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Lokales Uralte Stahltanks geborgen: Schadstoffbeseitigung in Mölkau startet
Leipzig Lokales Uralte Stahltanks geborgen: Schadstoffbeseitigung in Mölkau startet
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21:04 09.09.2019
Ursprünglich als Benzintanks gedacht, wurden in den zwei Meter hohen Stahlbehältern von 1928 später auch Lösungsmittel gelagert. Nun kommen sie auf den Schrott. Quelle: André Kempner
Leipzig

Der viele Regen am Montag passte gut zu einem Pressetermin in Mölkau. So wurde allen Gästen schnell klar, wie leicht jene dunkle Brühe ins Grundwasser gelangen kann, die Detlef Streit in einem Marmeladenglas mitbrachte. „Lösemittelphase Grundwasser – Mühlweg 2, Leipzig-Mölkau“ stand auf dem Etikett des Glases. Wer den Deckel lüftete, dem stiegen strenge Gerüche in die Nase. Sie erinnerten an Chemikalien, mit denen zu DDR-Zeiten Pinsel von Farbe oder Lack gereinigt wurden. Nur war das Lösungsmittel früher farblos, in dem Glas nun schwarz.

Eine Probe des alten Lösungsmittels, das über dem Grundwasser in Mölkau schwimmt. Quelle: Kempner

Streit ist Geschäftsführer beim Borsdorfer Ingenieurbüro R.W. Ashauer und Partner. Im Auftrag der Stadt leitet es die im Juli gestartete Sanierung des früheren Lösungsmittel-Tanklagers des Kombinates Lacke und Farben (Lacufa) in Mölkau. Die Probe in dem Glas wurde jüngst aus einer Blase gezogen, die über der oberen Grundwasserschicht unter dem 5000 Quadratmeter großen Areal schwimmt, erläuterte er. In der zweiten Grundwasserschicht noch weiter unten sei die Lage nicht besser, sondern deutlich schlechter. „Dort verbinden sich alle möglichen Schadstoffe – auch von anderen Flächen in der Umgebung – zu einem Cocktail.“

Tanklager wurde 1928 gebaut

Zum Glück handele es sich bei den Lacufa-Hinterlassenschaften nicht um das hochgiftige und krebserregende Benzol. Jedoch liege die Konzentration von anderen BTEX-Stoffen wie Ethylbenzol oder Chlorbenzol, die ebenfalls gesundheitsschädlich sind, in Teilen des hiesigen Erdreichs bei über 8000 Milligramm pro Kilogramm Boden. „Das von der Landesdirektion vorgegebene Sanierungsziel für dieses Gelände ist, überall unter 30 Milligramm zu erreichen“, sagte er.

Das Tanklager in Mölkau baute 1928 die Ölhag AG, die 900 Tankstellen besaß. Das Benzin wurde über einen eigenen Gleisanschluss angeliefert und einge­lagert oder gleich auf Laster umgeschlagen.

Niemand wollte das Grundstück haben

Nach der Enteignung nutzte ab 1947 der VEB Lack- und Farbfabrik Mölkau die unterirdischen Tanks für seine Farbverdünnungen und Lösungsmittel. Nach der Schließung 1989 wurde das Areal von der Treuhand dem Ölkonzern Shell (als Rechtsnachfolger der Ölhag AG) zur Rückübertragung angeboten, so Leipzigs Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke). Shell habe die schadstoffbelastete Fläche aber ebenso wenig haben wollen wie später der Bund oder der Freistaat Sachsen. Zeitweilig war das Gelände an ein Fuhrunternehmen verpachtet.

2017 entschloss sich die Kommune schließlich, das Areal zu übernehmen und von den Altlasten zu befreien. „Auch im Hinblick auf eine künftige gewerbliche Nutzung“, erläuterte Rosenthal. Neben dem Anliegen, die Einwohner vor Gefahren zu schützen, habe zu der Entscheidung die Bereitschaft des Freistaats beigetragen, etwa 80 Prozent der nötigen Sanierungskosten von zwei Millionen Euro aus Steuermitteln zu finanzieren.

Stellten vor Ort die Sanierungspläne für das Gelände am Mühlenweg 2 vor (von links): Michael Kling, Peter Wasem, Heiko Rosenthal und Geschäftsführer Detlef Streit. Quelle: Kempner

Am Montag wurde nun der letzte der sieben historischen Erdtanks aus genietetem Stahl in einen Schrottcontainer befördert. Zusammen hatten sie ein Fassungsvermögen von 200 000 Litern. Die meisten Schadstoffe seien nicht aus den Behältern ins Erdreich gesickert, sondern beim unsachgemäßen Umfüllen im Laufe der Jahrzehnte, berichtete Leipzigs neuer Umweltamtsleiter Peter Wasem vor Ort.

Boden wird komplett ausgetauscht

Als nächstes werde bis zum Dezember 2019 der komplette belastete Boden bis in eine Tiefe von mindestens 5,50 Metern ausgetauscht. „Dadurch gelangen keine weiteren Schadstoffe mehr ins Grundwasser“, frohlockte Geschäftsführer Streit. Zugleich starte das Absaugen der Lösungsmittel aus der oberen Grundwasserblase – dies sei mit vertretbarem Aufwand aber nicht vollständig möglich. Da sich die Kohlenwasserstoffverbindungen, um die es hier geht, zum Teil auf natürliche Weise abbauen können, folge im Anschluss eine fünf Jahre dauernde Mess- und Beobachtungsphase. Wenn die Grenzwerte dann eingehalten werden, kann das Gelände wieder einer Nutzung zugeführt werden, so Rosenthal.

Die Stadt wolle mit gutem Beispiel vorangehen, zumal es in der Umgebung private Flächen mit ähnlichen Problemlagen gebe, erklärte der Bürgermeister. „Oftmals scheuen die Eigentümer die hohen Kosten einer Sanierung.“ Bei dem Termin informierten sich auch Ortsvorsteher Klaus-Ruprecht Dietze und weitere Mölkauer über das Projekt. Am Rande war zu hören, dass in einem Fall bereits die Staatsanwaltschaft nach den Privatbesitzern einer belasteten Fläche fahnde – diese stammten aus dem europäischen Ausland. In einem anderen Fall würden die Eigentümer eine Sanierung mit dem Argument ablehnen, sie hätten die Fläche einst mit einer Altlastenbefreiung von der Treuhand gekauft. Die umweltrechtlichen Verfahren laufen in Regie der Landesdirektion – auch beim Lacufa-Areal.

Von Jens Rometsch

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