Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Vor 90 Jahren erbaut: So lebt es sich im Rundling in Leipzig-Lößnig
Leipzig Lokales Vor 90 Jahren erbaut: So lebt es sich im Rundling in Leipzig-Lößnig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:58 16.10.2019
Bei Nacht leuchten die drei Ringe des Rundlings in Leipzig-Lößnig besonders imposant, hier fotografiert mit einer Drohne. Quelle: Leipzig report
Leipzig

An interessierte oder neugierige Besucher vor ihrem Fenster hat sich Eva Senftleben längst gewöhnt. „Es kommen immer mal wieder welche. Die stehen dann mit Stadtplan und Unterlagen dort“, sagt die 85-Jährige und deutet auf die kreisrunde Grünfläche in der Mitte ihrer Wohnanlage. Senftleben wohnt in Leipzig im sogenannten Rundling, einem denkmalgeschützten Gebäude-Ensemble. Für die einzigartige Anlage im Stil des Neuen Bauens wurde vor 90 Jahren der Grundstein gelegt.

1929 wurde der Grundstein für eine bundesweit einzigartige Wohnanlage in Leipzig gelegt, den Rundling in Leipzig-Lößnig. Heute leben dort 1600 Menschen.

Drei Ringe, 604 Wohnungen, 1600 Bewohner

Senftleben wohnt seit 1964 im Rundling. Sie ist damit eine der „dienstältesten“ Bewohnerinnen. Die Anlage im Besitz der städtischen Wohnungsgesellschaft LWB bietet rund 1600 Menschen ein Zuhause. 604 Wohnungen sind in den drei Häuser-Ringen untergebracht. Der Rundling wurde im flachen Leipzig in leichter Hügellage errichtet. Der innere Ring um den Siegfriedplatz ist ein Stockwerk höher als die dreigeschossigen Häuser im Nibelungenring drumherum, was die Hügel-Anmutung ein wenig verstärkt.

Antwort auf Leipzigs Wohnungsnot

Konzipiert wurde der Rundling vom Architekten und Stadtbaurat Hubertus Ritter. Es war eine Antwort Leipzigs auf die damalige Wohnungsnot. Der Architekt griff Bauhaus-Gedanken auf. „Ritter hat mit seinem Anspruch an modernes Wohnen in vielerlei Hinsicht Maßstäbe gesetzt. Helle Räume, grüne Höfe, Spielgelegenheiten für Kinder, Wäschetrockenplätze oder Bänke zum Ausruhen brachten neue Lebensqualität“, erklärt die LWB. Mit seinen schmucklosen Fassaden und flachen Dächern soll der Rundling damals aber nicht nur auf Begeisterung in der Stadt gestoßen sein.

Häuser im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstört

Seit den 1980er Jahren steht die Siedlung unter Denkmalschutz. Im Zweiten Weltkrieg waren fünf der insgesamt 24 Gebäude zerstört worden. Die LWB sanierte das Ensemble zwischen 1993 und 1997 – und baute auch die fehlenden Häuser wieder auf.

Eva Senftleben wohnt seit einem halben Jahrhundert in der denkmalgeschützten Rundling-Wohnanlage in Lößnig, auf 68 Quadratmetern mit Fernheizung und Parkett. Quelle: Waltraud Grubitzsch/dpa

68 Quadratmeter mit Fernheizung und Parkett

Auch Langzeit-Bewohnerin Senftleben hat die Sanierung mitgemacht. Seitdem habe ihre 68 Quadratmeter große Wohnung unter anderem Fernheizung und Parkett. „Mir hat es hier immer gut gefallen. Ich habe meine Kinder hier großgezogen. Ich möchte nicht vom Rundling weg“, sagt Senftleben.

Die Seniorin hat vor ihrem Fenster sogar ihren eigenen Baum stehen. Die Robinie wurde ihr im Rahmen einer Spenden- und Pflanzaktion gewidmet. Senftleben, die früher als Gärtnerin gearbeitet hat, freut sich darüber: „Wir sterben weg, aber der Baum bleibt.“

Tipp für einen Besuch am Rundling: Zum diesjährigen Bauhaus-Jubiläum gehört die Lößniger Wohnanlage zur Grand Tour der Moderne, einer bundesweiten Liste mit Sehenswürdigkeiten. Der Rundling ist Teil der Tour „Kunst und Wohnkultur besichtigen“.

Von Birgit Zimmermann