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Lokales Streit am Gohliser Schlösschen – Anwalt eingeschaltet
Leipzig Lokales Streit am Gohliser Schlösschen – Anwalt eingeschaltet
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09:26 09.07.2019
Maik Becher, Betreiber des Restaurants im Gohliser Schlösschen: „Wir arbeiten mit Herzblut und Leidenschaft – und wollen trotz der Schwierigkeiten weitermachen.“ Quelle: André Kempner
Leipzig

Außen glänzt die pure Postkarten-Idylle: Die Rokoko-Fassade des Gohliser Schlösschens ist immer für ein Foto gut. Dahinter allerdings herrscht Sanierungsbedarf – im zwischenmenschlichen und organisatorischen Bereich. Ein lange schwelender Konflikt zwischen dem Freundeskreis Gohliser Schlösschen und der Leitung des Restaurants hat sich verschärft. Der Verein widerspricht den meisten Anschuldigungen, die Stadt als Verpächter hält sich zurück, stellt das Schlösschen aber dennoch auf den Prüfstand.

Ärger kurz nach dem Start

Für Maik Becher begann der Ärger vor drei Jahren, kurz nach der Unterzeichnung des Unterpachtvertrags. „Weil im Januar 2017 die Küche saniert werden sollte, habe ich für den Zeitraum keine Reservierungen angenommen und bestehende abgesagt“, berichtet er, „bis der Freundeskreis ohne Begründung zwei Mal die Verschiebung der Arbeiten ankündigte.“ Somit fehlte für rund zwei Monate der Umsatz.

„Feiern ohne Rücksprache mit uns“

Emotional wie wirtschaftlich besonders schwer wiegt beim Restaurant-Betreiber und seiner Partnerin der Eindruck, vom Kulturgeschehen im Schloss abgekoppelt zu werden: Obwohl das Restaurant laut Vertrag ein Exklusivitätsrecht für die gastronomische Versorgung bei Veranstaltungen habe, hielte sich der Verein nicht daran. Zwischenzeitlich hätte er sogar einen externen Dienstleister eingeschaltet. „Anfragen für die Bewirtung gingen immer zuerst an ihn. Einige Feiern wurden ohne Rücksprache mit uns an andere vergeben“, sagt Maik Becher. „Sogar Hochzeiten wurden vom Schlösschen in andere Locations umgelenkt.“

Umstrittener Vertrag

Dem widerspricht der Vereins-Vorsitzende Christoph Bernhard: „Uns als Vorstand sind umgelenkte Veranstaltungen nicht bekannt“, schreibt er, „der Freundeskreis ist niemals daran interessiert, Veranstaltungen jeder Art in anderen Räumen als dem Gohliser Schlösschen durchzuführen!“ Im September 2018 sei ein Dienstleistervertrag mit einer Firma geschlossen worden, von dem man sich Synergien erhofft hatte; der Kontrakt sei jedoch nach Kritik in der Mitgliederversammlung im Oktober 2018 zum Ende des Folgemonats aufgelöst worden. Zwar gebe es im Pachtvertrag keine Ausschließlichkeitsklausel für den Gastronomen, doch „wir haben Interesse daran, dass allein unser Pächter befördert wird, so dass er auch jederzeit pünktlich seine Pacht an uns zahlen kann“, sagt Bernhard.

Aussage gegen Aussage

So also steht Aussage gegen Aussage. „Ohne die Einbindung ins Programm geht es jedenfalls für uns wirtschaftlich nicht“, stellt Becher klar, „die Gastronomie lebt vor allem von den Veranstaltungen.“ Um trotzdem die Besucherzahlen zu stabilisieren, bietet das Restaurant hin und wieder selbst Kultur an – aktuelles Beispiel: das Sommertheater vom Unternehmen Bühne im Garten vor der Orangerie.

„Verein hat unsere Arbeit erschwert“

Theatermacher Tilo Esche hatte zuvor die weitere Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis und Aufführungen im Schlosshof abgelehnt. „Der Verein hat unsere Arbeit erschwert, unter anderem durch fehlende Kommunikation und Umständlichkeiten beim Kartenverkauf“, sagt der Regisseur, der zuvor mehrere Jahre lang mit dem Unternehmen Bühne dort gastierte. Ende 2019 scheidet Esche nun auch als Vereinsmitglied aus, „denn ein vernünftiges Miteinander ist hier nicht möglich, der Vorstand blockiert jegliche Ideen für Veränderungen“.

