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Lokales Vom Basketballer zum Rocker: DeGuy spielen im Tonelli’s
Leipzig Lokales Vom Basketballer zum Rocker: DeGuy spielen im Tonelli’s
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18:10 02.12.2019
Vom Basketballer zum Musiker: Deguy spielt mit seinem Bandprojekt satten Indierock. Quelle: Foto: promo
Leipzig

Gerade ist er zurück aus Israel, seiner alten Heimat. „Da kann ich wieder runterkommen und Kraft tanken“, erzählt Guy Aud. Vor allem die vielen Feste im Kreise der Familie hatte er vermisst. Vor 30 Jahren wurde der Enkel deutscher und syrischer Juden in Jerusalem geboren und wuchs in der Nähe der Hauptstadt auf, doch inzwischen würde er auch Leipzig als seine Heimat bezeichnen. „Ich liebe diese Stadt“, sagt Aud, was auch an seiner Leipziger Freundin liegt.

Körbe und Schlagzeug geübt

Hier konnte und kann er nicht zuletzt seinen beiden Leidenschaften frönen: Basketball und Musik. Schon als Kind lernte er Schlagzeug und Gitarre spielen – und warf dazwischen stundenlang Körbe. Später wurde Aud Basketball-Profi, am Anfang in der zweiten israelischen Liga, ab 2012 auch in Deutschland. „Ich war neugierig auf die Heimat meines Opas“, erklärt Aud, der wegen seines Großvaters auch einen deutschen Pass besitzt.

2016 Wechsel nach Leipzig

Der Opa wiederum ist stolz auf den Enkel, der sich auch in seinem Geburtsland basketballerisch durchsetzen konnte und lange in der zweiten Liga spielte. 2016 wechselte er zu den damals drittklassigen Uni-Riesen nach Leipzig, zu der Zeit aus finanziellen Gründen auf dem absteigenden Ast und seit 2017 nur noch fünftklassig.

Karriere-Ende mit 28

Aud beendete schon mit 28 seine Profikarriere – aus Verletzungsgründen (dreimal hatte er sich die Schulter ausgekugelt), aber auch, um sich wieder mehr der Musik widmen zu können. Als DeGuy trat er erst nur allein mit Gitarre und Mundharmonika zu englischen Texten auf, scharte dann aber bald weitere Musiker um sich. Inzwischen ist das Projekt vierköpfig, mit Schlagzeuger, Pianist und Bass-Gitarrist.

Größere Konzert-Locations

Und auch die Locations wuchsen mit der Zeit. Zu Beginn spielte DeGuy noch in Leipziger Cafés wie dem mittlerweile geschlossenen Kokopelli in Lindenau, nun gibt er auch Konzerte an größeren Orten wie dem Horns Erben oder auf dem Augustusplatz, wie bei der „Alles friedlich“-Demo Ende August. Nach seiner Rückkehr Ende November wird Aud auf der nächsten Tour auch erstmals weit weg von der Messestadt auftreten, unter anderem in Köln.

Doppelalbum im nächsten Jahr

Zum Erfolg trug auch das Anfang 2018 erschienene Album „Done“ bei, in dem der frühere Profi vor allem das Ende seiner Basketball-Karriere thematisiert. Eine zweite Platte ist gerade in Planung und soll im nächsten Jahr erscheinen – als Doppelalbum. Musikalisch wird es erneut in Richtung Indie-Rock gehen, allerdings wohl etwas härter als bei „Done“. „Es wird mehr Songs haben, die nach vorne gehen“, erklärt der Musiker in perfektem Deutsch. Vielleicht dann auch mal mit einem Lied auf Hebräisch.

Unangenehme Erfahrungen als Jude

Der letzte Auftritt vor der längeren Schaffenspause führte Aud am 5. Oktober nach Chemnitz, wo er früher auch mal als Basketballer aktiv war. Einerseits traf er viele alte Freunde wieder, andererseits hatte er dort auch unangenehme Erfahrungen als Jude gemacht. Vier Tage später dann der antisemitische Anschlag in Halle. Aud, zu dem Zeitpunkt schon in Israel, war einerseits geschockt, „aber ich war auch nicht völlig überrascht“, sagt er. „Als Jude musst du immer aufpassen.“ Aus Israel kennt er das Gefühl der permanenten Gefahr. Mit seinem Opa hat er längst Stätten des Holocaust besucht, etwa das Ghetto Lodz, das der Großvater überlebte.

Auftritt in Leipzig

Heute Abend ist er zurück in der Musikwelt und gibt im Tonelli’s sein nächstes Konzert unter dem programmatischen Titel „Back home Leipzig“. In Leipzig fühlt er sich weiter wohl, andererseits kann er sich auch vorstellen wegzuziehen, falls die Situation für Juden in Deutschland schlimmer werden sollte. Zurück nach Israel? „Ich weiß es nicht. Israel ist ein Land, das ich sehr mag, das aber auch sehr kompliziert ist.“ Für Leipzig wäre es auf jeden Fall ein Verlust.

Konzert am Dienstag um 21 Uhr im Tonellis, Neumarkt 9.

Von Christian Dittmar

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