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Lokales Leipzigs lang versteckte Schätze sind am Sonntag zu sehen
Leipzig Lokales Leipzigs lang versteckte Schätze sind am Sonntag zu sehen
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10:47 06.09.2019
Viele verschiedene Orte öffnen am Tag des Denkmals ihre Pforten für Besucher. Quelle: RND/Bildkombo
Leipzig/Schkeuditz

Auch Konrad Adenauer hat nicht immer alles richtig gemacht. Als Oberbürgermeister von Köln untersagte er 1924 einem aufstrebenden Baubeamten, seine Dissertation über die Verkehrsprobleme der Stadt zu schreiben. Daraufhin bewarb sich jener Hubert Ritter um die gerade freigewordene Stelle des Stadtbaurates in Leipzig – und wurde hier sofort eingestellt.

„Leipziger Schultyp“ ging in Architekturgeschichte ein

Ritter baute in Leipzig dann nicht nur den Lößniger Rundling, das Grassi-Museum, das St. Elisabeth-Krankenhaus oder den Kohlrabizirkus an der Alten Messe. Die von ihm geschaffenen Bildungskomplexe gingen sogar als „Leipziger Schultyp“ in die Architekturgeschichte ein. Sie sind so sehenswert, dass am 8. September 2019 erstmals ein Tag des offenen Denkmals auf einer Baustelle eröffnet wird. Um 10 Uhr geht es in der Karl-Heine-Straße 22b los. Dort soll nach der denkmalgerechten Sanierung im Sommer 2021 wieder ein Gymnasium für 1200 Schüler öffnen.

Erstmals wird der Tag des offenen Denkmals in Leipzig auf einer Baustelle eröffnet – am Sonntag um 10 Uhr an der 90 Jahre alten Schule in der Karl-Heine-Straße 22b. Quelle: Jens Rometsch

Allerdings ist der riesige Gebäudekomplex von der Karl-Heine-Straße aus nicht mal zu sehen. Vielmehr führt von der Magistrale ein Weg in Richtung Palmengarten. Wer die historische Brücke über die Luppe passiert hat, wird aus dem Staunen kaum noch herauskommen. 1928/29 entstanden mitten in der Natur fünf Häuser für die Höhere Mädchenschule „Max Klinger“. Ritter wollte den auf Pfählen stehenden Campus eigentlich noch durch fünf weitere Häuser symmetrisch schließen. Doch 1930 verhinderten NSDAP, SPD und KPD seine Wiederwahl als Baurat.

Riesiges Faltdach letztmalig im Original zu sehen

Das Ensemble im Stil der Neuen Sachlichkeit wird nun für mehr als 30 Millionen Euro denkmalgerecht saniert. Eine neue Turnhalle und ein Gebäude für Fachkabinette stehen bereits im Rohbau daneben. Diesen Sonntag gibt es unter anderem die Gelegenheit, ein Highlight der Anlage letztmalig im Original zu besichtigen. Über den beiden alten Sporthallen im Haus E schwebt ein riesiges Faltdach aus Holz, das bald abgetragen, eins zu eins nachgebaut und ersetzt werden muss.

Das historische Faltdach über den alten Sporthallen in der Schule Karl-Heine-Straße muss demnächst durch einen originalgetreuen Nachbau ersetzt werden. Quelle: Jens Rometsch

Die Hallen lassen sich durch senkrecht in die Höhe fahrende Schiebewände zu einer großen Aula verbinden. Künftig dient der Bereich als Aula und Mensa, die Schüler können dort auch selbst kochen. Weshalb die Sanierung alles andere als einfach ist, warum der Fugenmörtel an den Ziegelwänden in verschiedenen Farbtönen aufscheint und die Treppengeländer eine von Ritter eigens erdachte Form haben – das alles ist bei den Rundgängen bis 12.30 Uhr vor Ort zu erfahren. Auch das neue Gymnasium, das in der Lindenauer Uhlandstraße aufgebaut wird, stellt sich vor und bietet einen Imbiss vom Schulkiosk an.

Immerhin 67 besondere Orte umfasst das Programm des Denkmalstages 2019 in Leipzig. Darunter sind viele bekannte Adressen wie das alte Stadtbad (13 bis 17 Uhr), Gohliser Schlösschen (11 und 15 Uhr) oder Rittergut Schönefeld (13.30 bis 17 Uhr).

Katholiken bauten zu DDR-Zeiten Kirche in Wiederitzsch

Zu den 20 Kirchen, die am Sonntag zu Führungen einladen, gehört auch ein Kleinod in Wiederitzsch. In der Georg-Herwegh-Straße 22 erbauten Gemeindemitglieder 1968/70 die Kirche St. Gabriel. Bis dahin konnte die katholische Pfarrei Wiederitzsch nur eine ehemalige Wehrmachtsbaracke für ihre Gottesdienste nutzen, berichtet Elektroingenieur Siegmund Gerhard (77), der nicht nur jeden Samstag auf der Baustelle verbrachte.

Der Architekt Peter Weeck aus Halle steuerte einen Entwurf für eine Kirche aus HP-Schalen bei. Hyperbolische Paraboloidschalen – so das Fachwort – waren schon damals für Dächer von Schwimmhallen oder Werkstätten gebräuchlich, wurden auch über die Westberliner Kongresshalle oder den Teepott in Warnemünde gelegt.

