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Lokales Tausende Züchter treffen sich in Leipzig auf weltgrößter Rassegeflügelschau
Leipzig Lokales Tausende Züchter treffen sich in Leipzig auf weltgrößter Rassegeflügelschau
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16:36 09.12.2018
Von der Paduaner-Gans (links) über den Paduaner tollbunt (Mitte) bis zum orangehalsigen Italiener-Hahn (rechts): Die 122. Lipsia-Schau gab bunte Einblicke in die Rassegeflügel-Welt.
Von der Paduaner-Gans (links) über den Paduaner tollbunt (Mitte) bis zum orangehalsigen Italiener-Hahn (rechts): Die 122. Lipsia-Schau gab bunte Einblicke in die Rassegeflügel-Welt. Quelle: Fotos: André Kempner
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Leipzig

Es gurrt, es gackert und es schnattert. Ein ohrenbetäubendes Durcheinander an Vogelstimmen. Hähne mit den ausgefallensten Kopfschmücken recken ihre Hälse und krähen um die Wette. Geht es nach ihnen, erlebt die Neue Messe einen Dauersonnenaufgang. Grund sind die 122. Lipsia und die 100. Nationale, die am Wochenende dort zeitgleich stattfinden.

Neben Deutschen doppelkuppigen Trommeltauben, die nicht gurren, sondern – daher der Name – Trommellaute verbreiten, ist es in anderen Käfigen vergleichsweise still: Kaninchen mümmeln dort ohne größere Lautanstrengung. Der Deutsche Widder, so heißt eine Rasse, mag es eher beschaulich. Mit 666 Ausstellern und rund 3600 Kaninchen ist die 12. Landesschau der Sächsischen Rassekaninchenzüchter, die auch auf die Messe lockt, vergleichsweise klein.

Tausende teils exotische Geflügelrassen und verschiedenste Kaninchen sind bis Sonntag bei der Schau „Lipsia“ in Leipzig zu sehen.

Über 43.600 Tiere ausgestellt

Die beiden Bundesschauen der Geflügelzüchter sind hingegen für Menschen aus der ganzen Republik und über die Landesgrenzen hinweg ein Muss: Allein die Lipsia ist die weltweit größte Rassegeflügelausstellung. Die Nationale gastiert in diesem Jahr in Leipzig, weil sie hier 1893 zum ersten Mal stattfand. „Das macht Leipzig zu einem Mekka der Geflügelzucht“, sagt Vereinsmitglied Bernd Ferl.

Der 67-jährige Thallwitzer ist seit vier Jahren Herr über die Käfige, die von Freitag bis Sonntag die über 43.600 Tiere beherbergen. Sonst lagern die gestapelt auf Paletten in einem ehemaligen LPG-Bau. Die Ausrichtung der Geflügelschau ist für den Leipziger Rassegeflügelzuchtverein 1869, der rund 450 Mitgliedern hat, ein Kraftakt. Doch der Zuspruch zeige auch in diesem Jahr, dass der sich lohne, sagt Ferl. Fast 4600 Aussteller haben sich angemeldet. 542 Preisrichter waren nötig, deren Tauben, Hühner, Enten und Gänse zu begutachten.

Züchter zeigen ihre Erfolge

Resultat ist der Ausstellungskatalog, der frisch aus dem Druck die Messebesucher über jedes der Tiere informiert. Darin steht nicht nur, woher es stammt und ob es zum Verkauf steht, sondern auch wie es von der Fachjury bewertet wurde. Für jede Rasse gibt es festgelegte Kriterien. Ist das Gefieder voll ausgeprägt? Fehlt da etwa eine Kralle?

Am Ende winken dafür Auszeichnungen von befriedigend bis hervorragend sowie kleine Sach- und Geldpreise. „Für die Züchter ist das wie im Sport: Man möchte nicht nur trainieren, sondern auch zeigen, was man kann“, sagt Ferl, der selbst acht Tauben und neun Zwerghühner ins Rennen geschickt hat. Er ist mit seinen Ergebnissen in diesem Jahr zufrieden.

Jeder findet seinen Vogel

Das ist auch Ilona West aus Gotha. Zusammen mit ihrem Mann Wolfram streift sie durch die Käfigreihen. Einen Stamm Zwerg-Orpington-Hühner hat sie ausgestellt. Ein Stamm sind ein Hahn und zwei Hennen. Die stolzieren entspannt durch ihren Käfig. Die Rasse hat eine eigenwillige Form, das Hinterteil wirkt gedrungen. Ilona West züchtet sie in gelb. „Bei dieser Rasse möchte man so eine Würfelform erreichen“, erklärt Wolfram West.

Seit 2012 züchtet seine Frau die Tiere, davor hatte sie die größeren Orpington-Hühner. Der Umstieg sei einfach eine Platzfrage gewesen, verrät Ilona West. Auf die englische Hühnerrasse sei sie kurz nach der Wende gestoßen. „Wir waren noch mit DDR-Ausweisen auf der Grünen Woche in Berlin und haben die Großen gesehen“, erzählt Wolfram West. Anders als seine Frau, die studierte Landwirtin ist, liebäugele er auf der Messe weniger mit den Hühnern als mit Wachteln. Er überlege, sich ein paar anzuschaffen, sagt er: „So hat eben jeder so seinen Vogel.“

Von Manuel Niemann

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