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Lokales Tanzen gegen Mietwucher: Global Space Odyssey zieht durch Leipzig
Leipzig Lokales Tanzen gegen Mietwucher: Global Space Odyssey zieht durch Leipzig
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10:02 15.07.2018
Kundgebung auf dem Augustusplatz – und Wasser! Quelle: Mathias Wöbking
Leipzig

Als die Zeit der politischen Reden beginnt, haben die etwa 1000 Menschen der Global Space Odyssey (GSO) Samstagnachmittag bereits drei Stunden unter der heißen Sonne durch die Stadt getanzt. Kein Wunder, dass vielen von ihnen die paar Zentimeter Wasser im Teich vor der Oper für ein erfrischendes Bad reichen, als der Demonstrationszug gegen 16 Uhr am Augustusplatz ankommt.

Zehn Demo-Wagen haben die bunte Menschenmenge vom Leipziger Westen über Jahnallee und Hauptbahnhof hierher geführt. Zehn Wagen, das bedeutet auch zehn Sound-Anlagen. Ganz vorne wird gerappt, aus den Lastern dahinter wabert die Elektronik, mal treibend, mal eher psychedelisch. Aus Wagen Nummer sieben ertönt Punkrock. Für Liebe und den Schutz der Beton-Assel wird hier den Plakaten und Lkw-Planen zufolge demonstriert. Und für eine „Stadt für alle statt für Profite“.

Am Augustusplatz nennt Frederik Sander vom „kleinen linkspolitischen Teamchen“ aus der Leipziger Clubkultur, das die GSO jährlich organisiert dann die offiziellen Anliegen der diesjährigen Demonstration, die vor bald 20 Jahren als Hanf-Parade begann. „Diversität in unsere Gesellschaft“, ruft er. „Solidarität untereinander, Verantwortung für unsere Mitlebenden jeglicher Art und Herkunft.“ Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke dankt den Menschen dafür, dass sie „die Diversität aktiv leben“, die zu Stadt und Kultur gehöre. „Ich freue mich an Ihrer“, setzt die Linken-Politikerin an und verbessert sich schnell, „eurer Buntheit!“

Unter dem Motto „Diversität, Solidarität Verantwortung“ ist am Samstag die Global Space Odyssey durch Leipzig gezogen.

Janne Dörge vom Lernpaten-Projekt des Soziokulturzentrums Die Villa berichtet, wie es möglich ist, mit nur zwei Stunden Zeit pro Woche etwas im Leben eines Anderen zu verändern: Die Initiative bringt Ehrenamtliche und Geflüchtete zwischen 6 und 26 zusammen. Schließlich redet Stefan Lange vom Aktionsbündnis „Leipzig für alle“ über das Schwerpunktanliegen dieser GSO. „Gegen Mietwucher und Modernisierungswahn!“, schallt es über den Platz.

90 Prozent wohnen in Leipzig zur Miete

Lange ist selbst betroffen, wie er erklärt. Seit zwei Jahren prozessiert sein Vermieter gegen ihn und zwölf weitere Mietparteien, weil sie ihre Wohnungen im Leipziger Osten nicht aufgeben wollen. „Schön, dass der Stadtteil jetzt so hip ist“, sagt er, „aber er ist es wegen der Menschen, die dort leben“. Seit 15 Jahren bewohnt er mit seiner Familie das Haus. „Auch ich will die Ernte einfahren und im Osten bleiben.“ 90 Prozent der Leipziger seien Mieter, rechnet er vor, und auch in der Menge gehen fast alle Arme nach oben: „Wehren wir uns. Seien wir trotzig“, fordert Lange auf.

Dass sich Widerstand lohnen kann, davon erzählt Jürgen Kasek am Ende der Kundgebung. Bei der GSO 2017 war es das große Thema der Leipziger Clubgänger und -macher, dass die Techno-Disko „Institut fuer Zukunft“ plötzlich eine Sperrstunde einhalten sollte. Die Schließzeit sei, so berichtet der Rechtsanwalt und Bündnis ’90/Grünen-Politiker, jetzt kurz vor der offiziellen Abschaffung. Mit feinem Lächeln liest er aus einem Verwaltungsantrag vor, der im August im Stadtrat zur Abstimmung komme: „Ein Clubevent, sollte er künstlerisch wertvoll sein, dauert mindestens acht Stunden“, lautet ein Satz darin. Damit DJ-Künstler ihre musikalischen Geschichten zu Ende erzählen können, dürfe es keine Sperrstunde geben. „Clubkultur ist Kultur – gleichzusetzen mit klassischer Musik“, jubelt Kasek. Und Frederik Sander vom GSO-Team fügt hinzu: „Da ist wohl jemand im Jahr 2018 angekommen.“

Die Schar kommt ebenfalls an – nach zwei weiteren Stunden Straßentanz im Friedenspark zum Demoausklang. Es ist nur das Vorspiel fürs nächste Fest: Ob bei den sogenannten Aftershow-Partys in Alter Damenhandschuhfabrik, Distillery, Elipamanoke und Gieszer 16 noch irgendwer an die Sperrstunde denkt?

Von Mathias Wöbking

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