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Lokales Drohung gegen Thomaskirchen-Pfarrerin: Taddiken geht von Fake aus
Leipzig Lokales Drohung gegen Thomaskirchen-Pfarrerin: Taddiken geht von Fake aus
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13:14 06.01.2020
Unbekannte haben in der Silvesternacht 25 Scheiben der Thomaskirche eingeworfen. Quelle: Kempner
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Leipzig

Haben es Leipziger Linksextremisten jetzt schon auf Pfarrerinnen abgesehen? Auf dem linken Szeneportal Indymedia ist am Wochenende ein Drohschreiben gegen Thomaskirchenpfarrerin Britta Taddiken aufgetaucht. Angeblich würden Bettler, Geflüchtete, Obdachlose und Musiker „auf menschenverachtende Weise vom Thomaskirchhof und rund um die Thomaskirche durch die Staatsmacht ohne jegliche rechtliche Grundlage vertrieben, auf Wunsch der Pfarrerin“, heißt es in dem anonymen Schreiben. „Vielleicht überdenkt Frau Taddiken noch einmal ihre Rolle in diesem Spiel, ansonsten treffen wir sie da, wo es wirklich weh tut: Im Gesicht.“ Zudem bekannten sich die Unbekannten zum Anschlag auf die Thomaskirche in der Silvesternacht, bei dem 25 Glasscheiben zerstört wurden.

Parallelen zu Überfall

Diese unverhohlene Drohung ähnelt fatal dem Wortlaut des Indymedia-Bekennerschreibens nach dem Überfall auf die Mitarbeiterin einer Immobilienfirma in deren Wohnung im November 2019. Da hieß es, man habe sich entschieden, „die Verantwortliche für den Bau eines problematischen Projekts im Leipziger Süden da zu treffen wo es ihr auch wirklich weh tut: in ihrem Gesicht“.

Britta Taddiken erfuhr am Sonntag am Rande des Gottesdienstes von dem Drohschreiben – und erstattete umgehend Anzeige. Zusätzlichen Personenschutz soll es aber vorläufig nicht geben, sagte Behördensprecher Uwe Voigt auf LVZ-Anfrage. „Wir prüfen, ob der Inhalt des Schreibens überhaupt der Wahrheit entsprechen könnte“, so Voigt. Mittlerweile habe die Staatsschutz-Abteilung den Fall auf dem Tisch.

Verwirrter Einzeltäter

In Ermittlerkreisen gibt es gewisse Zweifel an der Darstellung in dem Bekennerschreiben. Immerhin galt im Fall der mit schweren Steinen eingeworfenen Kirchenscheiben ein verwirrter Einzeltäter als Tatverdächtiger. Der Mann, der sich als „Sohn Gottes“ bezeichnet, hatte bereits am 28. Dezember zwei Scheiben des Kirchenmusikbüros zerstört und sich anschließend bei der Polizei selbst angezeigt. Die Pfarrerin vermutet, dass der erneute Anschlag in der Silvesternacht ebenfalls auf sein Konto gehen könnte. Nach Angaben der Polizei hat er inzwischen auch den Anschlag aus der Silvesternacht eingeräumt. Die Polizei brachte den Verdächtigen zunächst in eine Fachklinik und verständigte das Gesundheitsamt.

Hinzu kommt: In dem Indymedia-Text wird Taddiken als „Nazi Pfarrerin und AFD Anhängerin“ betitelt. Dabei hatte sie sich schon 2015 auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle gegen Winterabschiebungen in Sachsen eingesetzt. Im Juli 2019 war sie Mitinitiatorin eines offenen Briefes an die CDU-Landesverbände in Sachsen, Thüringen und Brandenburg, in dem ein klares Statement gefordert wird, ob ein Regierungsbündnis mit der AfD kategorisch ausgeschlossen wird oder nicht.

Hackerangriff auf Portal?

