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Lokales Überfall auf Party in Leipzig: Staatsschutz übernimmt Ermittlungen
Leipzig Lokales Überfall auf Party in Leipzig: Staatsschutz übernimmt Ermittlungen
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15:21 23.09.2019
Polizeieinsatz nach dem Gewaltexzess in der Prager Straße: Zeitweise musste die Fahrbahn stadtauswärts am Völkerschlachtdenkmal sogar gesperrt werden. Quelle: Einsatzfahrten Leipzig
Leipzig

Vermummte prügelten mitten in Leipzig Gäste einer Party krankenhausreif, doch ihre Motive sind für die Polizei noch immer nicht ganz klar: Der brutale Überfall auf eine Geburtstagsfeier an der Prager Straße zieht bei zuständigen Behörden immer weitere Kreise. Jetzt hat das sächsische Landeskriminalamt (LKA) die Ermittlungen übernommen, bestätigte dessen Sprecherin Kathlen Zink am Freitag auf LVZ-Anfrage. Konkret sind die Spezialisten vom Polizeilichen Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum (PTAZ) mit dem Verfahren befasst. Der Anlass für das Eingreifen des Staatsschutzes: Ein möglicher politischer Hintergrund der Tat.

Auf der Prager Straße in Leipzig kam es zu einer Auseinandersetzung, bei der mehrere Personen verletzt wurden.

„Die Täter hatten ganz klar ein politisches Motiv“, sagte AfD-Stadtrat Marius Beyer, aus dessen Freundeskreis die Opfer stammen. Es habe sich um die Geburtstagsfeier eines Kumpels von ihm gehandelt. Unter den Betroffenen seien Freunde und Bekannte gewesen, von denen einige ebenfalls der AfD nahe stehen würden. Auch er habe erwogen hinzugehen, sei dann aber kurzfristig verhindert gewesen. Womöglich erfuhren die Angreifer über soziale Netzwerke, in denen die Einladung gepostet worden war, von Ort und Zeit der Party, vermutet er.

Pfefferspray und Quarzhandschuhe

Nach Schilderung Beyers, der mit Opfern gesprochen hat, feierten rund 30 Personen am Samstagabend unter freiem Himmel in einem Park im Südosten der Stadt. Gegen 22 Uhr hätten sich die Gäste in kleinere Gruppen zerstreut. Vor Ort seien acht bis zehn Leute verblieben. „Sie wurden von 20 bis 30 Angreifern, dunkel gekleidet und vermummt, verfolgt, geschlagen und getreten“, so Beyer. „Die Täter setzten Pfefferspray, Schlagstöcke und Quarzhandschuhe ein.“ Dabei sollen sie „scheiß Faschisten, scheiß Nazis“ gerufen haben.

Ein 18-Jähriger, der erst vor kurzem AfD-Mitglied geworden sei, habe bei der Auseinandersetzung einen Bruch des Handgelenks und zahlreiche blutende Wunden erlitten. Er musste in ein Krankenhaus, wie auch zwei junge Frauen, die infolge des Angriffs mehrere Meter eine Böschung hinabstürzten und sich an dornigen Sträuchern unzählige Kratzer an Armen und Beinen zuzogen. „Sie müssen befürchten, dass dauerhaft Narben zurückbleiben“, so der Stadtrat. Nach Polizeiangaben wurden insgesamt sechs Personen verletzt.

Politisches oder privates Motiv?

Details zu dem Überfall wollte das LKA auf Anfrage der LVZ weder bestätigen noch dementieren. „Der Hintergrund ist bislang offen“, so die Sprecherin, „es wird in alle Richtungen ermittelt.“ Nach gegenwärtigen Erkenntnissen werde ein politisches Motiv nicht ausgeschlossen, hieß es, allerdings könnten die Gründe auch im privaten Bereich liegen. Ob der Angriff womöglich eine Vorgeschichte hatte, ließ das LKA offen. Auch dies sei Gegenstand des laufenden Ermittlungsverfahrens. „Es waren sehr viele Personen involviert, deshalb sind auch noch sehr umfangreiche Befragungen und Zeugenvernehmungen notwendig“, erklärte Zink. Klar ist: Gegen die Unbekannten wird nunmehr wegen besonders schweren Fall des Landfriedensbruchs ermittelt.

Von Frank Döring

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