Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Streit um Mordvideo: Verteidiger halten Richter für befangen
Leipzig Lokales Streit um Mordvideo: Verteidiger halten Richter für befangen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:01 12.07.2019
Ines Kilian (r.) und Curt-Matthias Engel (l.), die Verteidiger von Hüseyin D., halten die Richter der 3. Strafkammer für befangen. Quelle: André Kempner
Leipzig

Die Kontroverse um ein von der Staatsanwaltschaft geheim gehaltenes Mord-Video weitet sich aus: Die Verteidiger eines Angeklagten im Prozess um die Tötung des türkischen Geschäftsmannes Mehmet I. (42) im September 2014 in Leipzig-Eutritzsch halten die 3. Strafkammer des Landgerichtes Leipzig für befangen. Die Anwälte Ines Kilian und Curt-Matthias Engel lehnten am Donnerstag im Namen ihres Mandanten Hüseyin D. (50) sowohl die drei Berufsrichter als auch die beiden Schöffen ab. Diese hätten kein Interesse an der Sachaufklärung und wollten das per Handy aufgenommene Video offenbar gar nicht sehen, so die Vorwürfe in ihrem entsprechenden Antrag.

Wie berichtet, läuft der Mammutprozess um den Mord bereits seit mehr als einem Jahr. Laut Anklage soll Hüseyin D. das Tötungsverbrechen in Auftrag gegeben haben. Er habe Hasan M. (47) und einen weiteren Komplizen veranlasst, nach Streitigkeiten Geschäftspartner Mehmet I. umzubringen. Die verscharrte Leiche war von der Polizei erst im November 2017 an der Dessauer Straße ausgegraben worden. Hinweisgeber war Hasan M. – der nunmehr schwerbewachte Kronzeuge im Zeugenschutzprogramm des Landeskriminalamtes sitzt zugleich auch auf der Anklagebank. Der Bosnier muss sich wegen gemeinschaftlichen Totschlags verantworten.

Angeklagter rastet aus: „Du Schwein“

Und Hasan M. will sein im September 2014 heimlich aufgenommenes Mord-Video 2015 einem Freund gegeben haben, der zuletzt als Sicherheitsmitarbeiter in Afghanistan tätig war. Vor Gericht rastete Hasan M. am Donnerstag aus und schrie den Mitangeklagten Hüseyin D. an: „Du Schwein, du hast Gott gespielt und ihn umbringen lassen.“

Die Nachricht über die Video-Existenz platzte erst vor zwei Wochen in den Prozess. Das sei „ein Hammer“, „eine Bombe“, meinte dazu der Vorsitzende Richter Norbert Göbel. Doch die Anträge der Anwälte Kilian und Engel, das Verfahren „wegen schwerwiegender rechtswidriger Verfehlungen der Ermittlungsbehörden“ einzustellen oder zumindest auszusetzen, war von der 3. Strafkammer abgelehnt worden. Auch Staatsanwalt Torsten Naumann im Prozess nach „skandalöser Tatenlosigkeit“ bezüglich der Video-Ermittlung abzulösen, wurde nicht akzeptiert.

Angeklagter soll Video beschaffen

Die Verteidiger bezeichneten die Aufnahmen als „effektivsten Entlastungsbeweis“. Denn sie würden die Unschuld ihres Mandanten Hüseyin D. belegen. Der Mitangeklagte Hasan M. bezichtige ihn „zu Unrecht“. Weil auch die Richter „nicht unverzüglich entsprechende Maßnahmen zur Sicherstellung des Handys einschließlich des Videos veranlasst“ hätten, seien sie befangen. Zudem sei es „die Krönung“, dass sie die Beschaffung in die Hände von Hasan M. gelegt hätten und nicht selbst tätig geworden seien. Bis 31. August soll er die Aufnahmen besorgen, hatte die Kammer verfügt.

Über den Ablehnungsantrag der Verteidigung wurde noch nicht entschieden. Dafür ist eine andere Strafkammer zuständig. So lange läuft der Prozess weiter. Staatsanwältin Vanessa Fink, die am Donnerstag ihren Kollegen Naumann vertrat, kündigte eine schriftliche Stellungnahme an. Sie teile jedoch keineswegs die Ansicht der Verteidigung, dass die Kammer nicht an einer Sachaufklärung interessiert sei.

Von Sabine Kreuz

In dieser Form ist es der einzige Anlaufpunkt in Deutschland: Die Außergerichtliche Streitbeilegungsstelle Leipzig ist sowohl für Verbraucher wie auch Unternehmer ein Ansprechpartner, um Konflikte in kurzer Zeit und mit weniger Kosten zu lösen.

12.07.2019

Das riecht ganz schwer nach einem Schildbürgerstreich: Im Leipziger Stadtteil Probstheida gibt es seit einem guten Jahr eine neue, barrierefreie Haltestelle. Nur hält dort kein Bus ...

12.07.2019

Nach den Ereignissen in Leipzig-Volkmarsdorf hat der Sächsische Flüchtlingsrat die deutsche Abschiebepraxis und das europäische Asylsystem kritisiert. In Sachsen seien in dieser Woche zwei Familien durch Abschiebungen auseinandergerissen worden, hieß es.

11.07.2019