Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Streit über Böhse-Onkelz-Festival: „So etwas habe ich noch nie erlebt“
Leipzig Lokales Streit über Böhse-Onkelz-Festival: „So etwas habe ich noch nie erlebt“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:41 28.06.2018
80 000 Fans feierten am Wochenende die Deutschrocker Böhse Onkelz und ihr Festival „Matapaloz“. Die Musik war aber im ganzen Leipziger Norden zu hören. Quelle: Susanne Richter
Leipzig

Die Deutschrock-Band Böhse Onkelz hat am vergangenen Wochenende rund 80 000 Fans auf der Neuen Messe begeistert – aber auch eine ganze Menge Leipziger brüskiert.

Am LVZ-Lesertelefon gab es am Montag zumindest nur dieses eine Thema. „So etwas habe ich noch nie erlebt, obwohl ich schon 40 Jahre hier wohne“, klagte Bärbel Marx aus Schönefeld. „Das gesamte Stadtgebiet Nord und Nord-Ost wurde beschallt in einer Lautstärke, die nur zu ertragen war, wenn man die Fenster schloss und die Ohren zuhielt.“ Ihr sei völlig unklar, wer so etwas zulasse.

Auch Erika Werner aus Mockau sagte: „Ich weiß wirklich nicht, warum mit dieser Lautstärke gearbeitet werden muss. Thekla, Mockau und die Nachbarorte bekamen ab Mittag die volle Dröhnung ab. Und das bis 0 Uhr.“ Es sei schlichtweg unerträglich gewesen. „Als wäre der Krieg ausgebrochen. Muss man denn so etwas genehmigen?“, fragt Werner. Und Detlef Krüger aus Sellerhausen meinte: „Die hätten zumindest die Bühne anders drehen sollen. Dann wäre es nicht so schlimm geworden.“ Aber wer keine Karten für das Konzert bekommen hat, hätte auch in seine – Krügers – Wohnung kommen können. „Da war es genauso laut.“ Wer das „verbockt“ habe, wüsste Krüger gern. „Wahrscheinlich war der Wind am Ende wieder schuld“, mutmaßt er sarkastisch. „Also muss die Polizei jetzt einen Haftbefehl für den Wind ausstellen.“

Lautstärke für Anwohner zumutbar?

Nicht ganz so drastisch sieht es Wolfgang Thiele aus Thekla. „Aber die Verantwortlichen im Rathaus müssen doch einfach mal kontrollieren, ob die Lautstärke eines solchen Konzertes zumutbar ist.“

Aus dem Umweltamt des Leipziger Rathauses hieß es dazu am Mittwoch, die Erteilung einer Genehmigung für Veranstaltungen im Rahmen des Bundes-Immissionsschutzgesetzes sei rechtlich nicht vorgesehen. „Um jedoch die Beeinträchtigungen für die Anwohner auf ein zumutbares Maß zu begrenzen, wurde durch das Amt für Umweltschutz eine immissionsschutzrechtliche Anordnung erlassen, mit welcher der Veranstalter verpflichtet wurde, Lärmschutzmaßnahmen durchzuführen.“

Dabei lasse die Freizeitlärmrichtlinie von Bund und Ländern bei seltenen Ereignissen wie dem erwähnten Festival „Matapaloz“ durchaus einen erhöhten Beurteilungspegel zu. Auch sei eine Verschiebung der Nachtzeit um bis zu 2 Stunden auf maximal 24 Uhr zulässig.

Immissionen auf 70 dB(A) begrenzt

Im konkreten Fall seien die Immissionswerte am nächstgelegenen Wohngebiet auf 70 dB(A) begrenzt worden. Durch technische Maßnahmen wie die Anordnung der Lautsprecheranlagen habe die Lärmbelastung auf ein Minimum reduziert werden müssen, des Weiteren sei der Schallpegel im Zuschauerbereich begrenzt worden, erklärte das Rathaus.

Durch den Veranstalter sei ein Einpegelungsprotokoll für die Soundanlage zu erstellen gewesen, die gesamte Veranstaltung habe durch ein unabhängiges Sachverständigenbüro für Akustik begleitet werden müssen, welches auch Überwachungsmessungen durchzuführen hatte.

Laut Rathaus hatte der Veranstalter die Anwohner außerdem über die Veranstaltung zu informieren und die Erreichbarkeit im Fall von Anwohnerbeschwerden über eine Telefonhotline sicherzustellen.

Mitarbeiter des Amtes für Umweltschutz führten zusätzlich Messungen an ausgewählten Messorten durch. „Nach Vorlage der Messberichte erfolgt die Auswertung der Einhaltung der angeordneten Schallschutzmaßnahmen, gegebenenfalls werden weitergehende Maßnahmen geprüft“, hieß es als Zwischenstand aus dem Umweltamt.

Und als Trost für die Anwohner wurde versichert, „weitere geplante Veranstaltungen dieser Art im Bereich der Neuen Messe sind dem Amt für Umweltschutz nicht bekannt“.

Von Roland Herold

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Lokales Einweihung am Freitag in der Elsterstraße Leipzig - Gedenktafel erinnert an jüdischen Sportclub

Der jüdische Sportverein Bar Kochba Leipzig wurde 1939 von den Nazis zur Selbstauflösung gezwungen. Während die Überbleibsel des Sportparks an der Delitzscher Straße 2016 zerstört wurden, wird ab Freitag eine Gedenktafel im Zentrum an den Club erinnern.

28.06.2018

Gute Nachrichten für Sachsen und Thüringer: Sie gehen am häufigsten zum Zahnarzt. Allerdings enthüllt der neue Barmer-Report auch Nachholbedarf in den Pflegeheimen.

27.06.2018

Neues Leben in der Volkmarsdorfer St. Lukaskirche: Nach umfangreichen Bauarbeiten ist das Haus am Wochenende wieder offiziell in Betrieb genommen worden.

27.06.2018