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Lokales Von Minkisi bis zum Klang der Instrumente – Leipziger Restauratoren bieten Einblicke
Leipzig Lokales Von Minkisi bis zum Klang der Instrumente – Leipziger Restauratoren bieten Einblicke
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11:15 12.10.2019
Klären über Restaurierung auf: Christian Jürgens, Angelica Hoffmeister-zur Nedden, Vanessa Kaspar und Markus Brosig (von links) bieten Besuchern am Sonntag einen Blick hinter die Kulissen. Quelle: Christian Modla
Leipzig

Darf eine Minkisi-Figur überhaupt geröntgt werden? Das sind Ritualobjekte aus einem längst vergessenen afrikanischen Königreich, das einst auf dem Gebiet der heutigen Republik Kongo (Brazzaville) existierte. Sollte man das verschlissene Teil eines historischen Instrumentes adäquat ersetzen? Oder sollen angeschlagene Gefäße in ihrer einstigen Farbenpracht erneuert werden? Das sind Fragen, die sich die Restauratoren der drei Grassi-Museen am Johannisplatz oft zu stellen haben. Eindeutige Antworten dazu gibt es nicht immer. Doch die Experten für Völkerkunde, Musikinstrumente und angewandte Kunst wollen ihr Publikum an der Diskussion teilhaben lassen. „Gesichert: Die Spuren der Zeit“ ist der europäische Tag der Restaurierung überschrieben, zudem erstmals auch alle drei Grassi-Museen am Sonntag von 11 bis 15 Uhr ein gemeinsames Programm beisteuern.

Auch der Klang wird erforscht

„Wir haben sehr unterschiedliche Objekte, die wir auch auf unterschiedliche Art und Weise restaurieren“, erklärt Angelica Hoffmeister-zur Nedden, die Chefrestauratorin des Völkerkundemuseums. Während Gebrauchsspuren an einem ethnologischen Objekt wichtig sind, kann das Restaurierungsziel eines kunsthandwerklichen Objektes die Reinigung und Ergänzung von fehlenden Teilen beinhalten. „Wir legen viel Wert auf die Form und Farbgebung“, erläutert Christian Jürgens vom Grassi-Museum für angewandte Kunst. „Was nicht heißt, dass immer der einstige Glanz hergestellt wird.“ Das sei von Objekt zu Objekt sehr unterschiedlich. Bei den Ethnologen wiederum geht es neben Material und Technik auch um kulturelle Bedeutung und Gebrauch – etwa für religiöse oder rituelle Zwecke. Das heißt oft, eine Beschädigung oder Verschmutzung bei der Restaurierung so zu belassen.

Beispiel Musikinstrument: Ein wichtiger Forschungsgegenstand ist da, wie es einst geklungen hat. „Manchmal kann man es gar nicht mehr spielen. Es sind oft nur Fragmente erhalten, und es kommt gar nicht in Frage sie wiederherzustellen“, sagt Markus Brosig vom Museum für Musikinstrumente. Manchmal sei die erhaltene Substanz durch Holzschädlinge oder Materialversprödung so stark geschädigt, dass das Instrument ganz anders klingen würde als vom Erbauer beabsichtigt. Wichtig sei aber, alles genau zu dokumentieren und so heutigen Instrumentenbauern zu ermöglichen, Instrumente originalgetreu nachzubauen und ihren Klang zu rekonstruieren.

Fragmente als Informanten vergangener Zeiten

Anhand von Fragmenten könne man viel über die Herstellungstechnik erfahren. „Objekte sind für uns Informanten vergangener Zeiten. Da gibt es unzählige Informationen zu entschlüsseln. Gerade bei Textilien, die sehr empfindlich sind“, ergänzt Christian Jürgens. Wo es keine gesicherten Erkenntnisse über das Aussehen eines Objektes gibt, da müssen die Ergänzungen farb- sowie formneutral sein. „Wo die Fantasie anfängt, hört die Restaurierung auf“, lautet ein Grundsatz.

„Wir müssen uns den neuen Fragen, die in der Ethnologie diskutiert werden, stellen. Wie eben bei den Minkisi-Figuren“, betont Hoffmeister-zur Nedden. Röntgen und CT-Untersuchungen waren da die letzten Jahre gebräuchlich. „Doch viele Herkunftsländer unserer Objekte wünschen das nicht“, so Restauratorin Vanessa Kaspar. „Wenn wir das einfach tun, stoßen wir sie vor den Kopf.“ Denn wir sollen eigentlich nicht wissen, was sich in so einem Objekt möglicherweise befinde.

Führungen durch die Ateliers

Die drei Museen unterhalten eine gemeinsame Werkstatt mit unterschiedlichen Abteilungen, die schon aufgrund der drei unterschiedlichen Träger organisatorisch getrennt sind. Auf dem „kleinen Dienstweg“ werde sich aber regelmäßig geholfen. Geboten werden am Sonntag (13. Oktober) um 11, 12.30 und 14 Uhr Kurzführungen durch die Restaurierungsateliers für Möbel und Holz, Glas/Keramik, Metall und Textil. Die freischaffende Textilrestauratorin Carola Berriola stellt ausgewählte Objekte vor, die sie für die Ausstellung „History In Fashion. 1500 Jahre Stickerei in Mode“, die am 21. November 2019 öffnet, gerade vorbereitet. Gezeigt werden zudem technische Zeichnungen sowie Konstruktionen für Musikinstrumente, die das Museum in der ganzen Welt anbietet. Und eben die Minkisi-Figuren. Für die Veranstaltungen ist der Eintritt frei, für die Ausstellungen nicht.

Von Mathias Orbeck

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