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Lokales Viele Wespen- und Hornissen-Notrufe im Leipziger Umweltamt
Leipzig Lokales Viele Wespen- und Hornissen-Notrufe im Leipziger Umweltamt
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11:41 02.08.2018
Wespen mögen auch Süßes. (Archivfoto)
Wespen mögen auch Süßes. (Archivfoto) Quelle: dpa
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Leipzig

Kaum Mücken, dafür überdurchschnittlich viele Bienen und Wespen – das gehört auch zum Sommer 2018 in Leipzig. Wer sich im Freien aufhält, läuft in diesem Jahr mehr als üblich Gefahr, mit den nützlichen Insekten in Konflikt zu geraten. LVZ.de sprach mit Angelika von Fritsch, Leiterin des Amtes für Umweltschutz, über die Situation.

Hitze und Trockenheit machen den Menschen und Pflanzen in der Region zu schaffen. Bienen und Wespen freuen sich dagegen, oder?

Angelika von Fritsch: Nach Ansicht der Experten hat sich die anhaltend warme und trockene Witterung seit dem Frühjahr 2018 positiv auf die Entwicklung von Wespen- und Hornissenvölkern ausgewirkt. Zudem setzten die Entwicklung und das Wachstum der Völker zeitiger ein als in anderen Jahren. Dies zeigt sich auch in Leipzig anhand der Vielzahl eingehender Anfragen besorgter Bürger bei der Stadtverwaltung. Seit Juni gehen täglich zahlreiche Anrufe zu Wespen und Hornissen beim Amt für Umweltschutz ein. Neben Anrufen und Anfragen per Mail nahm in den vergangen Wochen auch die Anzahl von Anträgen zur Umsiedlung oder Beseitigung von Hornissennestern zu. Es ist anzunehmen, dass die Anzahl bis zum September, wenn die Entwicklung der Nester ihren Höhepunkt erreicht, weiterhin steigen wird.

Angelika von Fritsch, Leiterin des Leipziger Amtes für Umweltschutz. (Archivfoto) Quelle: André Kempner

Was ist zu empfehlen, wenn ein Wespen- oder Hornissen-Nest auf einem Privatgrundstück entdeckt wird?

Angelika von Fritsch: Zunächst sollten Anwohner Ruhe bewahren. Die meisten heimischen Wespenarten sind völlig friedfertig. Bei Berücksichtigung von Verhaltenstipps oder durch einfache Schutzmaßnahmen, wie das Anbringen von Fliegengittern, ist oft eine friedliche Koexistenz bis zum Absterben des Wespennestes im Herbst möglich. Neben den Vertretern der Feldwespen gilt dies vielfach auch für Langkopfwespen sowie die heimische Hornisse (Vespa crabro). Dazu kommen zahlreichen solitär lebenden Wespenarten, welche durch ihre versteckte Lebensweise häufig nur aufmerksamen Beobachtern auffallen und keinerlei Probleme bereiten.

Wespen und Hornissen kommt eine wichtige Stellung im Naturhaushalt zu, unter anderem betätigen sie sich als natürliche Schädlingsbekämpfer im Garten und gehen auch auf Jagd nach Motten, Fliegen und Mücken. Zudem bilden sie selbst die Nahrungsgrundlage für andere Tiere, wie heimische Vögel. Wer sich mit den Tieren arrangiert, kann somit selbst einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz leisten. Kommt es dennoch zu Problemen in unmittelbarer Nähe zum Menschen, sind es häufig nur zwei Wespenarten, die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe, bedingt durch ihre Nistplatzwahl, ihre geringe Scheu vor dem Menschen und eine relativ großen Volksstärke.

Dann können Nester auch entfernt werden?

Angelika von Fritsch: Liegt ein vernünftiger Grund vor, vor allem wenn sich Nester an ungünstigen Stellen befinden und eine Gefahr, insbesondere für Kinder oder Allergiker, darstellen, oder wenn Bauschäden entstehen können, dürfen diese, auch ohne Genehmigung der Naturschutzbehörde des Umweltamtes, umgesiedelt oder beseitigt werden. Eine solche Maßnahme sollte, auch zum eigenen Schutz, immer von Fachleuten wie Imkern Kammerjägern oder speziell geschulten Fachleuten durchgeführt werden.

Strengere Vorschriften gelten für Hornissen sowie Kreisel- oder Knopfhornwespen. Diese stehen, wie alle heimischen Wildbienen und Hummeln unter besonderem Schutz. Für eine Beseitigung – Umsiedlung oder sonstige Bekämpfung – dieser Arten ist immer eine Genehmigung der Naturschutzbehörde erforderlich.

Nur unter bestimmten Voraussetzungen, wenn keine zumutbaren Alternativen gegeben sind, kann diese auch gewährt werden. Für die formlose Antragstellung hat die Stadt deshalb ein „Merkblatt zu naturschutzrechtlichen Vorgaben für Hornissen, Wespen, Hummeln und Bienen“ herausgegeben.

Haben Sie Tipps, wie der Umgang mit Bienen und Wespen konfliktfrei gelingt?

Angelika von Fritsch: In Ihrem Artikel vom 2. August haben Sie hierzu bereits wichtige Hinweise gegeben. Darüber hinaus empfehle ich das Infoblatt „Die Hornisse – das unbekannte Wesen“, welches zur Aufklärung der Öffentlichkeit vom Freistaat Sachsen herausgegeben wurde. Hier werden neben Verhaltenstipps zum Umgang mit Hornissen und Wespen auch Hinweise zur Unterscheidung einzelner Arten und Informationen zur Lebensweise und Verhalten von Hornissen gegeben. Zusätzliche Informationen finden Sie zudem auch im Internet, z.B. auf den Seiten bekannter Naturschutzverbände.

Weitere Informationen: Merkblatt Hornissen, Wespen, Hummeln und Bienen

Von Interview: Matthias Puppe