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Lokales Weltoffene Kitas in Sachsen und Thüringen
Leipzig Lokales Weltoffene Kitas in Sachsen und Thüringen
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11:02 07.03.2018
Eine Vorbereitungsklasse in Heidenau macht Flüchtlingskinder fit für die Schule.
Eine Vorbereitungsklasse in Heidenau macht Flüchtlingskinder fit für die Schule. Quelle: dpa
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Leipzig

Kindertagesstätten in Sachsen und Thüringen sind nach eigener Auffassung gut vorbereitet auf zunehmende gesellschaftliche Vielfalt und auf die Integration von Flüchtlingskindern. Diese werden nicht als Bedrohung, sondern als eine kulturelle Bereicherung empfunden. Das ist das Ergebnis eines Forschungsberichtes des Deutschen Kinderhilfswerks, der heute in Berlin veröffentlicht wird und der Leipziger Volkszeitung vorliegt.

Wissenschaftler der Hochschule Rosenheim befragten Leitungen und Erzieher von Kitas in beiden Bundesländern danach, wie sich Zuwanderung, demografische Veränderungen und familiärer Wandel in den ersten und wichtigsten Bildungs- und Sozialisationsinstanzen vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Bewegungen wie dem neu erstarkenden Rechtspopulismus auswirken.

„Von einem erstarkten Rechtspopulismus haben wir in den Kitas nichts gespürt“, sagt Professorin Sabina Schutter. „Sie sind unheimlich offen gewesen – auch was die Aufnahme von Kindern aus Flüchtlingsfamilien oder aus gleichgeschlechtlichen Beziehungen anbelangt.“ So empfanden es 93 Prozent der Befragten als Bereicherung, Kinder mit Fluchterfahrung pädagogisch zu unterstützen. Neun von zehn Befragten gaben an, dass Kinder mit Fluchterfahrung und deutsche Kinder ohne Schwierigkeiten Freundschaften schließen. Dass zu viele dieser Kinder in ihrer Einrichtung seien, bemängelten nicht einmal neun Prozent.

Gleichzeitig sagten 83 Prozent, dass es ihnen wichtig sei, ausländischen Kindern deutsche Werte, Brauchtum und Tradition zu vermitteln. „Diese Werte haben uns überrascht“, sagt Schutter, „da derzeit Heimatverbundenheit auch ein großes politisches Thema ist.“ So werde die Einrichtung eines Heimatministeriums ja unter anderem damit begründet, dass den Menschen Heimatgefühl fehle. Schutter: „Den Eindruck hatten wir aber nicht.“

Auch der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerks, Holger Hofmann, sagt: „Uns hat erstaunt, dass es aus Sicht der Erzieherinnen ein hohes Bewusstsein beim Thema Vielfalt und Inklusion gibt.“ Das Gleiche könne von den Eltern gesagt werden. „Wir konnten dabei aber auch sehen, dass es stark vom sozialen Gebiet abhängig ist, in dem sich die Kita befindet.“

Ein ernsthaftes Problem seien dagegen Unsicherheiten beim Umgang mit Eltern, die offenkundig rechtsextreme Ansichten vertreten und Freundschaften ihrer Kinder mit ausländischen Altersgenossen ablehnen. Hofmann warnt: „Da darf man die Kitas nicht allein lassen.“ Sie brauchten Unterstützung und Fortbildung. Schon in der Ausbildung müsse vermittelt werden, wie man mit solch schwierigen Situationen umgehen und im Team Lösungen erarbeiten kann. „Solche Dinge zwischen Tür und Angel zu regeln, ist auf Dauer nicht hilfreich“, so Hofmann.

Auch erschweren der eng bemessene Personalschlüssel und die Probleme bei der Gewinnung von Fachkräftenachwuchs die Umsetzung pädagogischer Aktivitäten wie beispielsweise eine intensivere Zusammenarbeit mit den Eltern, individuelle Angebote für Kinder und die Teamentwicklung in der Kita.

Befragt wurden von Januar bis September 2017 insgesamt 94 Kitas in Groß- und Kleinstädten sowie in ländlichen Regionen.

Von Roland Herold