Erfolgreiche eigene Veranstaltungen

Das bestätigt Maik Becher. „Wir haben einige Angebote zum Beispiel für mehr Führungen mit Reisegruppen gemacht, doch 90 Prozent davon wurden abgelehnt.“ Inzwischen biete man selbst zumindest Rundgänge von außen an. Zum Wave Gotik Treffen fand so erfolgreich ein Markt statt, auch ein Weihnachtsmarkt ist für dieses Jahr erneut geplant.

Falsche Daten auf der Website

Weiterer Kritikpunkt: Die auf der Website veröffentlichten Büro- und Öffnungszeiten stimmten bis vor gut zwei Monaten nicht mit der Realität überein. Zum Tag des Offenen Denkmals 2018 hatte das Schlösschen entgegen der offiziellen Angaben nicht geöffnet, Besucher reagierten verärgert. Bernhard räumt einen logistischen Fehler ein und bedauert die Mängel auf der Website, „das war für alle Beteiligten sehr ärgerlich“.

Angespannte personelle Lage

Eingeschränkte Flexibilität bei Sonderveranstaltungen begründet der Vorsitzende mit der angespannten personellen Situation; Mitarbeiterin Adina Fahr hatte ihren Job gekündigt, aktuell werden drei Personen mit jeweils einem halben Stellenanteil beschäftigt, hinzu kommt der Hausmeisterdienst. Eine Mitarbeiterin befindet sich in Elternzeit. Zum 1. August soll die volle Stelle neu besetzt werden, außerdem gebe es eine Reihe von Aushilfskräften. Den Vorwurf der fehlenden Vereins-Präsenz am Schlösschen lässt Bernhard nicht gelten. „Es gibt genug Protagonisten vor Ort. So sind immer noch zwei Vorstandsmitglieder in Leipzig ansässig.“

Stadt plant Analyse

Die Stadt als Eigentümerin möchte sich nicht in den Zwist einmischen. Die inhaltliche Arbeit des mit jährlich 136 400 Euro geförderten Vereins entspricht laut Kulturamt dem Betriebskonzept. Und doch: „Grundsätzlich sehen wir einen Entwicklungsbedarf“, informiert Antje Brodhun, Leiterin Kulturförderung. Eine Potenzialanalyse zum künftigen Betrieb ist ausgeschrieben. Wenn unter anderem ein Gesamtbetriebskonzept erstellt wurde, schreibt das Amt die Betreibung zum 1. Januar 2021 neu aus.

Pachtvertrag läuft aus

Vom Auslaufen des Vertrags der Kommune mit dem Freundeskreis Ende 2019 sind die Gastronomen als Unterpächter mit betroffen. Mit beiden Seiten ist das Kulturamt im Gespräch über eine Interimsverpachtung 2020. „Wir brauchen eine längerfristige Perspektive“, kritisiert Becher. „Die beste Lösung für das Schlösschen und uns wäre es, wenn die Stadt zumindest vorübergehend die Trägerschaft übernimmt, die sie an den Verein abgegeben hatte.“ Doch dieser Weg, so Antje Brodhun, ist nicht vorgesehen.

Rechtsanwalt eingeschaltet

Über seinen Rechtsanwalt macht Maik Becher nun finanzielle Forderungen an den Verein geltend. Ob und wie das Miteinander an der Menckestraße 23 künftig funktionieren soll, ist fraglich. Vorstand Bernhard empfindet das Miteinander auf dem Areal als „ein sehr fragiles Gebilde, das man mit gegenseitigen Schuldvorwürfen schnell zum Einstürzen bringen kann. Das wäre wirklich sehr schade.“

„Arbeit mit Leidenschaft“

In diesem Punkt ist er sich mit dem Gastronomen einig, der es nach den fehlgeschlagenen Versuchen seiner Vorgänger geschafft hat, das Restaurant wieder im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. „Wir bekommen viel Zuspruch für unsere Arbeit, wir machen sie mit Freude und voller Leidenschaft – und möchten sie sehr gern hier fortsetzen können.“

Von Mark Daniel

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