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Lokales Tausende Besucher erkunden Leipzigs Zeugnisse der Moderne
Leipzig Lokales Tausende Besucher erkunden Leipzigs Zeugnisse der Moderne
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20:35 08.09.2019
Eröffnungsveranstaltung auf der Baustelle: Am Tag des offenen Denkmals in Leipzig war auch eine Tanzperformance in der künftigen Schule Karl-Heine-Straße 22b zu sehen. Quelle: André Kempner
Leipzig

Die Moderne mit ihren Umbrüchen in Kunst und Architektur – das Thema vom 25. Tag des offenen Denkmals zog auch in Leipzig Tausende Besucher an.

„Räumliche und gedankliche Nähe zu Dessau

Schon zur Eröffnungsveranstaltung um 10 Uhr auf einer Baustelle in Lindenau herrschte viel Gedränge. Kathrin Rödiger begrüßte die Neugierigen im künftigen Gymnasium an der Karl-Heine-Straße. „Unter den 15 000 Baudenkmalen in Leipzig gibt es viele, die vom Einfluss des Neuen Bauens geprägt sind“, sagte die Leiterin des Amtes für Bauordnung und Denkmalpflege in der sensationellen Turnhalle des 1928/29 errichteten Bildungskomplexes. Auch diese Schule von Architekt Hubert Ritter zeige, dass Leipzig „eine räumliche und gedankliche Nähe zu Dessau“ verband, wo nun am selben Tag ein neues Bauhaus-Museum eröffnet wurde.

Licht, Luft und Reformpädagogik

Einfache, klare Formen, die Reformpädagogik sowie Licht, Luft und Sonne – das alles habe zum baulichen und geistigen Konzept dieser Anlage im Palmengarten gehört. Wie berichtet, wird die derzeit für mehr als 30 Millionen Euro saniert. „Bei soviel Moderne haben auch wir uns gesagt: Wir möchten beim Denkmalstag etwas moderner werden“, erklärte Rödiger. Deshalb fand zum Beispiel die Eröffnung erstmals auf einer Baustelle statt, was in Zukunft öfter geschehen solle.

Das Dessauer Bauhaus strahlte auch stark auf Leipzig aus, war zum Tag des offenen Denkmals bei vielen Führungen durch historische Hallen zu erfahren.

„Wir möchten die Leipziger stärker an den Veränderungen um sie herum beteiligen.“ Ein völlig neugestaltetes Programmheft, Hinweise bei Instagram und Facebook sowie die Wiederaufnahme der Archäologie gehörten ebenfalls zu der Reformidee.

Kostproben aus der Schülerküche

Schulleiterin Mandy Frömmel erläuterte das Konzept des aktuell noch in der Uhlandstraße einquartierten Gymnasiums. Auch eine Ballettperformance und Kostproben der Schülerküche fanden viel Anklang. Nach den Führungen bestand kaum Zweifel, dass in zwei Jahren an dieser Stelle eine wunderbare Schule öffnet.

Zwei besondere Leipziger Kirchenbauten

Das St. Elisabeth-Krankenhaus in der Biedermannstraße wurde 1930 durch Hubert Ritter vollendet. Die katholische St. Bonifatiuskirche nebenan entstand zeitgleich nach einem Entwurf von Theo Burlage aus Osnabrück. Der betont geometrisch gestaltete Rundbau ist eines von nur zwei Gotteshäusern in Leipzig, die Aufnahme in die renommierte Internetliste „Straße der Moderne“ des Deutschen Liturgischen Instituts fanden, so Klaus Jestaedt, der neue Abteilungsleiter für Denkmalpflege im Leipziger Rathaus. Die gleiche Würdigung erhielt nur noch die 1970 geweihte St. Gabriel-Kirche in Wiederitzsch, wo es ebenfalls Führungen gab.

Echte Bauhaus-Stühle in kleinem Lesesaal

Das Westbad (1925/26 Hubert Ritter), der wenig bekannte naturwissenschaftliche Lesesaal im Südostflügel der Nationalbibliothek (1937, mit den berühmten Bauhaus-Freischwingerstühlen von Mart Stam) oder die Plagwitzer Konsumzentrale (1929/32 Fritz Höger) sind weitere herausragende Beispiele des Wirkens der Moderne in Leipzig. Nicht minder die heutige Georg-Maurer-Bibliothek (1929, Otto Fischbeck) in der Zschocherschen Straße: Bei der Sanierung vor zwei Jahren kehrten viele Bauhaus-Elemente wie die quaderförmigen Lichtstelen an der Fassade und die Leuchtbänder im Foyer zurück, erzählte Kerstin Andruschow den etwa 80 Zuhörern bei einem Rundgang.

Übrigens hatte das Leipziger Stadterweiterungsamt den Entwurf für dieses wunderschöne (Bau)-Haus noch 1928 abgelehnt. Mit der Begründung: „Die Baukunst ist nicht für Faschingsscherze da.“ Mehrfache Verhandlungen mit dem Architekten blieben erfolglos, resignierte das Amt schließlich.

Pittlerwerke sollen neues Leben erhalten

Zu den 67 Veranstaltungsorten am Sonntag gehörte auch das 120 Jahre alte Pittlerwerk in Wahren. Der frühere Linken-Stadtrat Horst Pawlitzky (78) hielt einen Vortrag zur Geschichte des bedeutenden Drehmaschinen-Herstellers mit einstmals bis zu 1600 Mitarbeitern. Er war dort selbst 30 Jahre lang als Ingenieur und Parteisekretär tätig. 1997 geschlossen, erwarb das über drei Hektar große Areal im vergangenen Jahr der Investor Montis Realestate aus Berlin.

Man wolle es bald in ein modernes Viertel mit Gewerbe, Ateliers, Fabrikverkauf und Gastronomie verwandeln, dabei mehr auf Bildung und Forschung setzen als etwa im Kunstmekka der Spinnerei im Leipziger Westen, so Projektentwickler Frederic Wickström. Zum Denkmalstag gab es echte Pittler-Drehmaschinen zu sehen und eine Ausstellung über die Zwangsarbeiter zur NS-Zeit. Die Nazis hatten auch in Leipzig der Moderne vorläufig ein Ende bereitet. Das Bauhaus in Dessau wurde 1932 auf Antrag der NSDAP-Fraktion im Stadtrat geschlossen.

Von Jens Rometsch

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