Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Moderne Nomaden erzählen aus ihrem Leben
Leipzig Lokales Moderne Nomaden erzählen aus ihrem Leben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:22 17.01.2020
Schöner geht’s kaum: Martina Zürcher und Dylan Wickrama parken unterm Sternenhimmel in Saragossa, Spanien. Quelle: www.ride2xplore.com
Leipzig

Martina Zürcher und Dylan Wickrama haben ihre Wohnung gegen einen Bus getauscht. Seit fast vier Jahren sind sie als moderne Nomaden unterwegs. Auf dem Travel Festival Leipzig, das von Freitag bis Sonntag läuft, erzählt das Paar von seinen Abenteuern.

Seit wann und warum haben Sie entschieden, in einem Bus zu leben?

Martina Zürcher:Der Entschluss fiel Anfang 2016. Ein paar Monate später zogen wir in unser Heim auf vier Rädern. Es war eine spontane Idee. Wir waren viel für unsere Reisevorträge unterwegs und dachten: „Hey, warum nicht unseren Bus in ein Tiny House umbauen?“

Dylan Wickrama und Martina Zürcher sind moderne Nomaden.

Was bedeutet Ihnen das Reisen?

Dylan Wickrama:Wir lieben es, denn es hilft, die Welt mit anderen Augen zu sehen, Neues zu lernen und zu erleben. Es macht uns glücklich, in einer Lehmhütte in Tadschikistan auf 4000 Meter Höhe bei wildfremden Menschen zu sitzen, Tee zu trinken und einen Einblick in ihr Leben zu erhalten. Es sind die Begegnungen, die das Reisen so spannend machen.

Wohin ging die erste gemeinsame Reise?

Martina Zürcher: Wir haben uns auf Reisen kennengelernt, in einem indischen Tempel. Dylan war auf Motorradweltreise, ich studierte in Indien. Er reiste danach noch zweieinhalb Jahre weiter und ich besuchte ihn alle sechs Monate irgendwo auf der Welt. Wir kannten uns anfangs nur vom gemeinsamen Unterwegssein.

Das Leben im Van findet auf engstem Raum statt. Wie gehen Sie mit Spannungen um?

Festival mit Deutschland-Filmpremiere

Das dritte Travel Festival Leipzig (TFL20) findet vom 17. bis 19. Januar im Westbad am Lindenauer Markt statt (Marktstraße 2-6). Im Zentrum der Veranstaltung stehen zahlreiche Reisevorträge aus aller Welt. Ergänzt wird das Programm durch Workshops, Expertendiskussionen und eine interaktive Ausstellung. Am Sonnabend, 18. Januar, ab 21 Uhr geht’s um Martina Zürcher und Dylan Wickrama und deren Leben im Van. Am Sonntag ab 20 Uhr steht dann die Deutschland-Premiere des Films „Am Ende der Straße“ an – ein Streifen über die Motorradweltreise von Dylan Wickrama (Einlass ab 19 Uhr). Tickets im Internet unter www.travelfestivalleipzig.de.

Martina Zürcher: Wir müssen als Team funktionieren. Du gehst morgens nicht mehr verärgert zur Arbeit und kehrst abends nicht mehr zu den ungelösten Problemen zurück, sondern musst Dinge sofort klären. Wir haben gelernt, schneller zu verzeihen und den Ärger loszulassen.

Was haben Sie während des Reisens noch über sich gelernt?

Dylan Wickrama:Wir leben im Bus und somit oft in der Öffentlichkeit. Unser Alltag findet an Orten statt, wo wir sehr häufig die Menschen und Kulturen um uns herum nicht kennen. Inzwischen können wir mit Vertrauen auf Fremde zugehen und nehmen uns selbst auch weniger ernst.

Martina Zürcher: Außerdem wurde uns bewusst, wie wenig Materielles wir brauchen, um glücklich zu sein. Und dass ein Leben ohne Komfort für uns der größte Komfort ist.

Was meinen Sie damit?

Martina Zürcher:Wir können die Natur und ihre Schönheit ganz neu kennenlernen – als unseren täglichen Garten. Manchmal ist es morgens zwar kalt im Van, aber dann schaust du aus dem Fenster, siehst den Wald und ein paar Rehe im ersten Morgenlicht. Fantastisch!

Welcher Gegenstand darf im Van-Life nicht fehlen?

Dylan Wickrama:Werkzeuge, damit ich den Bus reparieren kann.

Martina Zürcher:Meinen Backofen, damit ich bei einer Panne die Zeit nutzen kann, um frisches Brot oder Kuchen zu backen. Für uns ist aber auch der Laptop wichtig.

Weil Sie damit Ihr Leben finanzieren?

Dylan Wickrama: Genau. Wir sind Vortragsreferenten, Reiseleiter, Fotografen, Filmemacher und Autoren. Nach „Am Ende der Straße“ ist im Oktober 2019 unser zweites Buch erschienen. Es erzählt über die Lebens- und Reiseerfahrungen in unserem Bus.

Zum ersten Buch gibt es auch einen Film?

Dylan Wickrama: Ja, und der feiert auf dem Travel Festival Leipzig Premiere. Er erzählt davon, wie ich auf meiner Motorradweltreise ein Floß aus zehn Ölfässern gebaut habe, um das Darien-Gap zwischen Mittel- und Südamerika zu durchqueren. Am Ende war ich damit sechs Wochen auf dem Pazifik unterwegs – ohne jegliche Erfahrung auf hoher See.

Welche Reisen stehen für 2020 in Ihrem Kalender?

Martina Zürcher: Nach einer Vortragsreise durch den deutschsprachigen Raum gibt es noch keine fixen Pläne. Marokko ist auf der Wunschliste, aber es könnte auch Finnland werden. Das Schöne am Van-Life ist, spontan entscheiden zu können, wo es uns hintreibt.

Von Florian Sturm

Am 2. Februar wählen die Leipziger einen neuen Oberbürgermeister. Die Mittel und Möglichkeiten der Kandidaten und ihrer Parteien sind sehr unterschiedlich, wie eine Umfrage in den Wahlkampfzentralen ergab.

17.01.2020
Lokales Schillerakademie mit Irena Rudolph-Kokot „Niemand hat gesagt, dass Demokratie einfach ist“

Schulpolitik, demokratische Bildung und Gewalt von rechts und links – die Schillerakademie startete am Donnerstag mit spannenden Themen ins neue Jahr. Zu Gast waren Leipzigs SPD-Vizechefin Irena Rudolph-Kokot und Ingo Stange.

17.01.2020

Im April 1945 gehörte Lehman Riggs zu den US-Truppen, die Leipzig von der Nazi-Diktatur befreiten. Einer seiner engsten Freunde wurde in Lindenau erschossen. Riggs selbst wird am heutigen Freitag 100 Jahre alt und erhält in Tennessee besondere Grüße aus Leipzig.

17.01.2020