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Lokales Uni-Prediger wirft Rektorin Rechtsbruch vor
Leipzig Lokales Uni-Prediger wirft Rektorin Rechtsbruch vor
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12:03 01.10.2019
Die historische Paulinerkanzel in der alten Universitätskirche, die 1968 gesprengt wurde. Quelle: LVZ-Archiv
Leipzig

Universitätsprediger Peter Zimmerling macht sich in einem offenen Brief ans Uni-Rektorat erneut dafür stark, die historische Paulinerkanzel im Paulinum aufzustellen. Wie berichtet hatte der Senat der Universität Leipzig am 10. September hingegen entschieden, den barocken Kunstschatz aus der 1968 gesprengten Paulinerkirche nicht dem zu trockenen Klima des 2017 eröffneten Baus auszusetzen, der zugleich als Uni-Aula und Universitätskirche St. Pauli fungiert.

Historische Blicke auf einen Ort mit einer Kirche, die es nicht mehr gibt.

Zimmerling wirft Uni-Rektorin Beate Schücking nun vor, dass es laut sächsischem Staatskirchenrecht „bei Fragen, die den Universitätsgottesdienst betreffen, zwischen Ihnen als der Rektorin und mir als Universitätsprediger zu einvernehmlichen Lösungen kommen muss“. Auf seine mehrfache Bitte, „Möglichkeiten für eine einvernehmliche Position im Hinblick auf die Aufstellung der Kanzel auszuloten“, habe Schücking im Vorfeld nicht reagiert, kritisiert er.

Es war eine Anordnung des DDR-Regimes: Die Sprengung der Paulinerkirche am 30. Mai 1968.

Predigt neben Kanzel-Plakat

Wie berichtet, hatte die Uni-Rektorin den Uni-Prediger am Tag vor Beschlussfassung zur entscheidenden Sitzung eingeladen. Das sieht Zimmerling aber seinem offenen Brief zufolge nicht als ausreichend an, „meine Position als Universitätsprediger in angemessener Weise darzulegen“. Er verweist in dem Schreiben zudem erneut auf den Harms-Kompromiss von 2008: Die Vereinbarung habe „die Rückführung der wichtigsten geretteten Kunstwerke“ in das seinerzeit noch zu bauende Gebäude vorgesehen.

Der Uni-Senat, in dem Schücking kein Stimmrecht besitzt, hat den Schwarzen Peter in der jüngsten Debatteaber dem Freistaat als Bauherrn zugeschoben, der nur einen kleinen Teil des Raums – den Andachtsraum – klimatisiert hatte. Im Rest des Saals ist die Luftfeuchte nach den Ergebnissen eines einjährigen Klima-Monitorings dagegen zu trocken – trockener auch als in den meisten alten Kirchenbauten – und würde die Kanzel irreversibel schädigen, so Experten. Dagegen hält Zimmerling fest: „Gerettete Kunstgegenstände können letztlich erst dann als gerettet betrachtet werden, wenn sie in ihrer ursprünglichen Nutzung wiedergewonnen sind.“ Der Bürgerinitiativkreis „Wort halten“ kündigt für Sonntag, wenn Landesbischof Carsten Rentzing dort die Predigt hält, eine Protestaktion an. An der vermeintlichen Kanzelsäule soll ein großes Plakat ausgerollt werden, auf dem die Kanzel und ein Auszug aus dem Harms-Kompromiss abgebildet sind.

Warum Rektor Volker Bigl damals zurücktrat

Der frühere Uni-Kanzler Peter Gutjahr-Löser hat zudem der Darstellung des Leipziger Kunsthistorikers Frank Zöllner widersprochen, das Paulinum sei gegen den Willen der Universität entstanden und das damalige Rektorat deshalb zurückgetreten. In einemLVZ-Interview hatte Zöllner gesagt, der Baubeschluss der Landesregierung sei „ein massiver Eingriff in die Hochschul-Autonomie“ gewesen. Dagegen hält Gutjahr-Löser in einem Brief an Zöllner, der der LVZ vorliegt, fest: „In allen Dokumenten, die es dazu gibt, hat die Universität sich dazu bekannt, dass auf ihrem Gelände eine neue Universitätskirche gebaut wird.“

Der damalige Rektor Volker Bigl und die Prorektoren seien vielmehr zurückgetreten, nachdem Bigl trotz des Gerüchts, die Staatsregierung wolle das Gotteshaus in ihrer alten Form aufbauen, keinen Gesprächstermin bei Ministerpräsident Georg Milbradt erhalten habe – und nachdem das Kabinett wenige Tage später „tatsächlich einen Beschluss gegen das ausdrückliche Votum der Universität“ gefasst habe. Es sei aber „nicht um ,Kirche – ja oder nein’ gegangen“, so Gutjahr-Löser, der als Kanzler damals im Amt blieb.

Mit Bigls Nachfolger Franz Häuser und dem damaligen Leipziger Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee sei er nach Dresden zu Wissenschaftsminister Matthias Rößler gefahren, um den getroffenen Kompromiss eines „erinnernden Neubaus“ einzufordern. „Gemeinsam machten wir ihm die Rechtslage klar, so dass er schließlich klein bei gab“, schreibt Gutjahr-Löser.

Von Mathias Wöbking

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