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Lokales Einschränkungen nach Bahnstreik in Leipzig noch bis zum Abend
Leipzig Lokales Einschränkungen nach Bahnstreik in Leipzig noch bis zum Abend
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13:32 10.12.2018
Warnstreik der Bahngewerkschaft EVG: Auch am Leipziger Hauptbahnhof gab es deshalb Ausfälle und stundenlange Verspätungen.
Warnstreik der Bahngewerkschaft EVG: Auch am Leipziger Hauptbahnhof gab es deshalb Ausfälle und stundenlange Verspätungen. Quelle: Kempner
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Leipzig

Stillstehende Züge, wartende Reisende: Der Warnstreik der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat am Montagmorgen den Zugverkehr in Leipzig fast komplett zum Erliegen gebracht. Es kam zu zahlreichen Ausfällen und teils stundenlangen Verspätungen. Nicht nur der Fernverkehr sei erheblich eingeschränkt, auch Regionalverkehr komme es zu Behinderungen, teilte die Bahn mit. Die Auswirkungen des vierstündigen Streiks zwischen 5 und 9 Uhr würden noch den ganzen Tag über zu spüren sein, hieß es.

In ganz Sachsen und Mitteldeutschland fielen am Morgen Züge aus oder verspäteten sich. Es seien alle Linien im S-Bahn- und Regionalverkehr betroffen, sagte Bahnsprecher Holger Auferkamp in Leipzig. Nur auf der Strecke nach Wurzen seien von der Messestadt aus noch Züge unterwegs gewesen. „Fernzüge fahren im Moment gar nicht“, so Auferkamp am Morgen gegenüber LVZ.de.

Der Warnstreik der Gewerkschaft EVG hat den Bahnverkehr in Leipzig lahmgelegt. Betroffen waren sowohl Fernzüge als auch Regionalverbindungen. Reisende und Pendler saßen am Hauptbahnhof fest.

Viele Verbindungen wurden entweder komplett gestrichen oder verspäteten sich teilweise um mehrere Stunden. So wurde die Abfahrtzeit des ICE nach Hamburg-Altona von 7.16 Uhr auf 10.05 Uhr verschoben, die Regionalbahn nach Eisenach sollte statt um 7.19 Uhr um 10.19 Uhr abfahren.

Reisende und Pendler sitzen an Bahnhöfen fest

Am Leipziger Hauptbahnhof saßen Reisende ebenso wie Pendler fest. Auch in den umliegenden Städten warteten Pendler vergeblich auf ihre Züge. Der Streik traf viele Bahnkunden eiskalt. Noch am Sonntagabend hieß es, dieser würden sich größtenteils auf Nordrhein-Westfalen, Berlin und Brandenburg beschränken.

Auch nach Ende des Warnstreiks rechnete die Deutsche Bahn noch bis zum Abend mit massiven Einschränkungen im bundesweiten Fernverkehr. „Die Auswirkungen werden den ganzen Tag über noch zu spüren sein. Bis wir wieder einen verlässlichen Fahrplan haben, kann es dauern“, kündigte Bahnsprecher Auferkamp an. Die Bahnstrecken zwischen Halle und Leipzig und nach Dresden sollten aber früher planmäßig laufen. Auch im Regional- und S-Bahn-Verkehr werde es sich schneller wieder einpendeln, so Auferkamp. Vor der geplanten Abfahrt sollten sich Bahnreisende über die Internetseite der Deutschen Bahn informieren.

Das sagen die Bahnfahrer über den Stillstand

Diese Linien sind betroffen

Insbesondere auf diesen Linien kam es laut Bahn im Raum Leipzig durch den Streik zu Einschränkungen:

• RE 10 Leipzig Hbf - Eilenburg - Torgau - Doberlug-Kirchhain - Cottbus: Erhebliche Beeinträchtigungen, Zugausfälle wahrscheinlich

• RE 13 Leipzig Hbf - Bitterfeld - Dessau Hbf - Magdeburg Hbf: Erhebliche Einschränkungen im Raum Biederitz, Zugausfälle wahrscheinlich

• RE 18 Dresden Hbf - Großenhain Cottb Bf - Ruhland - Cottbus: Erhebliche Beeinträchtigungen im Raum Senftenberg. Verspätungen und Teilausfälle wahrscheinlich

• RE 50 Leipzig Hbf - Oschatz - Riesa - Coswig(b Dresden) - Dresden Hbf: Erhebliche Beeinträchtigungen, verkehrt momentan nur zwischen Dresden Hbf und Wurzen

• S 1 Leipzig-Stötteritz - Leipzig Hbf (tief) - Leipzig Miltitzer Allee: Erhebliche Beeinträchtigungen, Zugausfälle wahrscheinlich

