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Lokales Tausende Leipziger feiern beim Courage-Festival
Leipzig Lokales Tausende Leipziger feiern beim Courage-Festival
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16:33 01.05.2019
Die Nachwuchs-Gewinnerband Carbon eröffnete das Festival „Leipzig zeigt Courage“ auf dem Dach der Moritzbastei. Quelle: Andre Kempner
Leipzig

„Nicht alle Lieder sind traurige Lieder“, kommentiert Sänger Cedric De Decker die Musik seiner Band Carbon. Als Gewinner des Jugendfestivals eröffnen die Leipziger Newcomer das diesjährige „Leipzig zeigt Courage“-Open-Air, das erneut unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Burkhard Jung steht. Tatsächlich laufen Carbon in keiner Weise Gefahr, Traurigkeit zu verbreiten - sondern sorgen mit ihrem Prog-Rock-Sound für einen energiegeladenen Festivalauftakt.

Selbst das Wetter unterstützt die Courage

Bereits zum 22. Mal setzen Künstler und zivilgesellschaftliche Akteure bei „Leipzig zeigt Courage“ ein Zeichen für Toleranz und Weltoffenheit in Stadt und Land. 1998 als Demonstration gegen einen geplanten Nazi-Aufmarsch am Völkerschlachtdenkmal ins Leben gerufen, ist die Veranstaltung fester Bestandteil des zivilgesellschaftlichen Engagements in Leipzig.

Zum zweiten Mal setzen Künstler wie Dota, Danger Dan und Gato Preto auf dem Dach der Moritzbastei ein gemeinsames Zeichen für Zivilcourage.

Als solcher wird sie nicht nur von der Stadt, sondern mittlerweile auch vom sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer unterstützt - und in der Regel auch vom Wetter, wie Heike Engel vom Veranstalter Anker e.V. berichtet. Entsprechend scheint heute warme Abendsonne auf das Dach der Moritzbastei, wo das Konzert zum zweiten Mal stattfindet.

Zahlreiche Besucher

Die Fläche füllt sich im Laufe des Abends, bis samt den Menschen auf dem umliegenden Areal etwa 2500 bis 3000 Menschen umsonst und draußen den Bands lauschen, wie die Veranstalter schätzen. Etwas melancholischere Töne bringt ihnen dabei der Leipziger Singer-Songwriter Florian Sievers alias „Das Paradies“ mit - spontan entschlossen solo mit Gitarre, da die Begleitband wegen Krankheit ausfällt. Diese Reduziertheit passt gut zu seinen Songs, in denen poetisch-assoziative Texte auf wenig vorhersehbare, trotzdem eingängige Klänge treffen. Die gefallen auch den Kindern vor der Bühne, die am Zaun zum Bühnengraben und an Sievers’ Lippen hängen.

So familiär-entspannt ist die Atmosphäre des frühen Abends, bis sie durch den nächsten Act Gato Preto aufgemischt wird. Neben dem wilden Mix aus Baile Funk, Elektro und Afro-Beats bewegen auch die Worte von Sängerin Gata Misteriosa. Sie spricht von der Demütigung des unterschwelligen, „witzig“ gemeinten Rassismus, den sie als Kind und Jugendliche oft schmerzhaft erfahren musste. Und dem sie, wie sie sagt, als mittlerweile erwachsene Frau stolz entgegentritt. Das tut sie auf dieser Bühne mit rauschender Energie und guter Laune: „Leipzig, keine Angst, come on!“

Musik und Wort

Dezidiert gegen Rassismus und Intoleranz richtet sich auch der Wortbeitrag von Universitätsprofessor Thomas Lenk. Er unterstreicht die Dringlichkeit dieses Anliegens im so wichtigen Wahljahr 2019. Auf dieses will auch der „Markt der Möglichkeiten“ aufmerksam machen, der neben der Moritzbastei schon seit dem Nachmittag ein Forum für verschiedene integrations- und demokratiefördernde Initiativen bietet.

„Netzwerk für Demokratie“-Bildungsreferentin Henriette Wolf zeigt sich zufrieden angesichts der Gelegenheit, dort mit Passanten ins Gespräch zu kommen, ebenso Winfried Eberhard vom „Aufruf 2019“: „Das große Interesse an der Europawahl hat mich positiv überrascht“, sagt er.

Lob der Demokratie

Bevor die letzten beiden Acts des Abends - der freche Rapper Danger Dan von der Antilopengang („Leipzig ist wirklich eine Insel, man muss nur 20 Minuten fahren, um auf’s Maul zu kriegen“) und die Berlinerin Dota, ehemals auch als „Kleingeldprinzessin“ bekannt - die nun dicht gefüllten Reihen vor der Bühne zum Tanzen bringen, fragt Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke (Linke), wer schon beim ersten Mal „Leipzig zeigt Courage“ dabei war. Tatsächlich gehen im Publikum etliche Hände nach oben.

Jennicke fordert auf, sich im 30. Jahr der Friedlichen Revolution das so hart erkämpfte Recht, zu wählen, doch auch zu nehmen. Hier schließt mit dem Song „Demokratie“ Sebastian Krumbiegel an Er ist „Courage“-Mit-Initiator der ersten Stunde und gemeinsam mit Moritzbastei-Programmchef Rick Barkawitz für das Booking des Abends verantwortlich.

Neue Zusammenarbeit

Krumbiegel kommentiert den Schulterschluss von „Leipzig zeigt Courage“ mit dem Freistaat, welcher mittlerweile im Rahmen der Kampagne „So geht sächsisch“ vollzogen ist. Angesichts von Rechtspopulismus sei mittlerweile nicht mal mehr die CDU ein Feindbild: Gemeinsam stehe man quasi auf der „guten Seite der Macht“. Heike Engel berichtet, dass Ministerpräsident Kretschmer sogar vorbeigekommen wäre, wenn nicht die Tradition der Görlitzer Walpurgisfeuer zu pflegen wäre. Sächsisch hat eben viele Facetten.

Bleibt zu hoffen, dass sich staatstragende Repräsentanten und konkrete Geschichten und Akteure vor Ort bei „Leipzig zeigt Courage“ weiterhin die Waage halten. Und die Veranstaltung, im Sinne ihrer Ursprünge, eine authentische und lebendige Möglichkeit für politischen Protest bleibt.

Von Eva Finkenstein

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