Mithin schließt die Polizei nicht aus, dass das Ganze ein Fake ist. Zumal am Wochenende auf Indymedia ein weiteres angebliches Bekennerschreiben aufgetaucht war, das sich als fälschlich herausstellte. Ein darin beschriebener Anschlag hatte überhaupt nicht stattgefunden, ergab eine Prüfung der Polizei am Montagmorgen. Auf der Plattform kann grundsätzlich jeder Texte veröffentlichen.

Das Szene-Portal selbst veröffentlichte am Sonntag eine Info, wonach man womöglich Opfer einer sogenannten DDOS-Attacke (Denial of Service) geworden sein könnte. Durch einen solchen konzentrierten Angriff auf Server kann das gesamte Datennetz blockiert werden.

Taddiken vermutet Trittbrettfahrer

Pfarrerin Taddiken vermutet einen Trittbrettfahrer hinter der Drohung bei Indymedia: „Da hat jemand den Vorfall genutzt, um etwas anderes loszuwerden.“ Neben der Anzeige bei der Polizei habe sie einen Anwalt eingeschaltet. Superintendent Martin Henker unterstütze sie.

Unabhängig davon widersprach Taddiken den Anschuldigungen in dem anonymen Post, sie würde Bettler, Geflüchtete, Obdachlose und Musiker vom Thomaskirchhof verdrängen. Bei der Straßenmusik gehe es lediglich darum, dass die rechtlichen Vorgaben eingehalten würden. Und wenn Bettler neben dem Eingang Platz nehmen würde, sei dagegen nichts zu sagen. Wenn sich aber Einzelne direkt in den Eingang setzen und Kirchenbesucher beschimpfen und bespucken würden, dann müsse sie einschreiten.

Wie Taddiken am Montag gegenüber der LVZ erklärte, war der offenbar geistig verwirrte Mann, der bereits die Taten vom 28. Dezember gestanden hatte, am vergangenen Freitag erneut auf dem Thomaskirchhof aufgetaucht. Mitarbeiter hätten daraufhin die Polizei informiert, die den Mann mitnahm. Das Gelände steht seit dem 1. Januar unter Objektschutz: Die Polizei fährt engmaschig Streife und meldet sich alle acht Stunden telefonisch in der Gemeinde.

Zerstörte Fenster: 18 000 Euro Schaden, Thomaskirche verlegt Angebote für Kinder

Bei dem Anschlag auf Fenster der Thomaskirche und des Thomashauses in der Nacht zum 1. Januar sind rund 18000 Euro Schaden entstanden. Das erklärte Thomaskirchen-Pfarrerin Britta Taddiken während des Neujahrsempfangs der Gemeinde am Montag.

Taddiken geht weiterhin davon aus, dass der offenbar geistig verwirrte Mann, der die Zerstörungen gegenüber der Polizei zugegeben hat, auch tatsächlich der Täter ist. „Wir wissen nicht, ob der Mann sicher untergebracht wird oder ob wir damit rechnen müssen, dass er wiederkommt“, so die Pfarrerin. Daher rühre eine gewisse Verunsicherung – auch bei den Mitarbeitern. Im Sinne der Sicherheit, aber auch weil die Fenster nicht mehr richtig dicht sind, würden Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche in andere Räume verlegt, sagte Taddiken. Im Pfarrbüro läuft der Betrieb weiter, hier sind die Mitarbeiter allerdings auch tagsüber vor Ort – die bisherigen Anschläge hatten sich nachts ereignet.

„Das ist ein Angriff auch auf uns“, sagte die Pfarrerin an ihre Gemeinde gerichtet. Auch wenn der Täter ein Verwirrter sei. „Wir lassen uns von der Gewalt nicht kleinkriegen“, erklärte Taddiken. Jegliche Gewalt gegen Menschen und gegen Sachen sei konsequent abzulehnen – dieser Grundsatz müsse über allem stehen. „Halten Sie miteinander Frieden“, appellierte sie. bm

Von Frank Döring und Björn Meine

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