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Lokales Studie: Carsharing für Ältere wenig attraktiv
Leipzig Lokales Studie: Carsharing für Ältere wenig attraktiv
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06:31 20.09.2018
Teilauto expandiert in Leipzig kräftig Quelle: Andre Kempner
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Leipzig

Carsharing – also das Teilen von Autos – ist gut, weil es die Autoflut in Städten begrenzen hilft, heißt es. Der Leipziger Anbieter Teilauto gibt an, dass inzwischen jedes seiner 430 Carsharing-Autos im Schnitt bis zu zehn private Fahrzeuge ersetzt. Doch eine Studie legt jetzt nahe, dass dies nur die halbe Wahrheit ist. Denn die mehrjährige Untersuchung des Vereins Öko-Institut hat ergeben, dass beim sogenannten Free-floating-Carsharing – bei der die Fahrzeuge im öffentlichen Straßenraum für die spontane Nutzung bereit steht und nach der Fahrt an einem beliebigen öffentlichen Parkplatz wieder abgestellt werden können – auch Nachteile lauern. In Leipzig offeriert Teilauto dieses Angebot unter dem Label „Cityflitzer“. Aktuell sind dafür im Stadtgebiet 100 Fahrzeuge im Einsatz, im Herbst sollen 50 weitere folgen.

Nutzer sind vor allem jüngere Menschen

In der Analyse wird betont, dass diese Form des Carsharings vor allem von jüngeren Menschen und Personen mit Abitur genutzt wird, auch Männer seien in der Nutzung „überrepräsentiert“, so die Wissenschaftler. Nur wenig erreicht würden dagegen „Ältere und Personen mit geringerer Bildung“. Diese Gruppen benötigen offenbar auch bei einem gut ausgebauten Carsharing-Angebot weiter eigene Fahrzeuge und ein gutes Straßennetz.

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Kritisch wird das Free-floating Carsharing auch in punkto Umweltfreundlichkeit gesehen. Die ursprünglich erhofften positiven Effekte auf die Umwelt hätten sich nicht bestätigt, heißt es. Dies gelte auch für das Verkehrsverhalten: In den untersuchten Städten Köln und Frankfurt/Main sei durch Free-floating Carsharing sogar „eine stärkere Autonutzung“ eingetreten. Allerdings sei dies nicht zu Lasten des öffentlichen Personennahverkehrs gegangen.

Elektrische Antriebe benötigt

Darüber hinaus wurde „keine Treibhausgasminderung“ festgestellt, da viele Carsharing-Autos mit den gleichen Verbrennungsmotoren ausgestattet sind, die auch private Pkws besitzen. Dies ändere sich aber, wenn die Carsharing-Flotte mit elektrisch betriebenen Fahrzeugen ausgestattet wird, heißt es.

In Stuttgart, Köln und Frankfurt hat die Analyse auch gezeigt, „dass sich die Anzahl von Pkws im Straßenraum nicht verringert“ hat. Nur knapp drei Prozent der Nutzer von Free-floating Carsharing hätten ihren privaten Pkw abgeschafft. Die dadurch erzielte Minderung des privaten Pkw-Bestands sei geringer gewesen als die Anzahl der eingesetzten Carsharing-Fahrzeuge, wird betont.

Leipzig testet fünf Jahre lang

Wie berichtet, hat Leipzigs Stadtrat das flexible Carsharing als Pilotprojekt beschlossen, zunächst angelegt auf fünf Jahre. Maximal 750 Fahrzeuge interessierter Anbieter sollen dafür zugelassen werden. Nach zwei Jahren erfolge eine erste Evaluierung seitens der Stadt. Dafür sollen die Anbieter der Kommune anonymisierte Daten zum Nutzungsverhalten zur Verfügung stellen und einen Teil der Kosten für die Auswertung tragen.

In Leipzig wird das flexible und stationäre Carsharing trotzdem immer beliebter. Wie der Anbieter Teilauto mitteilt, machen im Stadtgebiet inzwischen jährlich 14 000 Nutzer von den Angeboten des Unternehmens Gebrauch – rund 2000 mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Im Jahr 2013 waren es noch 6000. Auch die Anzahl der Stationen und der Fahrzeuge sind seitdem im Stadtgebiet deutlich gestiegen.

Von Andreas Tappert

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