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Lokales Uni Leipzig: Zuschlag für Forschung zu Globalisierung
Leipzig Lokales Uni Leipzig: Zuschlag für Forschung zu Globalisierung
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18:00 20.11.2015
Uni-Professor Manfred Wendisch leitet den neuen Sonderforschungsbereich zu Klimaveränderungen in der Arktis.
Uni-Professor Manfred Wendisch leitet den neuen Sonderforschungsbereich zu Klimaveränderungen in der Arktis.  Quelle: Leipzig report
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Leipzig

 Im letzten Monat hatte es Uni-Prorektor Professor Matthias Schwarz mit Blick auf mögliche neue Sonderforschungsbereiche (SFB) angedeutet: „Wir haben heiße Eisen im Feuer.“ Nun sind sie gewissermaßen geschmiedet worden. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gab am Freitag offiziell grünes Licht für die Einrichtung zwei weiterer solcher Bereiche an der Alma mater, die auch als harte Währung in der Wissenschaft bezeichnet werden. Verbunden sind sie mit einer starken finanziellen Förderung, die sich zunächst über vier Jahre erstreckt. Pro SFB werden in diesem Zeitraum in der Regel zwischen acht und zwölf Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Ab 1. Januar 2016 fließt das Geld nun einerseits für einen SFB, der sich mit sogenannten Verräumlichungsprozessen unter Globalisierungsbedingungen befasst und von Uni-Professor Matthias Middell geleitet wird. „Wir gehen fachübergreifend und international ausgerichtet der Frage nach, wie politische, wirtschaftliche und rechtliche Räume gesellschaftlich verhandelt und geschaffen werden“, erklärte der Historiker. Projektpartner der zahlreichen eingebundenen Uni-Fachleute sind dabei das hiesige Leibniz-Institut für Länderkunde und das ebenfalls in Leipzig ansässige Geisteswissenschaftliche Zentrum für die Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas, das jüngst seinen 20. Geburtstag beging. Middell: „Wir haben ein außerordentliches breites Spektrum an regionalwissenschaftlicher Expertise und so beste Voraussetzungen für den SFB.“

„Das ist für uns ein Meilenstein“, freute sich Professor Manfred Wendisch, der Direktor des Uni-Institutes für Meteorologie, als bei ihm die frohe Botschaft von der DFG eintraf. Unter seiner Federführung wird Anfang 2016 ein Sonderforschungsbereich etabliert, der Klimaveränderungen im Polargebiet sondiert. Speziell geht es darum, dass Phänomen der arktischen Verstärkung aufzuklären. Hintergrund: In den letzten 25 Jahren ist die bodennahe Lufttemperatur in den arktischen Gefilden weit mehr gestiegen als die durchschnittliche Erderwärmung. Einher ging das mit einem drastischen Rückgang des Meereises. Weil computergestützte Klimamodellierungen diese Vorgänge noch nicht korrekt abbilden, werden die Experten diverse Messkampagnen starten. Per Schiff, Flugzeug und Ballon. Höhepunkt soll 2019 eine 14 Monate lange Drift des Forschungsschiffes „Polarstern“ im Eismeer sein. Wendisch verwies auf die in dem SFB „gebündelte Kompetenz“. Er vereint Wissenschaftler von den Unis in Leipzig, Köln und Bremen sowie vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven und dem Leipziger Leibniz-Institut für Troposphärenforschung.

Den Erfolg der Uni komplettiert die von der DFG bewilligte Fortsetzung des Sonderforschungsbereiches zur Funktionalität oxidischer Grenzflächen, der bereits seit acht Jahren gemeinsam mit der Uni in Halle betrieben wird. Bei positiver Begutachtung können SFBs bis zu zwölf Jahre bestehen. Das sei ein guter Tag für die Leipziger Uni, meinte Professorin Beate Schücking, die Rektorin. Sie beglückwünschte alle Beteiligten zu dem „beachtlichen Dreifacherfolg“. Forschungsprorektor Schwarz ergänzte: „Das bestätigt unsere konsequente Profilierungsstrategie.“

Von Mario Beck