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Lokales Weihnachtsfrieden in Knautkleeberg
Leipzig Lokales Weihnachtsfrieden in Knautkleeberg
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12:01 21.12.2018
In die Emil-Teich-Siedlung ist wieder Ruhe eingezogen.
In die Emil-Teich-Siedlung ist wieder Ruhe eingezogen. Quelle: Dirk Knofe - Picturework.eu
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Leipzig

Für die 260 Hauseigentümer der Knautkleeberger Emil-Teich-Siedlung ist vor wenigen Tagen eine lange Odyssee zu Ende gegangen: Vor zehn Jahren hatten sie damit begonnen, sich gegen den geforderten Bau biologischer Kleinkläranlagen zu wehren und stattdessen einen Anschluss ihrer Grundstücke an die städtische Kanalisation gefordert (die LVZ berichtete). Inzwischen sind nicht nur ihre Grundstücke ans Kanalnetz angeschlossen, sondern ist auch ein langer Streit mit den Wasserwerken über die Anschlusskosten zu Ende gegangen. Das Engagement hat sich für die Knautkleeberger gelohnt: Im Schnitt zahlt jetzt jeder Grundstücksbesitzer rund 45 Prozent weniger für seinen Anschluss ans Kanalnetz der Stadt als ursprünglich avisiert.

Siedler überzeugen Stadtratsfraktionen

In den Schoß gefallen ist dieser Erfolg den Siedlern nicht. Denn sie mussten im Rathaus eine Änderung des Leipziger Abwasserbeseitigungskonzepts durchsetzen, um den Wassermonopolisten zu einem Umsteuern zu bewegen. In dem Ursprungskonzept war vorgeschrieben, dass in der Teichsiedlung biologische Kleinkäranlagen errichtet werden müssen.

Die Hauseigentümer mobilisierten deshalb die Ratsfraktionen und erreichten nach monatelangem Ringen, dass diese der Änderung unter Auflagen zustimmten, erzählt Roland Höhne aus der Nimrodstraße. Die Forderungen: In der Knautkleeberger Siedlung musste unter notarieller Kontrolle eine Abstimmung über eine Änderung des Konzepts durchgeführt werden, und eine Mehrheit der Bewohner musste dabei für einen Anschluss ans Abwassernetz votieren. Außerdem mussten sie sich verpflichten, rund 70 Prozent der dafür notwendigen Baukosten selber zu schultern. Die Siedler nahmen diese Hürden, und die Bauarbeiten konnten beginnen.

Feilschen um jeden Cent

Noch in der Bauzeit machten die Knautkleeberger den Wasserwerken allerdings klar, dass sie nicht jeden Preis akzeptieren, den das stadteigene Unternehmen für die Anschlussarbeiten aufruft. Deshalb pochten sie auf Einblick in die Ausschreibungsunterlagen und ließen auch nicht locker, bis ihnen alle Rechnungen vorlegt wurden – um anschließend wie die Kesselflicker um jeden Cent zu feilschen, so Frank Börner aus dem Rehpfad.

Inzwischen liegen die neuen Zahlen auf dem Tisch. „Ende November hat jeder Grundstückseigentümer seine Kostenberechnung erhalten“, skizziert Mario Hoff von den Wasserwerken die Lage. Statt des ursprünglich avisierten Baukostenzuschusses von 470 Euro je Grundstücksmeter an der Straße werden jetzt nur 253,88 Euro fällig; auch die Hausanschlusskosten sind von den kalkulieren 540 Euro auf 257,65 Euro je Meter gesunken. „Für ein durchschnittliches Grundstück mit 23 Metern Straßenfront betragen die Baukosten 5840 Euro“, rechnet Bereichsleiter Hoff vor. „Hinzu kommen im Schnitt noch 1288 Euro für einen Fünf-Meter-Hausanschluss. Das summiert sich insgesamt auf reichlich 7000 Euro und entspricht in etwa den Kosten, die beim Bau einer biologischen Kleinkläranlage entstanden wären.“

Entgegenkommen bei den Wasserwerken

Doch für eine Kleinkläranlage müssten die Eigenheimbesitzer zusätzlich noch Betriebskosten von jährlich rund 250 Euro schultern. Und der Verschleiß einer solchen Anlage wäre deutlich höher als im Kanal. „Natürlich ist ein Anschluss an die Kanalisation auch noch deutlich bequemer“, räumt Hoff ein. Die Siedler müssten sich jetzt praktisch über Jahrzehnte nicht mehr um ihre Anlage für die Abwasserentsorgung kümmern.

