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Lokales Von der Schnapsidee zum Gipfelkreuz
Leipzig Lokales Von der Schnapsidee zum Gipfelkreuz
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16:51 07.08.2019
Erhard Klingner, Siegfried Wittig, Wolfgang Hempel und Ralf Brummer (von links) am9. August 1989 auf dem Gipfel desPik Leipzig(5725 Meter). Quelle: Foto: privat
Leipzig

Zu tiefsten DDR-Zeiten, als an eine Wende noch nicht wirklich zu denken ist, entsteht in Leipzig im Jahr 1988 aus einer Art Schnapsidee heraus ein Expeditionsprojekt. Am 9. August des Folgejahres endet dieses sehr erfolgreich auf dem Gipfel des bis dahin namenlosen Pik Leipzig im westlichen Transalaigebirge des Pamirs. Die Besteigung des 5725 Meter hohen Eisriesens auf der Grenze von Kirgisistan und Tadschikistan durch vier Leipziger ist ein ganz besonderer Moment in der durch Höhen und Tiefen geprägten ostdeutschen Bergsportgeschichte. Am Freitag liegt er 30 Jahre zurück.

Berge zwischen Kirgistan und Tadschikistan. Quelle: LVZ

Gemeinsam mit Klingner klettert Brummer zwischen 1984 und 1987 zwar legal und illegal im Kaukasus und im Pamir – eine offizielle Expedition ist jedoch in weiter Ferne. „Ich habe dann 1988 einfach einen Brief an den damaligen Leipziger Oberbürgermeister Bernd Seidel geschrieben, um ihm die Idee von der Besteigung eines unbestiegenen Berges samt der Benennung in Pik Leipzig schmackhaft zu machen“, berichtet Brummer. Lange ruht der See, ehe im März 1989 völlig überraschend ein Brief der Stadtverwaltung eintrudelt, in dem ein Mitarbeiter benannt wird, der sich um alles kümmert. Und: (West-)Geld spielte auf einmal keine Rolle.

„Darüber haben wir erst mal gar nicht nachgedacht, sondern alles bestmöglich vorbereitet und sind nach Moskau geflogen“, so der 68-jährige Bauingenieur. Ein Verbindungsmann habe die Kleinstexpedition in den Pamir begleitet – allerdings ins Basislager des gut 30 Kilometer weiter östlich gelegenen Pik Lenin (7134 Meter). „Unsere Ausrüstung kam auf wundersame Weise erst zwei Tage später an – so lange durften wir die Gastfreundschaft der Russen genießen.“

30 Jahre Erstbesteigung Pik Leipzig

Von Anatoli Obtschinikow, dem sportlichen Leiter der ersten sehr erfolgreichen sowjetischen Everest-Expedition 1982 und im Pik-Lenin-Basecamp vor Ort, wollen die vier Sachsen wissen, welcher unbestiegene Gipfel sich in der Nähe für das geplante Projekt eignet. „Er hat dann gesagt, ,diesen könnt ihr nehmen‘“, so Brummer. Ob dies auch wirklich stimmt, kann das Quartett in jenem Moment nicht überprüfen.

Ein Hubschrauber der sowjetischen Expedition bringt die Gruppe und einen Instrukteur Richtung Berg. Das Fluggerät zieht ein paar Kreise, die genügen, um eine grobe Aufstiegsroute und den Platz für ein Basislager ausfindig zu machen. Per Funk sollen die Deutschen Bescheid geben, wenn sie wieder abgeholt werden wollen. Dann sind sie völlig auf sich allein gestellt. Verpflegung für eine Woche haben sie dabei.

Faksimile aus LVZ vom 25. Juli 1989, Seite 8. Quelle: LVZ

Brummer, Hempel, Klingner und Wittig lassen sich hernach von nichts beirren – auch nicht von Bergdohlen, die russische Wurstbüchsen aufhacken und eine Isomatte zerlegen, oder von einem leichten Wetterumschwung: Am 9. August 1989 stehen sie auf dem Gipfel, stellen ein Gipfelkreuz aus einem alten Fotostativ auf und hinterlegen in einer mit „Pik Leipzig“ gravierten Metallbüchse das Gipfelbuch.

