Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Starkregen in Ostsachsen: Drohen auch in Leipzig Unwetter?
Leipzig Lokales

Starkregen in Ostsachsen: Drohen auch in Leipzig Unwetter? 

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:23 17.07.2021
Regen hat die Flusspegel in Sachsen steigen lassen.
Regen hat die Flusspegel in Sachsen steigen lassen. Quelle: Hendrik Schmidt
Anzeige
Leipzig

Am Samstagmorgen kam es in mehreren Orten Sachsens zu starken Niederschlägen, die die Wasserstände vieler Flüsse ansteigen ließen. „Heute früh sind örtlich Starkregen bis 30 Liter pro Quadratmeter innerhalb kurzer Zeit gefallen“, vermeldete das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Leipzig bildete dort keine Ausnahme, auch hier kam es in den Morgenstunden zu stärkeren Regenfällen – die um den Mittag allerdings schon wieder abgezogen waren.

Wie es nun in der Messestadt weitergeht, darüber äußert sich Sebastian Balders, Meteorologe beim Leipziger Wetterdienst. Laut seiner Prognose ist am restlichen Samstag nur der Ostteil von Sachsen von schweren Gewittern mit Unwetterpotenzial betroffen: „Leipzig kann heute sicherlich noch einmal gestreift werden von einzelnen Schauern, vielleicht auch mal ein Gewitter, aber ich erwarte da keine großen Regensummen oder ähnliches.“

Keller in Ostsachsen laufen voll

In anderen Teilen Sachsens ist dagegen weiter mit schweren Gewittern zu rechnen, die Starkregen und Hagel mit sich bringen könnten. Vor allem im Erzgebirge und im Lausitzer Bergland könne der Regen auch unwetterartig mit über 40 Litern pro Quadratmeter auftreten, so der DWD.

Mehr zum Thema: Warum manche Sachsen jetzt in die Hochwassergebiete fahren

Die ersten Unwetter haben am Nachmittag bereits Ostsachsen getroffen. Starkregen hat dort Straßen und Keller unter Wasser gesetzt. Verletzt wurde vorerst niemand, wie die Regionalleitstelle auf Anfrage mitteilte. Bisher habe es 40 Einsätze im Landkreis Görlitz und 76 im Landkreis Bautzen gegeben, sagte ein Sprecher am späten Nachmittag. Allerdings dauere der Regen in einigen Regionen an und sei mit weiteren Notrufen zu rechnen. Der Deutsche Wetterdienst hatte vor schweren Gewittern der Stufe 3 von 4 in der Region gewarnt. Die Menschen waren aufgerufen, Fenster und Türen zu schließen und sich möglichst nicht im Freien aufzuhalten.

Auch in anderen Landkreisen galten am Nachmittag Unwetterwarnungen, vor alle, vor schweren Gewittern der Stufe 3 und 4. Betroffen sind die Kreise Bautzen, Görlitz, Mittelsachsen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Es könnten Bäume entwurzelt werden sowie Dachziegel, Äste oder Gegenstände herabstürzen. Auch Überflutungen von Kellern und Straßen sowie örtliche Überschwemmungen an Bächen und kleinen Flüssen seien möglich.

Hier gilt die Warnung

Wetterumschwung am Sonntag

In Leipzig sollen sich am Samstagabend die Wolken auflockern, hin zu einem Wetterumschwung am Sonntag: „Die Unbeständigkeit der letzten Tage wird dann erst einmal passé sein. Es bleibt niederschlagsfrei den ganzen Tag über“ – aber auch nicht durchweg sonnig. Balders sprach hier von einem trockenen Sonne-Wolken-Mix bei angenehmen 26 bis 27 Grad.

Die Teilnehmer des CSD in Leipzig auf der Rosentalwiese ließen sich vom trüben Wetter am Samstag nicht die Stimmung verderben. . Quelle: Andre Kempner

Montag oder Dienstag werde es dann tendenziell wieder etwas kühler bei 22 bis 23 Grad, zum Ende der nächsten Woche käme dann allerdings trockene Luft, was zur Folge hätte, dass sich die Wolken auflösen. Bis zum nächsten Wochenende rechnet der Meteorologe mit 28 bis vielleicht 30 Grad, „das ist aber noch zu unsicher, zu weit weg. Das bleibt abzuwarten.“ Sicher sei nur: Es bleibt trocken.

Flusspegel steigen

Der Regen hatte laut Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie vor allem Auswirkungen auf die Nebenflüsse der Oberen Elbe und das Gebiet der Schwarzen Elster in Ostsachsen. Am Morgen sei nicht nur an der Wesenitz in Bischofswerda kurzzeitig die Schwelle zur Hochwasserwarnstufe 1 erreicht worden, auch für das Klosterwasser in Panschwitz im Landkreis Bautzen sei eine solche Warnmeldung ausgegeben worden.

So ist das Wetter gerade über Sachsen:

Auflockern soll sich der Himmel von Norden her dann ab dem Nachmittag, auch das Erzgebirge ist ab der zweiten Nachthälfte voraussichtlich regenfrei. Die Höchsttemperaturen lägen tagsüber bei 26 Grad, in der Nacht abgekühlt bei bis zu 15 Grad. Ab Sonntag gibt es auch sachsenweit eine Trendwende: Es soll trocken bleiben bei maximal 24 bis 27 Grad, am Himmel immer im Wechsel Sonne und Wolken. „Das ist auch der Tenor für die kommende Woche“, so der DWD-Sprecher.

Tote und Verletzte im Westen Deutschlands

In Atem gehalten wurde die gesamte Bundesrepublik über die letzten Tage von Bildern aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Im Zusammenhang mit den schweren Unwettern sind dort nicht nur Häuser eingestürzt und ganze Ortschaften von der Außenwelt abgeschnitten worden, mittlerweile gibt es sogar weit über 100 Tote und noch viele Vermisste. Unweigerlich kommen Erinnerungen an die sächsischen Überschwemmungen von 2002 und 2013 hoch. Viele Menschen fragen sich: Wie sicher ist Sachsen vor dem nächsten Hochwasser?

Die gute Nachricht ist: Allein im ehemaligen Regierungsbezirk Leipzig wurden seit 2002 rund 1,5 Milliarden Euro in den Flutschutz gesteckt. Axel Bobbe, der Betriebsleiter der Landestalsperrenverwaltung in Rötha, sagt mit Blick auf mögliche Jahrhunderthochwasser: „Grimma ist seit zwei Jahren safe.“ Aber auch in der Messestadt, in den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen sowie im Altkreis Döbeln wurde sehr viel investiert, um mögliche Gefahren abzuwenden.

Von Tobias Wagner (mit dpa)