Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Falscher Arzt praktiziert in Leipzig
Leipzig Lokales

Warnung vor falschem Arzt in Leipzig: Sascha Robert praktiziert weiter

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:21 29.04.2021
In diesem Haus in der Dieskaustraße 210 praktizierte der falsche Arzt bis ihn im Oktober die Polizei vorübergehend in Gewahrsam nahm. Seine Praxis befand sich im Ladengeschäft – zwischen dem grünen Tor und der grünen Hauseingangstür.
In diesem Haus in der Dieskaustraße 210 praktizierte der falsche Arzt bis ihn im Oktober die Polizei vorübergehend in Gewahrsam nahm. Seine Praxis befand sich im Ladengeschäft – zwischen dem grünen Tor und der grünen Hauseingangstür. Quelle: André Kempner
Anzeige
Leipzig

Es klingt unglaublich: In Leipzig hat monatelang ein Arzt praktiziert, der offenbar gar keiner war. Der Mann heißt Sascha Robert und ist 32 Jahre alt. In der Dieskaustraße 210 hatte er eine Privatpraxis als Facharzt für Allgemein- und Notfallmedizin eröffnet. „Herr Sascha Robert besitzt nach derzeitigen Erkenntnissen keine Approbation als Arzt“, warnte am Donnerstag die Sächsische Landesärztekammer. Er gebe sich noch immer im Internet als Arzt aus und behandle mutmaßlich auch Patienten. „Wir empfehlen Patienten nachdrücklich, stattgehabte Behandlungen der Polizei mitzuteilen“, so die Kammer.

„Dr. Robert“ hatte kein Wartezimmer

„Dr. Robert“ hatte Mitte vergangenen Jahres das Ladengeschäft des Mietshauses in der Dieskaustraße bezogen. Das Mehrfamilienhaus ist gepflegt – aber offenbar nicht für eine Arztpraxis geeignet. „Weil er kein Wartezimmer hatte, standen die Patienten oft bis in den Hausflur“, berichtet Jerome Schellbach, der in dem Haus wohnt. „Das hat bei Mietern für Verärgerung gesorgt.“

Manchen habe auch gestört, dass der „Arzt“ häufig vor seiner Praxis rauchte. „Er hat auch Abstriche gemacht und Corona-Impfungen angeboten, als es eigentlich noch gar keinen richtigen Impfstoff gab“, erinnert sich Hausbewohner Schellbach. Doch auf dem ersten Blick war alles in Ordnung. „Da waren viele Patienten die für die Abrechnung auch ihre normale Chipkarten ihrer gesetzlichen Krankenkassen vorgelegt haben – die Abrechnung damit muss ja funktioniert haben“, so der Mieter. Doch offenbar nicht lange. Denn im Oktober vergangenen Jahres standen auf einmal Kriminalpolizisten im Hausflur und die Bewohner registrierten entsetzt, wie die Praxisräume durchsucht und der gebürtige Berliner vorübergehend in Gewahrsam genommen wurde. „Im Hausflur standen Polizisten in voller Montur“, erzählt eine Mieterin.

Ein Nachahmer von Gerd Postel?

Die Staatsanwaltschaft Leipzig erklärte am Donnerstag auf LVZ-Anfrage, dass ein Ermittlungsverfahren wegen Missbrauchs von Titeln und Berufsbezeichnungen sowie Urkundenfälschung und Betrug läuft. „Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen“, betonte Staatsanwalt Ricardo Schulz. Nachgegangen werde unter anderem dem Hinweis der Landesärztekammer, dass der mutmaßliche Hochstapler jetzt weiter unter anderem im Internet als Telemediziner beraten soll und als Betreiber der virtuellen „Teleklinik Leipzig“ agiert. Robert war für LVZ-Nachfragen nicht erreichbar. Die Telefonnummer in der Anzeige, mit der er im Internet für sich wirbt, ist offenbar abgeschaltet.

In Leipzig gab es schon einmal einen „falschen Arzt“. Er hieß Gerd Postel und machte bundesweit Schlagzeilen. In Leipzig trat er als Gutachter in Gerichten auf. Postel hatte Anfang der 1980er Jahre als falscher Psychiater die Republik in Atem gehalten und war in Sachsen durch einen Zufall aufgeflogen.

Von Andreas Tappert/RND/dpa

29.04.2021
Fahndungsaufruf nach Blitzeinbruch - Polizei auf der Spur der Millionenbeute
29.04.2021
Leipziger Impfexperte Borte gibt Auskunft - Für wen ist Astrazeneca geeignet – und für wen nicht?
30.04.2021