassette aufbewahrt. Die liegt in einem Archivschrank aus Massivholz, den der erste Stadtarchivdirektor Gustav Wustmann 1886 anfertigen ließ. „Solche Originale sind nicht zu ersetzen. Deshalb gibt es dafür hohe Sicherheitsvorkehrungen“, betonte Ruprecht.

Geschichte des Pavillons

Mit goldener Spitze und rotem Stern ist der ehemalige Sowjetische Pavillon weithin sichtbar. Diesen gibt es in dieser Form seit 1952. Ab 1950 wurden Fassade und Innenraum des Gebäudes nach dem Vorbild Moskauer Bauten aus den 1930-er Jahren umgebaut. Das Gebäude ist aber weitaus älter: Es wurde in den Jahren 1923 bis 1924 nach Plänen von Oskar Pusch und Carl Krämer errichtet – als Messehalle für Werkzeugmaschinen. Der Verein deutscher Werkzeugmaschinenfabrikanten stellte das Gebäude in den Wintermonaten als Sporthalle unter dem Namen „Achilleion“ zur Verfügung. Zu diesem Zweck versahen die Architekten das nüchtern-moderne Gebäude mit einer runden Arena mit antiken Säulen. Eröffnung des Sportpalastes für 8000 Zuschauer war dann am 8. Oktober 1927. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Sporthalle stark zerstört. Ein Jahr nach Kriegsende fand die erste Messe wieder statt.

Der Sowjetische Pavillon diente zu DDR-Zeiten als Startpunkt für die Messerundgänge der Staats- und Parteiführung. Im Pavillon befanden sich Verwaltungs- und Repräsentationsräume der Messe. Seit dem Umzug der Messe 1996 auf ihr neues Gelände stand der Sowjetische Pavillon lange Zeit leer, bevor er zum Stadtarchiv umgebaut wurde. In weiteren Räumen der ehemaligen Halle 12 über dem Magazin wird künftig das städtische Amt für Jugend, Familie und Bildung untergebracht.

Das Gebäude verfügt über eine so genannte Passiv-Klimatisierung. Eine Doppelschalenwand sowie Luftpuffer sorgen dafür, dass externe Temperaturschwankungen abgefedert werden und das Raumklima konstant bleibt. Die Werkstatt bietet mit einer Nassstrecke sowie einem Trockenbereich zudem optimale Bedingungen für die Restauratoren.

Lesen Sie auch: Leipzigs Stadtarchiv meldet sich zurück – für Besucher sind Führungen geplant

Stadtarchiv erweitert Servicezeiten

Neben Schätzen bewahrt das Archiv auch Alltägliches und Skurriles. Dazu gehören Pläne aus den 1920er Jahren für einen Flughafen auf dem heutigen Augustusplatz oder ein Bohrkern von Straßenbauarbeiten in Liebertwolkwitz.

Für die Nutzer sind 36 Arbeitsplätze im Forschungssaal vorhanden, diese sind moderner ausgestattet – etwa durch eine W-Lan-Anbindung. Am neuen Standort gibt es zudem deutlich verlängerte Servicezeiten. Montags ist künftig von 12 bis 18 Uhr geöffnet, dienstags bis donnerstags jeweils von 9 bis 18 Uhr.

Programm

Die Mitarbeiter des Stadtarchivs führen Besucher am 30. Oktober durch das neue Gebäude. Die Rundgänge starten 13 und 16 Uhr. Nach dem Feiertag geht es am Freitag, dem 1. November, mit dem Blick hinter die Kulissen weiter. Das offene Haus kann dann zwischen 13 und 19 Uhr besichtigt werden, die Führungen beginnen jeweils 14 Uhr, 15.30 Uhr und 17 Uhr. Mit dabei ist diesmal Karsten Pietsch als Alt-Bürgermeister Hieronymus Lotter.

Auch am Samstag, dem 2. November, sind die Veranstaltungsräume und die Ausstellungsräume des Archivbaus zwischen 12 und 18 Uhr für Besucher geöffnet. Die drei Führungen starten 13, 15 und 16.30 Uhr. Ab 18 Uhr lesen Akteure des Schauspielhauses im neuen Wustmann-Saal aus historischen Quellen des Stadtarchivs. Der Forschungssaal ist schließlich ab Montag, dem 4. November, ab 12 Uhr für die Benutzer geöffnet.

Von Mathias Orbeck

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