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Lokales Verhindert umstrittene Skulptur ein echtes Freiheitsdenkmal in Leipzig?
Leipzig Lokales Verhindert umstrittene Skulptur ein echtes Freiheitsdenkmal in Leipzig?
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19:01 28.05.2019
2009 hatte Miley Tucker-Frost (Mitte) dem Museum in der Runden Ecke ein Modell ihrer Wendeplastik geschenkt und an OBM Burkhard Jung (links) und Museumschef Tobias Hollitzer (rechts) überreicht. Jetzt ist die Skulptur wieder im Gespräch; sie könnte als Original an der Runden Ecke errichtet werden. Quelle: Kempner
Leipzig

Gesine Oltmanns weiß, was die Friedliche Revolution bedeutete und wie sie verlief. Diese Erinnerungen werden sie ihr Leben lang begleiten. 1965 in Olbernhau im Erzgebirge geboren, wuchs sie in einem christlichen Elternhaus auf. In den 1980er-Jahren wurde Leipzig ihre neue Heimat, sie fand zu Bürgerrechtsgruppen, die unter dem Dach der Kirche aktiv waren und engagierte sich bei verschiedenen Protestaktionen, so beim Straßenmusikfestval. Aufsehen erregte sie gemeinsam mit Katrin Hattenhauer, als sie am 4. September 1989 vor der Nikolaikirche das Plakat „Für ein offenes Land mit freien Menschen“ entrollte. Gesine Oltmanns hatte Glück, nicht verhaftet zu werden, ihre Mitstreiterin wurde eine Woche später inhaftiert und saß noch am 9. Oktober im Gefängnis. Oltmanns wurde von der Stasi beobachtet – in der Operativen Personenkontrolle „Madonna“.

Blamiert sich die Stadt mit der Plastik von Tucker-Frost?

Dass sie mit solcher Vita legitimiert ist, gerade im 30. Jahr der Friedlichen Revolution ihre Meinung zu sagen, steht außer Frage. Zudem spricht sie als Vorstand der „Stiftung Friedliche Revolution“. Wie also an das Jahrhundertereignis erinnern? Ein Freiheits- und Einheitsdenkmal für Leipzig konnte, wie man weiß, im ersten Versuch nicht realisiert werden. Es gibt einen neuen Anlauf, es zu errichten. Der politische Wille ist vorhanden. „Alle weitere Mühe dafür könnte umsonst sein, wenn sich die Stadt die Plastik der US-amerikanischen Künstlerin Miley Tucker-Frost schenken lässt“, so Oltmanns. Nicht nur, dass sich Leipzig aus Sicht mancher Beobachter mit der einfältigen und unprofessionellen Gestaltung blamieren würde; der Leipziger Künstler Sighard Gille zum Beispiel spricht von „Pfefferkuchenmännchen“. Gesine Oltmanns befürchtet, sollte es zur Aufstellung vor dem Museum in der Runden Ecke kommen, dass dadurch das Freiheitsdenkmal nicht mehr zu realisieren sein wird.

Skulptur ist banal und eindimensional“

Zeitzeuge der Friedlichen Revolution vor fast 30 Jahren ist auch Ronald R. Wanderer. Der Architekt war damals 29 Jahre alt, arbeitete im Leipziger Baukombinat und kann sich an den 9. Oktober 1989 und Demo-Protest der 70 000 gut erinnern: „Wir hatten Angst, riefen ,Schließt euch an‘, und als wir an der Runden Ecke vorbei waren, fiel uns ein Stein vom Herzen: Jetzt sind wir durch …“ Allein mit diesem persönlichen Erleben ist er gegen die Aufstellung der Tucker-Frost-Skulptur. In ihrer Banalität und Eindimensionalität werde die Großplastik in keiner Weise der historischen Situation gerecht. Wanderer ist Sprecher des Sachverständigenforums Kunst im öffentlichen Raum, das die Stadt berät. Im Juni findet eine Zusammenkunft statt, bei der man eine neuerliche Beurteilung zur genannten Skulptur formulieren wird. Mehrheitlich werde man sich gegen die Aufstellung aussprechen, so wie es bereits 2008 geschah, als die Kunst von Tucker-Frost schon mal Thema war. Wanderer zeigt sich „überrascht vom erneuten Versuch der Schenkung der Denkmalsplastik. Dazu kommt, dass die Stadt gegenwärtig den Findungsprozess für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal neu eingeleitet hat – mit dem Wissen um die Notwendigkeit transparenter Beteiligungsprozesse – ein intransparentes Vorgehen in der Schenkungsangelegenheit würde dieses Bemühen jedoch konterkarieren“.

Oltmanns will protestieren, wenn es nötig wird

Wie es heißt, hat Tucker-Frost das Geld für die kostenintensive Plastik inzwischen zusammen. Gesine Oltmanns indes wird das Geschehen um die Skulptur weiter verfolgen. Und wenn nötig ihren Protest kund tun. Ansonsten organisiert sie für die „Stiftung Friedliche Revolution“ die „Revolutionale 2019“. Der internationale Runde Tisch findet mit umfangreichem Begleitprogramm im Oktober in Leipzig statt.

Von Thomas Mayer

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