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Lokales Von Zuwanderung bis Waldsterben – Schau fragt nach Angst der Deutschen
Leipzig Lokales Von Zuwanderung bis Waldsterben – Schau fragt nach Angst der Deutschen
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18:04 17.10.2019
Angst vor Überwachung: Judith Kruse, die die Ausstellung konzipiert hat, vor dem Bild „Ende der Privatsphäre“. Quelle: Fotos: André Kempner
Leipzig

Es ist ein Safeshort. Wird es gewaltsam heruntergezogen, erklingt eine laute Sirene, die den Angreifer vertreiben soll. Eine Unternehmerin entwickelte diesen Prototypen 2016 nach sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof. So wurde die kurze Hose auch beworben. Diese ist ebenso wie eine illegal im Internet vertriebene Waffe mit der rassistischen Bezeichnung „Migrantenschreck“ ein Beispiel dafür, wie Menschen mit Ängsten umgehen. Die waren bei der so genannten Flüchtlingswelle 2015 besonders groß, wie auch Bilder von Pegida-Demonstrationen in Dresden zeigen. Unter dem Titel „Angst. Eine deutsche Gefühlslage?“ widmet das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig in der Grimmaischen Straße 6 diesem Thema eine Sonderschau.

Mehr als 300 Exponate

Mit mehr als 300 Exponaten fragt sie nach kollektiven Ängsten der Deutschen in West und Ost, beleuchtet die Entstehung sowie Verbreitung. Neben Flüchtlingskrise und Zuwanderung stehen die Themen Atomkrieg, Umweltzerstörung sowie Datenschutz im Fokus. Darauf hat sich die Schau bewusst beschränkt. Sie war 2018 bereits im Haus der Geschichte Bonn zu sehen und wurde nun für Leipzig aktualisiert. Die Rolle mancher Medien, die mit reißerischen Aufmachungen teilweise Angstgefühle schüren, bleibt ebenfalls nicht ausgespart.

Ist Angst ein typisch deutsches Gefühl? Dieser Frage geht die Ausstellung „Angst. Eine deutsche Gefühlslage?“ im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig nach. Zu sehen ist sie bis zum 10. Mai 2020.

„Angst ist ein Urinstinkt. Sie schützt uns gewissermaßen auch vor Gefahren“, sagt Direktor Jürgen Reiche. „Sie ist aber auch eine Gefahr, der wir uns selbst aussetzen, wenn zu viel Angst im Spiel ist.“ Dabei müsse man zur Kenntnis nehmen, dass statistisch gesehen das Risiko in Deutschland gering sei, durch Verbrechen oder Naturkatastrophen Schaden zu erleiden. „Angstkonjunkturen haben in Deutschland aber eine hohe Intensität“, ergänzt Judith Kruse, die die Ausstellung konzipiert hat. So versetzte Anfang der 1980er Jahre die Vorstellung eines großflächigen Waldsterbens die Öffentlichkeit im Westen in Panik. Offiziell gab es in der DDR das Waldsterben nicht, doch die Realität sah anders aus. Wer das Gegenteil behauptete, musste mit Repressionen rechnen.

Ängste im Wandel

Die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl 1986 löste dann eine zweite „Welle der Angst“ aus – vor einer Kontaminierung von Menschen, Böden und Lebensmitteln, was die durch eine chaotische Informationspolitik der Behörden noch verstärkt wurde. Heute sind die Ängste vor einer Klimakatastrophe groß – besonders in der „Greta-Generation“. Das wiederum thematisiert die Ausstellung nicht. Die Leute sind aber aufgefordert, ihre eigenen Ängste zu schildern. Sie können aufschreiben, wofür sie sich mit Blick auf 2030 am meisten fürchten.

Schau soll zur Diskussion beitragen

Im Westen konnten die Menschen ihre Meinung stets frei artikulieren – etwa gegen die atomare Aufrüstung. Im Osten gehörte hingegen viel Mut dazu. Dennoch gab es Protestaktionen. „Migration, atomare Bewaffnung, Umweltzerstörung und Überwachung – das sind Themen, die uns noch viele Jahre in Atem halten werden“, so Reiche. Die Schau solle zu einer ausgewogenen Diskussion beitragen. Es gehe nicht um die „Berichtigung der Ängste“. Wenn die Politik keine Antworten auf Ängste finde, so Reiche, dann würden die Themen immer wieder aufploppen.

Geöffnet dienstags bis freitags 9 bis 18 Uhr, am Wochenende 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Infos auf www.hdg.de/zeitgeschichtliches-forum.

Von Mathias Orbeck

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