80 Plätze zählt die katholische Kirche St. Gabriel in Wiederitzsch, die 1970 eingeweiht wurde. Mit HP-Schalen aus Stahlbeton (links) symbolisierte der Architekt Peter Weeck aus Halle „das Zelt Gottes unter den Menschen“. Quelle: Dirk Knofe

In St. Gabriel hat sie der Architekt jedoch vom Boden schräg in den Himmel ragen lassen, um „das Zelt Gottes unter den Menschen“ zu symbolisieren. Nur die Giebelwände wurden aus 30 000 Ziegeln gemauert und mit Kunstwerken des Bildhauers Friedrich Press versehen.

Welche Hindernisse die DDR-Oberen dem Projekt in den Weg legten, welche Hilfe es aber auch von evangelischen Christen und einer PGH in der Nähe gab, kommt am Sonntag ab 13 Uhr bei Führungen zur Sprache. Mit dabei sind einige Zeitzeugen der rund 400 Mitglieder zählenden Gemeinde St. Gabriel.

Spurensuche auf riesigem Grabungsfeld am Flughafen

Sehr zu empfehlen sind ebenfalls neun kostenlose Rundgänge zu verschiedenen Themen. So starten 11 bis 14 Uhr zu jeder vollen Stunde Touren, die das Landesamt für Archäologie auf dem Grabungsfeld am Schkeuditzer Flughafen anbietet. Wie berichtet, gehört es mit 130 Hektar zu den größten in Sachsen. Treffpunkt ist an der Ecke Gesnerstraße/Grenzgraben – zu erreichen über die Radefelder Allee.

Unweit vom Flughafen ist eines der größten archäologischen Grabungsfelder in Sachsen entstanden. Auf dem 130 Hektar großen Areal an der Radefelder Allee werden am Sonntag erste Befunde vorgestellt. Quelle: Dirk Knofe

Bereits um 10 Uhr folgt Thomas Westphalen den archäologischen Entdeckungen in der City. „Versteckte Spuren des alten Leipzigs“ hat er eine Führung genannt, die vor dem Primark-Haus an der Hainspitze beginnt.

Denkmalschützer führen zu Zeugnissen der Moderne

Denkmalpfleger der Stadt sind natürlich auch unterwegs. Klaus Jestaedt startet um 13 Uhr an der Schule Karl-Heine-Straße 22b eine Tour zu weiteren Bauten der Moderne in Plagwitz und Lindenau. Peter Leonhardt lädt zur Exkursion über die alte Messe ein (Treff um 11 Uhr am Doppel-M in der Prager Straße).

Stefan W. Krieg-von Hößlin erläutert bei einer Führung durch Gohlis, dass dort in den 1920er Jahren die Fortsetzung des Reformstils mit Art-déco-Formen dominierte und der Einfluss des Bauhauses auf die Architektur gern überschätzt wird – gerade im aktuellen Bauhausjahr. Diese Tour beginnt um 17 Uhr in der Jägerstraße 2, setzt ihren Schlusspunkt an der Versöhnungskirche mit einer Turmbesteigung.

Pittlerwerke in Wahren und Prachtvilla in Grünau geöffnet

Lang versteckte Schätze stellen auch die beiden letzten Tipps dar. Von 12 bis 17 Uhr beginnen stündlich Führungen durch die Pittlerwerke in Wahren (Pittlerstraße 26). Die um 1890 errichteten und 1996 stillgelegten Hallen sollen in Zukunft verschiedenen kulturellen Projekten dienen.

Der Festsaal der Villa Sack in Grünau wurde streng neoklassizistisch gestaltet, andere Räume im flämischen oder Jugendstil. Das kurz vor dem Ersten Weltkrieg entstandene Parkschloss steht seit wenigen Wochen leer, soll aber bald eine neue, öffentliche Nutzung erhalten. Quelle: Dirk Knofe

Noch unklar ist, was aus der prachtvollen Villa Sack im Grünauer Robert-Koch-Park wird. Das Klinikum St. Georg hat das 1910/13 erschaffene Landschloss (vom renommierten Architektenbüro Schmidt & Johlige) gerade geräumt. Am Sonntag werden um 11 und 13 Uhr Führungen durch die in verschiedenen Stilen gestalteten Säle angeboten. Dazu gibt es eine Ausstellung zur Geschichte des Parks, der aus einem Versuchsgut zum Test von Landmaschinen hervorging.

In nur zwei Jahren entstand auf Geheiß von Rudolf Sacks Sohn Paul eine 25 Hektar große Grünanlage samt Gewächs- und Bootshäusern, mehreren Sportplätzen, Kegelbahn, zwei Teichen sowie künstlichen Bächen, Schwimmbecken mit Rutsche, Pavillons und ein kleiner Wildpark. Zurzeit arbeitet die Stadt an einem Konzept, um das Gelände zu einem Erholungsort und Treff für die Grünauer zu verwandeln.

Mehr zum Tag des offenen Denkmals

Das ganze Programm findet sichauf der Internetseite der Stadt Leipzig unter Kultur / Jubiläen und Festivals. Die Kommune hat 6000 Programmhefte drucken lassen, die es in den Bürgerämtern gratis gibt. Durch viele Erläuterungen eignen sie sich gut als Denkmalführer.

Von Jens Rometsch

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