Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Städtereport: Leipzigs Einzelhandel legt in Mitteldeutschland am stärksten zu
Leipzig Lokales Städtereport: Leipzigs Einzelhandel legt in Mitteldeutschland am stärksten zu
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:00 03.02.2017
Die Leipziger Hainstraße erreichte im vergangenen Herbst erstmals noch höhere Passantenfrequenzen als der bisherige Primus Petersstraße.
Die Leipziger Hainstraße erreichte im vergangenen Herbst erstmals noch höhere Passantenfrequenzen als der bisherige Primus Petersstraße. Quelle: Andre Kempner
Anzeige
Leipzig

Der Einzelhandel in Leipzig behauptet sich hervorragend gegen die wachsende Konkurrenz aus dem Internet. 2016 klingelten allein in den City-Läden der Messestadt 714 Millionen Euro in den Kassen, berichtet Gunter Engelmann-Merkel vom Handelsverband Sachsen. „2015 waren es erst 668 Millionen Euro. Der Anstieg betrug also 45 Millionen Euro in einem Jahr oder fast sieben Prozent“, erklärt er. Vor fünf Jahren habe die Innenstadt noch bei 627 Millionen gelegen.

Leipzig insgesamt ist auch die einzige Metropole in Mitteldeutschland, die den Umsatz ihres stationären Einzelhandels in den letzten Jahren nennenswert erhöhen konnte. Das geht aus einem neuen Report des Maklerhauses Comfort hervor. Von 2012 bis 2015 (stadtweit gibt es für 2016 noch keine Zahlen) stieg der Handelsumsatz in ganz Leipzig um 2,4 Prozent auf etwa 2,6 Milliarden Euro. Hingegen blieb der Wert für Dresden im gleichen Zeitraum nahezu unverändert (+ 0,4 Prozent) bei 2,8 Milliarden Euro. Unterdessen ging es zum Beispiel in Chemnitz und Halle abwärts: um jeweils 5,8 Prozent auf 1,3 beziehungsweise eine Milliarde Euro. In Erfurt betrug der Rückgang 4,1 Prozent auf weniger als 1,1 Milliarden Euro.

„Im mitteldeutschen Vergleich ist Leipzig zweifellos am besten gegen den Onlinehandel gewappnet“, meint Olaf Petersen. Der Konsumforscher leitet beim Einzelhandelsspezialisten Comfort den Analyse-Bereich. „Leipzig hat eine quicklebendige City, auch weil die Universität mitten in der Innenstadt steht. Es gibt viel Kultur und Freizeitangebote. Seit 2012 kamen 50 000 Einwohner dazu. Die Übernachtungszahlen in den Hotels wurden verdoppelt.“ Da auch der Anteil der Gastronomieflächen in der City auf mittlerweile 23 Prozent geklettert sei, entstehe eine Lebendigkeit, die jede Menge Kundschaft in die Läden treibt. „Hinzu kommt die gute Erreichbarkeit durch einen Ring von Parkhäusern und den City-Tunnel.“

In der Folge würden in Leipzigs heute die höchsten Ladenmieten von bis zu 120 Euro pro Quadratmeter aufgerufen. In Dresden seien es 110, in Chemnitz 55, in Halle 80 und in Erfurt 85 Euro. „Dass der Handel in Dresden nach wie vor mehr Umsatz erzielt als in Leipzig, liegt einfach an der höheren Kaufkraft in der Landeshauptstadt“, so Petersen. In Dresden konzentriere sich ein Großteil des Geschäfts auf die beiden Shoppingcenter entlang der Prager und Seestraße. Deshalb hätten Investoren dort kaum Chancen, Handelsobjekte zu erwerben. In Leipzig würden für Geschäfts- oder Kaufhäuser die höchsten Preise in allen neuen Bundesländern gezahlt: bis zum 23-Fachen der Jahresnettokaltmiete. Nach LVZ-Informationen wechselte etwa das neue Primark-Haus an der Hainstraße im vergangenen Jahr für über 110 Millionen Euro den Besitzer – ein rekordverdächtiger Preis. Mit über 10 000 Passanten pro Stunde hat die Hainstraße im letzten Herbst erstmals den bisherigen Primus Petersstraße überholt.

Laut Comfort dürfte die Leipziger City bald noch mehr Anziehungskraft gewinnen. Denn mit Löwen-Apotheke, Reichshof, Petershof, Petersbogen und Merkurhaus befänden sich aktuell fünf große Geschäftshäuser in der Neuvermietung. Hinzu komme die frühere Hauptpost am Augustusplatz, die jetzt saniert wird und auch Läden aufnehmen soll.

Von Jens Rometsch