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Lokales Warum Leipzig keine City-Maut einführen will
Leipzig Lokales Warum Leipzig keine City-Maut einführen will
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19:02 06.05.2019
Mit der Anzahl der Einwohner steigt auch die Verkehrsbelastung in Leipzig. Braucht es eine City-Maut? Quelle: André Kempner
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Leipzig

Der Deutsche Städtetag hat sich Ende April für eine City-Maut in großen Städten nach Londoner Vorbild ausgesprochen – und damit für heftige Diskussionen gesorgt. Angesichts von Lärm, Luftverschmutzung und Staus wurde vorgeschlagen, eine Gebühr für das Autofahren in Städten einzuführen. Die Kommunen müssten jedoch selbst diskutieren und entscheiden, welche Instrumente zur Verkehrslenkung eingesetzt werden könnten.

Ist eine City-Maut auch für Leipzig eine Option? Derzeit nicht, wie aus einer Antwort des Rathauses auf eine Anfrage von LVZ.de hervorgeht. „Es gibt momentan keine Bestrebungen, in Leipzig eine City-Maut einzuführen“, erklärte Stadtsprecher Matthias Hasberg. Auch für einen Testbetrieb, wie ihn der Städtetag vorgeschlagen hatte, sieht die Stadt keinen Bedarf.

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„Grundsätzlich sinnvoll“, aber nicht für Leipzig

Zwar hält die Leipziger Verwaltung den Vorstoß des Deutschen Städtetages „grundsätzlich für sinnvoll“ – für Millionenstädte wie Berlin, Hamburg und München sowie in den von vielen Einpendlern betroffenen Großstädten Frankfurt und Stuttgart könne dieses Modell durchaus interessant sein. Für Leipzig mit seinen derzeit rund 600.000 Einwohnern sei dies jedoch nicht geeignet, denn: „Ob die Einführung einer City-Maut die gewünschten Wirkungen erzielt, hängt maßgeblich von der jeweiligen Siedlungsstruktur und den verkehrlichen sowie wirtschaftlichen Verflechtungen des betroffenen Gebietes und der Region ab“, so Hasberg.

Um Autofahrer zum Umstieg auf S-Bahn, Straßenbahn, Bus oder Rad zu bewegen, setzt Leipzig auf den Ausbau und mehr Attraktivität von umweltfreundlichen Verkehrsmitteln. Die Stadt hatte dazu im vergangenen Jahr sechs Konzepte entwickeln lassen, der Stadtrat entschied sich im September schließlich für das Nachhaltigkeitsszenario.

Auch intelligente Steuerungssysteme sollen zum Einsatz kommen, um die Verkehrsbelastung möglichst nicht zu vergrößern. Dazu zählen auch die Förderung von Carsharing-Angeboten und der Ausbau der Park-and-Ride- sowie Bike-and-Ride-Anlagen, so die Stadt.

So funktioniert die Londoner City-Maut

Seit 2003 wird in London auf einer Fläche von 22 Quadratkilometern eine Maut für Pkw-Fahrer erhoben. Wer werktags zwischen 7 und 18 Uhr in die Innenstadt will, musste zu Beginn fünf Pfund (5,85 Euro) zahlen. Seit 2014 fallen 11,50 Pfund (13,45 Euro) an. Sämtliche Einnahmen der Maut müssen in Verbesserungen des Londoner Nahverkehrssystem investiert werden.

Die Leipziger Stadtverwaltung ist nicht die einzige, die der Idee einer City-Maut kritisch gegenüber steht. Eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab, dass dies weder in Frankfurt noch in Dortmund zur Debatte steht. In der Hamburger Stadtpolitik spiele die Idee derzeit ebenfalls keine Rolle. Und in Berlin sprach sich der ADAC deutlich gegen eine City-Maut aus. Nicht zuletzt ist auch die Mehrheit der Autofahrer gegen die Einführung einer City-Maut: In einer Umfrage des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) mit 2095 Teilnehmern sprachen sich 53 Prozent dagegen aus.

Von Christian Neffe

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