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Lokales Tauziehen um Fahrradstreifen in der Jahnallee
Leipzig Lokales Tauziehen um Fahrradstreifen in der Jahnallee
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19:25 15.03.2019
Gestern Mittag in der Jahnallee: Grüne Aktivisten fordern Fahrradstreifen. Quelle: Foto: Ch. Modla
Leipzig

Der Streit um die Umgestaltung der inneren Jahnallee ist in einer neuen Runde: Nachdem die Stadt dort Tempo 30 eingeführt und fast überall das Kurzzeitparken verboten hat, forderte Leipzigs Fahrrad-Lobby am Freitag medienwirksam das Abmarkieren von Fahrradstreifen an beiden Fahrbahnseiten. Die Betreiber von Ladengeschäften an der Meile waren empört. Anlieferer könnten sie dann gar nicht mehr erreichen, hieß es. 380 Arbeitsplätze stünden zwischen Leibnizstraße und Waldplatz auf dem Spiel.

„Im Prinzip haben fast alle verloren“

An der Einmündung Leibnizstraße war gegen Mittag auf ein Dutzend Meter Länge ein roter Teppich ausgerollt, der einen Fahrradstreifen symbolisierte. Junge Leipziger schwenkten Plakate mit Aufschriften wie „Wer Straßen sät, erntet Verkehr“. Auch Fahrradanhänger voller kleiner lächelnder Kinder wurden vor TV-Kameras über den provisorischen Fahrradstreifen chauffiert. „Wir wollen, dass dieser gefährliche Straßenabschnitt sicherer wird“, begründete Stadträtin Katharina Krefft (Grüne) die Aktion. Und Tino Supplies vom Umweltbund Ökolöwe meinte: „Im Prinzip haben mit der jetzigen Lösung fast alle verloren. Die Autofahrer haben keine Kurzzeitparkplätze mehr und die Radfahrer haben keine Radspur bekommen.“ Auch Volker Holzendorf von den Grünen bekräftigte: „Die Stadt hat erst einen halben Schritt getan.“

Wie berichtet, prüft das Rathaus derzeit, die parallele Gustav-Adolf-Straße als Fahrradstraße auszuweisen und die Radfahrer dorthin umzuleiten. Leipzigs Grüne und der Allgemeine Deutsche-Fahrrad-Club (ADFC) halten davon nichts. „Die Radfahrer wollen auf direktem Weg durch die innere Jahnallee fahren“, erklärte Krefft. Das Alternativ-Angebot bedeute für sie einen Umweg und werde deshalb nicht angenommen. „Außerdem wäre an der Waldstraße das Linksabbiegen zum Waldplatz zu gefährlich“, so Rosalie Keuijer, Vize-ADFC-Vorsitzende.

„Wir werden mit dringend benötigten Medikamenten beliefert“

Ein paar Meter entfernt beobachtete Robert Maihöfner vom Restaurant „Löwen-Tanke“ die Aktion. „Unser großer Nachteil ist, dass wir Arbeit haben und beschäftigt sind“, erklärte der Gastronom. „Wir können uns nicht den ganzen Tag hinstellen und in die Hände klatschen.“ Wenn der Fahrradstreifen komme, sei seine „Löwen-Tränke“ für den Anlieferverkehr unerreichbar. „Wir Geschäftsleute brauchen auch die Kurzzeitparkplätze, um über die Runden zu kommen“, sagte er. „Aber in der Stadtverwaltung interessiert sich niemand für unsere Arbeitsplätze – die machen, was die Fahrradfahrer wollen.“

In der „Einhorn-Apotheke“ schräg gegenüber sieht das Apothekerin Anne-Kathrin Habermann ähnlich. Sie hat eine Warnweste in ihr Schaufenster gestellt und daneben ein Schild postiert, auf dem „Wir protestieren gegen die Streichung der Kundenparkplätze“ steht. „Ich werde alle zwei Stunden vom Großhandel mit dringend benötigten Medikamenten beliefert“, erzählte sie. „Diese Transporter können jetzt hier nicht mehr halten. Mit einem Fahrradstreifen würde das völlig unmöglich.“

„Das Ordnungsamt war gleich da“

Ein paar Meter weiter ist Uta Schlottig sauer. Seit die Parkplätze weg sind, würden sich an ihrer Textilreinigung abenteuerliche Szenen abspielen, berichtet sie. „Ein Kunde wollte in einer Seitenstraße parken, um seine gereinigten Sachen abzuholen. Da war gleich das Ordnungsamt da.“ Ihre Kunden kämen auch aus Markkleeberg, Leutzsch und Lindenau. „Sie brauchen die Kurzzeitparkplätze.“ Die Radfahrer sollten über die Gustav-Adolf-Straße ausweichen. „Das hat doch zu DDR-Zeiten auch funktioniert.“

Von Andreas Tappert

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