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Lokales Was ist eigentlich Luxus? – Neue Schau im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig
Leipzig Lokales Was ist eigentlich Luxus? – Neue Schau im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig
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17:56 10.09.2019
Der von Studenten in den 1950er-Jahren nachgebaute „DDR-Porsche“ ist in der Ausstellung „Purer Luxus " im Zeitgeschichtlichen Forum zu sehen. Direktor Jürgen Reiche ist stolz, das Auto von einem Wiener Sammler als Leihgabe bekommen zu haben. Quelle: André Kempner
Leipzig

„Mein Haus, mein Auto, mein Boot“ – diesen Werbeslogan hat einst die Sparkasse erfunden, um Menschen zu ermuntern, sich durch Sparen einen bestimmten Wohlstand leisten zu können. Doch was ist eigentlich Luxus?

In der Nachkriegszeit konnte das bereits ein Stück Butter sein. Viele Menschen träumen von einer Kreuzfahrt oder einer Yacht als Statussymbol. Für andere viel erstrebenswerter: „Einfach mal Zeit haben“ oder ein Tag ohne Stress. Was Luxus ausmacht, kann individuell sehr verschieden sein, lässt aber immer Rückschlüsse auf die jeweilige Gesellschaft zu.

In der neuen Sonderschau „Purer Luxus“ beleuchtet das Zeitgeschichtliche Forum (Grimmaische Straße 6), welches Verständnis von Luxus die Menschen seit 1945 entwickelt haben. Und das hat in der DDR und in der Bundesrepublik völlig unterschiedlich funktioniert. Während im Westen in den 1980er-Jahren unter den Jugendlichen beispielsweise der Markenwahn ausbrach, schrieb ein DDR-Bürger 1988 einen wütenden Brief an das Fernsprechamt Berlin. Darin beschwerte er sich, dass er seit elf Jahren vergeblich auf einen Telefonanschluss wartet.

Der Mantel der Diva

„Wir haben Objekte gesucht, die eine Geschichte erzählen“, erklärt Projektleiterin Iris Benner. „Wie unter einem Brennglas wird dabei die Konsum- und Sozialgeschichte gespiegelt.“ Ein Hingucker ist sicherlich der legendäre Schwanenfedermantel, den Diva Marlene Dietrich bei ihren Shows trug. Der Mantel, für den mehr als 300 Schwäne ihre Federn lassen mussten, wird unerreichbar wie in einem goldenen Käfig präsentiert. Um ihn herum sind sieben Themenbereiche platziert. Mehr als 400 Objekte, Dokumente, Fotografien sowie interaktive Elemente und audiovisuelle Medien bieten interessante Einblicke in das Phänomen Luxus.

Das Zeitgeschichtliche Forum in Leipzig geht in seiner neuen Ausstellung der Frage nach, was für die Menschen in Deutschland seit 1945 Luxus war oder ist.

Luxus ist überall, der Begriff wird auch inflationär genutzt“, sagt Direktor Jürgen Reiche. Es gehe bei der Schau aber keineswegs nur um Dekadenz und Protzigkeit. Der Wohlstand produziere viele Gegensätze zwischen Reichtum und Mangel, Überfluss und Verzicht, Faszination und Skandal. Selbst Armut gehöre dazu. „Für jemanden, der auf der Straße schläft und Pfandflaschen sammelt, können ein paar wasserdichte Schuhe Luxus sein.“ Eine Fahrradskulptur des Künstlers Andreas Slominski symbolisiert das.

Das Auto in Handarbeit

Gleich daneben ist ein besonderes Gefährt zu sehen: Den Luxusschlitten haben die beiden Dresdner Studenten Knut und Falk Reimann in jahrelanger Handarbeit in den 1950er-Jahren selbst hergestellt – sie verwirklichten sich mit Hilfe der Karosseriebauerwerkstatt Lindner den Traum von einem Porsche 356. Das Auto sei lange vergessen gewesen, erzählt Benner, bis ein junger Wiener Teile davon verrostet und verrottet auf einer Messe 2011 gekauft und die Geschichte recherchiert habe.

Die Brüder Reimann wurden übrigens 1961, kurz nach dem Bau der Berliner Mauer, wegen Republikflucht verhaftet. Als sie im Dezember 1962 freikamen, war ihr „Porscheli“ längst zerlegt und verkauft worden, um Geld für den Prozess zu bekommen. Die Geschichte ist übrigens im Museumsmagazin zur Schau nachzulesen (4,90 Euro an der Kasse).

Der bewusste Verzicht

Das Auto steht auch dafür, dass Luxus in der DDR eine ganz andere Bedeutung bekam. „Alle sind gleich“ – dieser verkündete Anspruch funktionierte in der Mangelwirtschaft offensichtlich nicht. Durch die Abschottung der DDR blieben viele Träume unerfüllt, für die Bevölkerung wurden viele Alltagsprodukte zum Luxus. Während die SED-Führung sich in der Regierungssiedlung Wandlitz manchen Westluxus gönnte. Mit Hilfe von D-Mark und Forumschecks entstand letztlich eine „Zwei-Klassen-Gesellschaft.

Die Schau stellt viele Fragen, kann und will aber keine eindeutigen oder gar einfachen Antworten geben. „Wir wollen die Besucher anregen, die eigene Einstellung zum Luxus zu überprüfen“, erklärt Reiche. Motto: Verzichten kann man nur im Wohlstand. Frage: Was ist zu viel Luxus? „Im SUV zum Biomarkt“, hat irgendjemand geschrieben. Die Schau spart auch Lebensentwürfe von Menschen, die bewusst auf Luxus und Konsum verzichten, nicht aus.

Die Ausstellung ist bis zum 13. April 2020 jeweils dienstags bis freitags von 9 bis 18 Uhr, am Wochenende 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Von Mathias Orbeck

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