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Lokales Vom Leipziger Uniklinikum in die Welt: Norbert Krügers Erinnerungen
Leipzig Lokales Vom Leipziger Uniklinikum in die Welt: Norbert Krügers Erinnerungen
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21:53 20.03.2019
Irmgard und Norbert Krüger im King-Khaled-Hospital in Tabuk, Saudi-Arabien. Quelle: privat
Leipzig

Seinen Fußabdruck hat der Kinder- und Tropenarzt Norbert Krüger auch in Leipzig hinterlassen: Von Ende 1999 bis 2005 war er Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums. Doch der 69-Jährige, der mittlerweile nach Leipzig zurückgekehrt ist, praktizierte bei weitem nicht nur in Europa: Als Arzt, Entwicklungshelfer und zuletzt Schullehrer arbeitete er auf allen besiedelten Kontinenten.

Ein spannendes Leben, das reichlich Stoff für Geschichten bietet: In der Autobiografie „Bimami“ hat Krüger sie überaus lesenswert aufgeschrieben. Der Titel stammt aus der Sprache der Mende, einem westafrikanischen Volk, und bedeutet: „Wohin gehst du?“ Im Fall des Arztes lautet die Antwort: nach Sierra Leone, Samoa, Saudi-Arabien, Nicaragua und in die Demokratische Republik Kongo. Zwischen 1972 und 2017 lebte und arbeitete er insgesamt 24 Jahre im Ausland.

Sein Blick zurück ist respektvoll und zugleich ungeschönt. In klarer Sprache schreibt Krüger über Politik, Gesellschaft und Kultur der Länder, wie sie sich im jeweiligen Gesundheitswesen spiegeln. Er erkrankte selbst immer mal wieder, an Ruhr, Hepatitis, Denguefieber. Aber weit mehr machte ihm etwas Anderes zu schaffen: ein wiederkehrender Kulturschock. Aufzugeben, daran denkt er Mitte der 70er-Jahre in Sierra Leone zum ersten Mal. Ein Mitarbeiter soll einen Kollegen in die Sterilisierung des OP-Bestecks einweisen, beharrt aber auf seinem Herrschaftswissen. Unwissentlich operiert Krüger daraufhin mit infizierten Instrumenten. Zwei Patienten sterben.

Als Krüger sich selbst mit Hexerei überraschte

Krüger sieht sich „als Entwicklungshelfer, der zwar helfen, aber darüber hinaus auch lernen und begreifen wollte“. Bald merkt er, „dass die Medizin bedeutend mehr als ein naturwissenschaftliches Fach darstellt“. Er schildert einen Fall, bei dem er sich selbst damit überraschte, ein paar Hexsprüche zu improvisieren. Vor den Augen eines Patienten, den ein Heiler mit einer Lähmung verflucht hatte, spricht Krüger wild gestikulierend einen Gegenfluch aus. Tatsächlich kann sich der Betroffene, der die Erkrankung keineswegs simuliert hatte, auf einmal wieder bewegen. Was auch immer da körperlich und seelisch passiert war: „Für mich war das Ganze eine Lehrstück über die Macht der traditionellen Medizin.“

Seinen Horizont – und den der Leser – erweitert Krüger mit achtsamem Auge auf das Leben der Menschen. Auf Samoa etwa lernt er ein drittes Geschlecht kennen, die „Fa’afafine“, biologische Männer, die sozial als Frauen gelten. Während viele verschleierte Frauen in Saudi-Arabien trotz aller Sonne an Vitamin-D-Mangel leiden, herrscht in Kolumbien sogar für Motorradfahrer Helmverbot: Zu oft haben sich Mörder auf diese Weise vermummt.

Schöne Aussicht im goldenen Käfig

Mit den Jahren rückt Krüger auf Führungsposten. In Saudi-Arabien baut er eine Kinder-Intensivstation auf. In Nicaragua leitet er das Krankenhaus „Carlos Marx“, ein einstiges DDR-Prestigeprojekt. Im Kongo berät er die Regierung. Von Innenansichten aus dem Klinikalltag weitet sich sein Blick zunehmend auf das große Ganze. In Nicaragua plädiert Krüger für einen Schuldenerlass. Im Kongo, einem an Bodenschätzen reichen Land mit armen Menschen, beklagt er, dass die Korruption die Entwicklungshilfe auffresse. Statt Geld zu spenden, rät er zu „Wandel durch Handel“. Die Sicht auf den globalen Süden sei verzerrt: Während jeder Ebola-Ausbruch im Kongo weltweit Schlagzeilen mache, bleibe die häufigste Todesursache dort weitgehend unerwähnt: Malaria.

Auch die eigene Rolle reflektiert er selbstkritisch. „Ansonsten saßen wir meist in unserem goldenen Käfig und genossen die schöne Aussicht“, schreibt er über die Zeit im Kongo. Nicht zuletzt Krügers Glaubwürdigkeit machen die Lektüre von „Bimami“ so lohnend.

Norbert Krüger: Bimami. Eine medizinische Weltreise, Eigenverlag, 380 Seiten, Taschenbuch 15,50 Euro, E-Book 9,50 Euro

Von Mathias Wöbking

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