Zurück im Basislager des Pik Lenin lassen sie vorbereitete zweisprachige Urkunden von den Russen unterschreiben, besteigen noch ein paar andere Gipfel und unternehmen Eistouren. Auf dem Flughafen Moskau-Scheremetjewo liest Brummer auf der Rücktour in der dort ausliegenden „Süddeutschen Zeitung“, dass die Grenze nach Ungarn offen ist. „Da war mir klar, das ist das Ende der DDR“, erinnert er sich.

Zurück in Leipzig berichten sie – „mit selbst gemalten Plakaten als Vorabwerbung“ – in der Leipzig-Information auf dem damaligen Sachsenplatz über ihre Reise. „Es war knüppeldicke voll, auch der kurzfristig anberaumte zweite Vortrag“, so der 68-Jährige. Von der Stadt seien die vier Pik-Leipzig-Bezwinger ins Gästehaus eingeladen worden, der allgemeine Trubel sei kurz und intensiv gewesen.

Die Friedliche Revolution bringt Veränderungen in vielen Bereichen. Beruflich müssen sich alle vier neu orientieren. Die Welt steht ihnen offen – „der Ostblock hat zunächst keinen mehr interessiert“, sagt Brummer. Mühsam sind die Versuche, den Namen Pik Leipzig in Atlanten und anderen Kartenwerken unterzubringen – es gibt keine verbrieften Namensrechte für Berge.

Brummer befürchtet, dass die Bezeichnung in der Versenkung verschwindet, wenn nicht regelmäßig an sie erinnert wird. Eine Revival-Besteigung soll zehn Jahre später für Aufmerksamkeit sorgen, doch erst 2012 wird der Traum Wirklichkeit – mit ganz anderen Voraussetzungen und Hindernissen.

Pik Leipzig 1989 Ralf Brummer Quelle: Ralf Brummer

2014 lässt er sich überreden, einen neuen Versuch zu starten – die Bedingungen vor Ort erweisen sich als vollkommen anders. In der Aufstiegsrinne liegt kein Schnee mehr, vielmehr machen eine fast durchgehende Eisschicht und Steinschläge den Aufstieg zu einer Art Himmelfahrtskommando. Zwei Kameraden stürzen ab – wie durch ein Wunder passiert nichts. Ein anderer wird durch Steinschlag verletzt.

Doch allen Widrigkeiten zum Trotz gelingt zunächst Steffen Löfflmann und Christian Vettermann, später Gerlind Löfflmann, Andreas Lamm und Marcus Stück die erfolgreiche Zweitbesteigung. Nur Ralf Brummer, der sich zuvor bei Hilfeleistungen und Vorbereitungen für den Aufstieg völlig verausgabt hat, bleibt die Wiederholung verwehrt. „Das war schon ein bisschen enttäuschend“, sagt er – wohl wissend, dass man am Berg das Schicksal nicht herausfordern sollte. Der Versuch, in diesem Jahr zum 30. Jubiläum noch einmal auf dem Pik Leipzig zu stehen, kommt nicht zustande.

Lange nach der Erstbesteigung kann Brummer auch das Rätsel um den plötzlichen Geldfluss im Vorfeld der Expedition 1989 lösen. In einer Leipziger Sauna trifft er den damals zuständigen Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Der hatte sich im Deutschen Turn- und Sportbund (DTSB) der DDR ganz oben in der Hierarchie für die Bergsteiger aus der Messestadt eingesetzt – und letztlich die für ein Trainingslager der DDR-Leichtathleten in der Sowjetunion geplanten und nach dessen Absage frei gewordenen Devisen abgegriffen.

Am Freitag treffen sich die vier Pik-Leipzig-Helden zum gemeinsamen Frühstück und Klönen. Doch nicht nur. Im Anschluss geht es zum Klettern in den ehemaligen Steinbruch am Gaudlitzberg in den Hohburger Bergen bei Wurzen. Sein größter Wunsch für die Zukunft? „Dass der Pik Leipzig nicht in Vergessenheit gerät.“

Von Martin Pelzl

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