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Lokales Taucher gießen Fundamente an der Pfaffendorfer Straße
Leipzig Lokales Taucher gießen Fundamente an der Pfaffendorfer Straße
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08:19 30.01.2019
An der Pfaffendorfer Straße gibt es zurzeit einen 1500 Quadratmeter großen See. In der mit Grundwasser gefüllten Baugrube wurde jetzt das Fundament für ein Wohnhaus gegossen. Taucher mussten die Verteilung des Flüssigbetons in drei bis vier Metern Tiefe auf eine ungewöhnliche Art kontrollieren. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Mit diesen mutigen Männern hätten wohl nur die wenigsten Leipziger tauschen wollen. Bei eisigen Temperaturen stiegen Spezialtaucher am Dienstag immer wieder in einen 1500 Quadratmeter großen See hinab – gleich neben der Pfaffendorfer Straße und nur durch einen Bretterzaun verdeckt. Pontons mit Pumpstationen, Rettungsringen und Schläuchen schwammen auf dem Wasser. Über eine Sprechleitung wurde jedes Wort der Froschmänner am Grund des Sees notiert. Und das zwischen dem Leipziger Zoo und der City!

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„Sicher nichts für schwache Nerven“

„Die Aktion läuft seit heute Morgen 5 Uhr, ist sicher nichts für schwache Nerven, aber perfekt geplant“, beruhigte Andreas Thimm alle Unkundigen. Er ist Projektleiter beim Bauträger Bonava, der an dieser Stelle einen Achtgeschosser mit 50 Eigentumswohnungen errichten will. Später kommt noch ein Siebengeschosser mit 13 Wohnungen an der gegenüberliegenden Lortzingstraße hinzu (die LVZ berichtete). Damit alle Autos der künftigen Nutzer in einer zweistöckigen Tiefgarage parken können, ließ Bonava auf der früheren Brachfläche eine acht Meter tiefe Grube ausheben.

Taucher Thomas Kuhle vor dem nächsten Abstieg ins kühle Nass. Quelle: André Kempner

Diese wurde mit knapp 200 Bohrpfählen zu den Seiten abgedichtet – ein riesiger Swimmingpool voller Grundwasser entstand. „Theoretisch hätten wir auch den Grundwasserspiegel senken können, um das Fundament aus Beton zu gießen. Aber das wäre riskant für die Statik der Häuser in der Nachbarschaft geworden“, erklärte der Ingenieur.

Beton von 250 Lastkraftwagen

Also habe das Spezialtiefbau-Unternehmen Himmel und Papesch die Lösung mit den Berufstauchern der Firma Leunert aus Bad Saarow entwickelt. „Sonst sind wir oft an Kraftwerken oder Talsperren im Einsatz“, verriet Thomas Kuhle, bevor er wieder seinen Taucherhelm aufsetzte. In dem Neoprenanzug sei es unter Wasser genauso kalt wie oben auf den Ponton-Flößen. Immer wieder tauchten wechselnde Kollegen drei bis vier Meter tief auf den Grund, um die richtige Verteilung des Flüssig-Betons für das Fundament zu überprüfen. Der Beton kam von 250 Lastkraftwagen über Schläuche, die an einem 56 Meter langen Kranarm hingen. „Die Taucher müssen alles mit den Händen erfühlen. Vor lauter Schlamm sieht man da unten nichts“, so Polier Andreas Kirchhof.

Spektakulärer Arbeitseinsatz: Bei eisigen Temperaturen stiegen am 29. Januar immer wieder Taucher in einen künstlichen See am Rand der Leipziger City.

Bau der Tiefgarage beginnt bald

Heute Mittag soll das Fundament fertig sein, das heißt: einen Meter stark. Der Beton härtet in zwei Tagen aus. „Danach wird das Becken leer gepumpt und wir können den Hochbau starten“, so Bonava-Mann Thimm. Einzug soll bei wärmeren Temperaturen sein: im Frühling 2020.

Von Jens Rometsch