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Lokales Stadtbrief wohlbehütet umgezogen – Stadtarchiv öffnet am 22. Oktober
Leipzig Lokales Stadtbrief wohlbehütet umgezogen – Stadtarchiv öffnet am 22. Oktober
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19:32 01.07.2019
Michael Ruprecht, der Direktor des Stadtarchivs, im Magazin auf der Alten Messe. Quelle: André Kempner
Leipzig

20 Grad Celsius, 55 Prozent Luftfeuchtigkeit, Schmuckkassette – so lagert Leipzigs wichtigstes Dokument: der Stadtbrief. Auf der Alten Messe, wo das neue Stadtarchiv am 22. Oktober 2019 öffnet, ist das fragile Dokument in einem Archivschrank aus Massivholz untergebracht, den der erste Stadtarchivdirektor Gustav Wustmann im Jahr 1886 anfertigen ließ. Ohne Blaulicht und absolut unbemerkt ist das Dokument vom alten Standort des Stadtarchivs in der Torgauer Straße 74 umgelagert worden – zusammen mit vielen anderen Dokumenten und Archivalien. „Der Umzug verläuft bisher reibungslos“, freut sich Michael Ruprecht, der Direktor des Stadtarchivs.

Das Stadtrecht wurde Leipzig um 1165 verliehen, hier der später ausgestellte Stadtbrief. Quelle: André Kempner

Das Stadtsiegel von 1287, das von Kaiser Maximilian I. 1497 ausgestellte und dann 1507 erweiterte Messeprivileg, eine Papstbulle, die Begräbnisordnung von Kurfürst Georg: All diese wichtigen Dokumente sind nun im ehemaligen Sowjetischen Pavillon beheimatet. Mit der Verlagerung der städtischen Urkunden aus dem 12. bis 19. Jahrhundert wurde die finale Phase des Umzugs auf die Alte Messe eingeläutet.

„Alles existiert nur einmal auf der Welt, die Originale sind nicht zu ersetzen. Deshalb gibt es dafür hohe Sicherheitsvorkehrungen“, betont der promovierte Historiker Ruprecht. Das Stadtrecht und Marktprivileg war Leipzig von Otto Markgraf von Meißen etwa 1165 verliehen worden. Das genaue Datum ist bei Forschern umstritten. Die entsprechende, später schriftlich ausgefertigte Urkunde stammt aus der Zeit um 1215.

Platz für 20 Regalkilometer Archivgut

In der umgebauten früheren Messehalle 12, die 1923/24 als Ausstellungsfläche für die Maschinenbauindustrie errichtet wurde, ist ein moderner Archivbau entstanden. Das Büro Pfau Architekten + F29 Architekten GmbH Dresden hat die Pläne hierfür erstellt. Etwa 8200 Quadratmeter bieten Platz für rund 20 Regalkilometer Archivgut. Das reicht zunächst bis ins Jahr 2030. Es gibt aber Erweiterungsoptionen, um genügend Fläche bis mindestens 2050 zu haben. Auch die Leipziger Museen sollen für Kunstgüter Räume nutzen können. Da die Verwaltung künftig immer mehr digitalisiert arbeitet, ist für die Zukunft ein elektronisches Kommunalarchiv für ganz Sachsen geplant.

Der ehemalige Sowjetische Pavillon auf der Alten Messe wird Leipzigs neues Stadtarchiv: Etwa 8200 Quadratmeter bieten Platz für rund 20 Regalkilometer Archivgut.

Schon jetzt beneiden viele Archivare Leipzig um das modernste und größte Archiv in den neuen Bundesländern. „Mit den neuen Räumen heben wir unser Stadtarchiv nunmehr auch räumlich dahin, wo es fachlich bereits angekommen ist: in die erste Liga der Kommunalarchive“, sagt Verwaltungsbürgermeister Ulrich Hörning (SPD). Wie Hauptamtsleiter Christian Aegerter ergänzt, liegen mehr als zehn Jahre Arbeit für den Ausbau des Archivs hinter der Verwaltung. „Wir haben ein städtebauliches Kleinod und ein markantes Gebäude reaktiviert.“ Der Bau hat eine sogenannte Passiv-Klimatisierung. Eine Doppelschalenwand sowie Luftpuffer sorgen dafür, dass externe Temperaturschwankungen abgefedert werden und dass das Raumklima relativ konstant bleibt.

Forschungssaal mit 36 Arbeitsplätzen

Die Mitarbeiter konnten inzwischen offenere, hellere Büros beziehen. Die Werkstatt bietet mit einer Nassstrecke sowie einem Trockenbereich optimale Bedingungen für die Restauratoren. Für die Nutzer sind 36 Arbeitsplätze im Forschungssaal vorhanden, diese sind moderner ausgestattet – etwa durch die WLAN-Anbindung. Genutzt werden können sie nach der Eröffnung am 22. Oktober. Bis dahin müssen Archivkisten sortiert und das Material an den richtigen Platz gebracht sowie die Arbeitsabläufe an das neue Haus angepasst werden. Geplant sind Tage der offenen Tür. Beim alljährlichen Tag der Stadtgeschichte im November will das Stadtarchiv sich auch einer „nationalen Öffentlichkeit“ präsentieren. Der alte Standort in der Torgauer Straße 74 muss bis Ende Juli geräumt sein.

Von Mathias Orbeck

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