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Lokales Thair Abud wandert von Kap zu Kap für den guten Zweck
Leipzig Lokales Thair Abud wandert von Kap zu Kap für den guten Zweck
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10:20 10.12.2018
Weitwanderer Thair Abud in Leipzig mit seinem Gepäckwagen. Quelle: André Kempner
Leipzig

Von Kap zu Kap für den guten Zweck: Es ist das Frühjahr 2018, als Weitwanderer Thair Abud seine Tour startet. Sein Plan: Zu Fuß vom Nordkap in Norwegen nach Kap Agulhas, dem südlichsten Punkt des afrikanischen Kontinents laufen. 4000 Kilometer und unzählige Schritte später sitzt Abud vor einer Tasse Espresso in einem Leipziger Café, neben sich das 17 Kilo schwere Marschgepäck, und erzählt von seinem Weg und warum er Spenden für die Krebshilfe sammelt.

Thair Abud (53) wurde in Duisburg als Sohn einer deutschen Mutter und eines irakischen Vaters geboren; er studierte Bauingenieurwesen und arbeitete viele Jahre auf Managerebene. 2013 dann die Kehrtwende: „Meine Schwester hatte Brustkrebs. Es ging ihr sehr schlecht. Sie begann sich aufzugeben. Aber ich konnte sie nicht sterben sehen. Sie ist eine so großartige Schwester. Ich musste etwas tun und beschloss den Jakobsweg zu gehen.“ Jeden Abend erzählte Abud ihr am Telefon von seinen Erlebnissen, nahm sie auf diese Weise mit auf die Wanderschaft: „Denn es war nicht der Krebs, der sie umbrachte, es waren ihre Gedanken“, ist Abud überzeugt. „Heute gilt meine Schwester als geheilt.“

T-Shirts mit dem Abdruck von Kanaldeckeln

Thair Abud aber geht seinen Weg weiter: „Jeder von uns kennt irgendjemanden, der an Krebs erkrankt ist. Davon betroffen ist oft die ganze Familie. Ich will Mut machen, spreche mit Betroffenen, halte Vorträge und sammle auf meiner Wanderung Spenden: Für 50 Euro können Unterstützer einen Reisetag kaufen – ein Teil davon geht an die Krebshilfe des jeweiligen Landes. Der Sponsor bekommt eine Ansichtskarte, darauf schreibe ich eine kleine Geschichte. Meine T-Shirts bedrucke ich mit Abdrücken von Kanaldeckeln und versteigere sie dann“, berichtet Thair. Neben seiner konkreten Hilfe möchte der 53-Jährige auch auf gesellschaftliche Probleme aufmerksam machen: „Zum einen leben wir in einer Überflussgesellschaft – zum anderen entstehen Zivilisationskrankheiten, nimmt die Umweltverschmutzung immer mehr zu. Ich will zeigen, was man wirklich braucht und dass zu Fuß zu gehen die Ursprünglichste aller menschlichen Fortbewegungsarten sein kann.“

Er verstehe nicht, warum sich viele Menschen die meiste Zeit nur noch in geschlossenen Räumen aufhalten. „Seitdem ich mich bewege, werde ich kaum noch krank.“ Hat Thair Abud keine Angst vor schlechten Erlebnissen? Vor Überfällen? „Es gibt nur gute Menschen“, sagt der Wanderer. „Als Kind unserer Eltern haben wir Liebe erfahren. In jedem Menschen steckt daher Liebe. Diese Seiten spreche ich an.“ Und wie ist es mit der Einsamkeit auf der Landstraße? „Allein lernt man sich besser kennen, muss zu seinen Gedanken stehen, kann sie nicht wegreden. Auch mein Selbstbewusstsein ist automatisch größer geworden, weil ich meine Probleme lösen, den Tag planen muss: Wann geht die Sonne auf, wann geht sie unter, wo kann ich etwas zu essen bekommen?“

Balance zwischen Geben und Nehmen

Die Balance zwischen Geben und Nehmen sei ihm sehr wichtig. Er nehme zum Beispiel nur Fallobst, keine großen Mengen. Auch das Übernachten werde unkompliziert gelöst: „Ich klopfe an die Türen, frage, ob ich mein Zelt aufstellen kann.“ Oft übernachtet Thair auch bei gleichgesinnten Pilgerfamilien. Überhaupt freue er sich auf jeden neuen Ort, jede unverhoffte Begegnung. In Norwegen gebe es beispielsweise auch viele Pilgerinnen. „Überhaupt ist Norwegen ein sehr emanzipiertes Land. Frauen und Männer respektieren sich. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen. Auch die grandiose Natur war ein unvergessliches Erlebnis. Doch ob Norwegen oder Deutschland – jeder Tag ist ein neues, schönes Abenteuer. In Leipzig bin ich zum ersten Mal. Eine zauberhafte Stadt. Ich komme wieder. Aber jetzt geht es Schritt für Schritt nach Erfurt.“ Auch dort hat der Weitwanderer seine Wurzeln. „Meine Großelten waren Thüringer.“ Thair Abud lacht: „Also bin ich ein Ossi!“

Verfolgen lässt sich die Wanderung von Thair Abud auf www.fromkapptocape.com

Von Ingrid Hildebrandt

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