• S 2 Leipzig-Stötteritz - Leipzig Hbf (tief) - Bitterfeld - Dessau Hbf/Lutherstadt Wittenberg - Zahna/Jüterbog: Erhebliche Beeinträchtigungen, Zugausfälle wahrscheinlich

• S 3 Leipzig-Connewitz - Leipzig Hbf (tief) - Schkeuditz - Halle(Saale) Hbf - Halle-Trotha: verkehrt zwischen Halle und Leipzig Hbf

• S 4 Wurzen - Leipzig Hbf (tief) - Torgau - Falkenberg - Hoyerswerda: Erhebliche Beeinträchtigungen, Zugausfälle wahrscheinlich

• S 5/S 5X Zwickau(Sachs) Hbf - Altenburg - Leipzig Hbf (tief) - Leipzig/Halle Flughafen - Halle(Saale) Hbf: Erhebliche Beeinträchtigungen, Zugausfälle wahrscheinlich

• S 6 Leipzig Messe - Leipzig Hbf (tief) - Böhlen (Leipzig) - Borna - Geithain: Erhebliche Beeinträchtigungen, Zugausfälle wahrscheinlich

• S 3 Dresden Hbf - Tharandt - Freiberg (Sachs): Erhebliche Beeinträchtigungen, Zugausfälle wahrscheinlich

Verspätungen und Ausfälle meldeten auch die Mitteldeutsche Regiobahn (MRB) und der private Bahnbetreiber Abellio. Wegen der gesperrten Strecken konnten auf fast allen Abellio-Linien keine Züge fahren, hieß es in einer Mitteilung am Montagmorgen. Die betroffenen Züge seien an geeigneten Knotenpunkten stehen geblieben. Es werde noch den ganzen Tag mit Unregelmäßigkeiten gerechnet.

Bei der MRB sei besonders die Strecke Leipzig - Grimma - Döbeln betroffen gewesen, teilte ein Sprecher mit. Auch bei den Regiobahnen von und nach Chemnitz war es zu zahlreichen Ausfällen gekommen. „Wir hoffen, dass bis zum späten Mittag der Regelverkehr wieder aufgenommen werden kann“, hieß es weiter.

Das müssen Bahnfahrer wissen

• Welche Rechte habe ich, wenn mein Zug ausfällt? Erhalte ich mein Geld zurück? Alles, was Sie zum Streik der Deutschen Bahn wissen müssen, haben wir hier in einer Übersicht für Sie zusammengestellt.

• Ist mein Zug pünktlich? Auf der Bahnhofstafel der Deutschen Bahn können Sie Informationen zu Ihrem Zug bekommen. Geben Sie einfach den Abfahrtsbahnhof sowie die Abfahrts- oder Ankunftszeit ein.

• Allgemeine Informationen zum aktuellen Stand der Beeinträchtigungen können Sie hier auf der Webseite der Bahn einsehen.

Fernverkehr bundesweit eingestellt

Wegen des Warnstreiks der EVG war der Fernverkehr bundesweit bis 9 Uhr eingestellt worden. „Die Wucht des Streiks macht deutlich, wie groß die Verärgerung der Kollegen darüber ist, dass weiter kein abschlussfähiges Angebot vorliegt“, sagte ein Gewerkschaftssprecher. Sobald die Bahn schriftlich ein verbessertes Angebot vorlege, sei die EVG bereit, die Tarifverhandlungen wieder aufzunehmen. Auch die Reisezentren wurden am Montag bestreikt.

Die Gewerkschaft will im Tarifkonflikt mit der Bahn ihre Forderungen durchsetzen. Am Samstag hatte die EVG die Verhandlungen für rund 160.000 Beschäftigte abgebrochen. Bei der Lohnerhöhung war der Konzern der Gewerkschaft aus deren Sicht nicht weit genug entgegengekommen.

Fahrgäste genervt von fehlenden Informationen

In den sozialen Netzwerken zeigten sich die Bahnreisenden am Montagmorgen genervt von der Informationspolitik der Bahn. „Keinerlei Ansagen, keine Infos, laut App fährt die S3 normal. Man kann doch seine Kunden informieren oder wäre das zu viel verlangt?“, schrieb ein Nutzer zur fehlenden Informationen am Leipziger Hauptbahnhof.

Die Bahn empfahl Reisenden dringend, ihre Reisen auf Dienstag zu verschieben. Alle Tickets behielten ihre Gültigkeit, Zugbindungen seien aufgehoben – auch für den Dienstag.

Von LVZ/sag/nöß/es (mit dpa)