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Lokales Warum ein Leipziger Verleger die Geschichte der Buchstadt neu schreibt
Leipzig Lokales Warum ein Leipziger Verleger die Geschichte der Buchstadt neu schreibt
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11:49 18.11.2019
Verleger Mark Lehmstedt will ein sechsbändiges Lexikon zur Buchgeschichte Leipzigs ab 1420 vorlegen. Quelle: André Kempner
Leipzig

Es ist eine gigantische Fleißarbeit: Mark Lehmstedt hat Datenbanken, Bürger- und Leichenbücher im Stadtarchiv sowie Tauf- und Traubücher im Kirchenarchiv durchforstet. Gefahndet hat er darin beispielsweise akribisch nach Antiquaren (auch Büchertrödlern), Buchbindern und -druckern, Buchmalern (auch Illuminatoren), Kunsthändlern und Kupferdruckern, Holzschneidern, Notenstechern, Schriftgießern und vielen anderen Berufen rund ums Buchwesen. Dabei hat er wohl um eine Million Einträge angeschaut. Seine Idee: Wer in jenen Registern nicht erfasst ist, kann in Leipzig keine bedeutende Rolle gespielt haben. Alle recherchierten Fakten will der promovierte Germanist bis 2025 in einem sechsbändigen Lexikon verarbeiten. Sogar mit Quellenangabe, damit spätere Forscher wissen, woher die Information stammen und sie möglicherweise korrigieren können. Ziel ist es auch, den Forschungsstand in einer Datenbank öffentlich zugänglich zu machen. Es ist wohl nicht vermessen: Das wird die neue Grundlage für Leipzigs Buchgeschichte. Lehmstedt will Lücken aufzeigen, aber auch Ideen, wo es sich lohnt, weiter in die Tiefe zu graben.

Forschungsstand hat viele Lücken

„Mein besonderer Fokus lag immer auf Leipzig als Ort der Buchgeschichte“, erklärt Lehmstedt, der seit 2003 einen eigenen Verlag betreibt. Leipzig habe seit Ausgang des Mittelalters eine wichtige Rolle bei der Verbreitung des Buchwesens gespielt – vergleichbar eigentlich nur mit Metropolen wie London und Paris. Das ist schon allein durch die Leipziger Messe begründet. „Doch der Forschungsstand ist einfach unbefriedigend, es fehlen die einfachsten Grundlagen“, sagt der Historiker.

Dabei hat Lehmstedt sich das Jahr 1825 als Grenze seiner Forschungen gesetzt, weil dann in Leipzig der Börsenverein des Deutschen Buchhandels gegründet worden war. Ein Jahr später hat dann die industrielle Revolution im Buchgewerbe Leipzigs begonnen. Da gebe es einige Fakten – oft durch die Selbstdarstellungen von Firmen aus dem Gewerbe aufbewahrt. Wer sich darum nicht bemühte, von dem existiert im Grunde genommen nichts oder nicht viel. „Mir geht es vor allem um die Frühgeschichte“, so Lehmstedt. Band eins, der die Jahre 1420 bis 1539 erfasst, ist soeben erschienen. 1539 wurde in Leipzig die Reformation eingeführt.

Leipzig ist von Anfang an wichtige Buchstadt

Dabei hat er Sensationelles zu Tage gefördert. Das kommerzielle Leipziger Buchgewerbe beginnt im Jahre 1420. In diesem Jahr ist der erste Buchbinder nachgewiesen – das Handwerk kann damit im nächsten Jahr 600. Berufsjubiläum feiern.

Wichtiger Beweis durch den Pfau mit dem aufgeschlagenen Rad: Die Berliner Gutenberg-Bibel, Mainz um 1455, wurde in Leipzig illuminiert. Quelle: Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz, Berlin

„1454 ist im Mainz die Gutenberg-Bibel als das erste gedruckte Buch abgeschlossen worden“, erklärt der Historiker. 180 Exemplare gab es, so schätzt man. Etwa 70, einschließlich der Fragmente, existieren noch. Dabei wurden die Bücher schwarz gedruckt – die Illumination erfolgte dann je nach Wunsch und Geldbeutel des Käufers. „Mindestens drei Exemplare der Gutenberg-Bibel sind in Leipzig illuminiert worden,“ so Lehmstedt. Darunter die schönste Gutenberg-Bibel, die sich heute im Besitz der Preußischen Staatsbibliothek in Berlin befindet. Sie ist von einer Pfauenwerkstatt illuminiert worden. Wie der Leipziger Künstler hieß, der immer an charakteristischer Stelle einen Pfau hinterließ, ist allerdings nicht überliefert. Doch was zeigt das? „Leipzig ist von Anfang an der wichtigste Vertriebsort für gedruckte Bücher in einem Großteil Europas.“ Weil der Handelsplatz so enorm wichtig war, hätten sich eben die Buchmaler und andere Gewerke hier angesiedelt. Damit ist Leipzig direkt mit der Werkstatt Gutenbergs verbunden. „Ob Gutenberg jemals in Leipzig war, ist nicht überliefert. Vertreter seiner Werkstatt aber auf jeden Fall.“

Fleißarbeit aus Spaß und Enthusiasmus

Geld verdienen kann Verleger Lehmstedt mit seinem geplanten sechsbändigem Lexikon nicht. „Es ist ein Projekt, das einen leicht in den Wahnsinn treiben kann“, sagt er verschmitzt. „Aber es ist mein Hobby, ich mache das seit Jahren aus Spaß und Enthusiasmus nebenbei.“ Sein erster Band „Buchstadt Leipzig. Biografisches Lexikon des Leipziger Buchgewerbes 1420-1539“ ist in einer Auflage von 500 Exemplaren erschienen. Es richtet sich an Spezialisten und Bibliotheken. Es kostet im Handel 78 Euro.

Von Mathias Orbeck

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