Die Wasserwerke sind den Knautkleebergern auch noch in anderen wichtigen Bereichen entgegengekommen: Siedler, die sich vor dem Anschluss ans Kanalnetz bereits eine Kleinkläranlage zugelegt hatten, dürfen diese jetzt weiter betreiben. Weil sie nicht ans neue Kanalnetz angeschlossen werden, bekommen sie auch keine Rechnung für die umfangreichen Bauarbeiten. „Einige haben sich aber trotzdem einen Abwasseranschluss auf ihr Grundstück legen lassen“, berichtet Hoff. „Sie zahlen jetzt aber nur diese Hausanschlusskosten.“ Ein kleiner Teil der Grundstücke sei auch noch gar nicht zeitgemäß erschlossen – besitze also weder Kleinkläranlage noch einen Kanalanschluss. Ihre Besitzer müssen künftig aber damit rechnen, dass die Stadt auf den rechtlich bestehenden Anschluss- und Benutzungszwang pocht und diese Flächen an die jetzt vorhandene Kanalisation angeschlossen werden müssen.

Schützenhilfe vom Verband Wohneigentum Sachsen

Bestanden haben die Siedler ihren zehnjährigen Kampf um eine optimale Abwasserentsorgung nur, weil sie sich organisierten und kompetente Hilfe gesucht haben. So gibt es jetzt die „Siedlergemeinschaft Emil-Teich-Siedlung e.V.“ , die eng mit dem Schützenhilfe leistenden Verband Wohneigentum Sachsen zusammenarbeitet. Nur dadurch ist es gelungen, sich Gehör zu verschaffen und Einfluss zu nehmen, sagt der Vorsitzende Ulf Bierbaum .

Der Vereinsvorstand hat auch die jetzt drastisch reduzierte Kostenrechnung akribisch unter die Lupe genommen und Dinge entdeckt, mit denen man unzufrieden ist. Gerd Eule aus dem Hasenpfad beklagt unter anderem, dass die Wasserwerke die Abrechnungsunterlagen für sämtliche Arbeiten nur an zwei Tagen für jeweils vier Stunden in der Siedlung ausgelegt haben und dabei das Fotografieren oder kopieren von Unterlagen untersagt wurde. „Wir müssen auf die Rechte unserer Baufirmen Rücksicht nehmen“, begründet dies Hoff. „Es ist nicht zulässig, dass wir komplette Leistungsverzeichnisse Dritten geben. Auf einigen Unterlagen stehen außerdem Firmendaten.“

Kritik an der Bauüberwachung

Kritik gibt es auch am Baumanagement der Wasserwerke. Die dafür zuständigen Mitarbeiter seien häufig nicht vor Ort gewesen und hätten ein halbes Jahr Bauverzug zu verantworten, monieren die Siedler. Deshalb seien die dafür geltend gemachten Kosten von weit über 100 000 Euro viel zu hoch.

Auch dies sieht Hoff anders. „Wir hatten sogar ein zweistufiges Bauaufsichtsverfahren“, betont er. „Eine örtliche Bauüberwachung und zusätzlich ein Ingenieurbüro für die fachliche Bauaufsicht.“ Alles sei sorgfältig kontrolliert und überwacht worden. „Unser Unternehmen trägt 30 Prozent der Gesamtkosten“, so der Bereichsleiter. „Deshalb haben auch wir ein Interesse, sie so gering wie möglich zu halten.“

Trotz solcher „Unklarheiten“ haben die Siedler dem Unternehmen inzwischen signalisiert, dass sie mit dem Gesamtergebnis leben können. „Die Wasserwerke habe die Arbeiten ordentlich ausgeschrieben und so zahlreiche Kostenreduzierungen möglich gemacht“, lobt Vereinsvorsitzender Bierbaum. Auch Nachforderungen von Unternehmen seien abgewehrt worden. Und außerdem sei genug gestritten worden. In der Teichsiedlung ist Weihnachtsfrieden eingekehrt.

Von Andreas Tappert