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Lokales Streit um Ärztepfusch: Es geht selbst um siebenstellige Summen
Leipzig Lokales Streit um Ärztepfusch: Es geht selbst um siebenstellige Summen
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07:05 20.01.2020
Auf einem Röntgenbild ist ganz deutlich eine vergessene OP-Klemme im Bauchraum eines Patienten zu sehen. Wenn Ärzte Fehler machen, wird oft jahrelang vor Gericht gestritten. (Symbolbild) Quelle: dpa
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Leipzig

Ein Patzer bei einer Operation, eine gestörte Wundheilung, Pfusch bei der Entbindung: Bei Klagen um ärztliche Kunstfehler am Landgericht Leipzig (LGL) geht es um die komplette Palette der Medizin. Gingen vor zwei Jahrzehnten „nur“ 40 bis 50 Klagen pro Jahr ein, waren es zuletzt doppelt so viele. Sowohl 2018 als auch 2019 handelte es sich um je 100 Fälle. Nach Auffassung von Patienten handelt es sich um Pfusch – sie verlangen Schmerzensgeld und Schadenersatz.

„Im Prinzip sind sämtliche Bereiche der Medizin vertreten. Eine bestimmte Häufung lässt sich nicht feststellen“, sagt Hans Jagenlauf, Sprecher am LGL. Gerügt werde neben der unzureichenden Aufklärung über Risiken anstehender Therapien die fehlerhafte Durchführung ärztlicher Maßnahmen oder Therapien. Es gehe aber auch um die fehlerhafte Erhebung und/oder Bewertung medizinischer Befunde.

Hohe Beträge bei Pflegebedürftigkeit

Die Forderungen belaufen sich von mehreren Tausend Euro (bei einem Landgericht muss der Streitwert über 5000 Euro liegen) bis zu sehr hohen Summen. Die Höhe richtet sich nach dem Schaden und den damit verbundenen Folgekosten. 2012 hatte das LGL einen Gynäkologen zur Zahlung von 328.000 Euro Schmerzensgeld und einer monatliche Rente von 300 Euro verurteilt, weil ihm mehrere Fehler bei der Geburt von Zwillingen unterlaufen seien. Aufgrund von Sauerstoffmangel war ein Kind schwerstbehindert. Es handelte sich um die höchste bis dahin vom LGL ausgesprochene Summe in Arzthaftungssachen.

Hans Jagenlauf, Richter und Sprecher am Landgericht Leipzig. Quelle: André Kempner

Vor Kurzem ging die Klage einer Parkinson-Patientin gegen die sie behandelnde Klinik ein. Grund: eine Tiefenhirnstimulation habe nicht richtig funktioniert. „Dabei geht es um einen hohen fünfstelligen Betrag“, so Jagenlauf. „Im Falle der Berufsunfähigkeit oder Pflegebedürftigkeit eines Betroffenen sind durchaus auch Summen selbst im siebenstelligen Bereich denkbar“, erläutert der Sprecher weiter.

Kläger hat die Beweislast

Über Gründe für eine Zunahme der Fälle könne man „nur spekulieren oder philosophieren, aber wohl keine konkrete Antwort finden“, meint er. Eine denkbare Überlegung wäre, dass die potenzielle Klägerpartei von erfolgreichen anderen Klagen erfahren hat und sich damit Chancen ausrechnet. „Auf der anderen Seite muss bedacht werden, dass nicht jede optimal verlaufende Behandlung einen Behandlungsfehler bedeutet, der Kläger auch die Beweislast hat und im Falle eines Unterliegens auch erhebliche Gerichts- und Verfahrenskosten auftreten können und werden“, fügt er hinzu. Im Vergleich zu sonstigen Zivilverfahren ist die Anzahl von Arzthaftungssachen aber eher gering. Sie liege am LGL bei nur zwei bis drei Prozent. Das Gros wird außergerichtlich geklärt. Nach Einschätzung der zuständigen Richter gab es mehr Klageabweisungen als Erfolge. Eine Statistik bestehe nicht.

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Von Sabine Kreuz

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