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Lokales 80 Prozent weniger Immobilien in Leipzig unter dem Hammer
Leipzig Lokales 80 Prozent weniger Immobilien in Leipzig unter dem Hammer
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09:04 18.02.2019
Das Leipziger Amtsgericht ist für Zwangsversteigerungen von Objekten aus Leipzig und den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen zuständig. Quelle: Andreas Döring
Leipzig

Rekordtief beim zwangsweisen Verkauf von Eigentumswohnungen, Häusern und Co.: Binnen eines Jahrzehnts ging die Anzahl von Anträgen auf Zwangsversteigerungen am Amtsgericht Leipzig (AGL) um rund 80 Prozent zurück. Sie sank sukzessive von 2423 Anträgen (2008) auf 451 (2018).

Hintergrund dafür ist laut Mathias Winderlich die zuletzt gute wirtschaftliche Lage, sodass Kreditnehmer „den Schuldendienst auch begleichen“ könnten, meint der zuständige Abteilungsleiter am AGL, das für zu versteigernde Objekte aus Leipzig und den Landkreisen Nordsachsen und Leipzig zuständig ist. Wobei dabei die „aktuell niedrigen Zinsen“ eine entscheidende Rolle spielen dürften, fügt Rechtspfleger Ronald Naumann, Gruppenleiter am AGL, hinzu.

Hohe Nachfrage, hohe Preise

Außerdem könnten Schuldner aufgrund der hohen Immobilien-Nachfrage gerade in einem Ballungszentrum wie Leipzig weitaus günstigere Erlöse erzielen, wenn sie die Immobilien beziehungsweise Grundstücke selbst auf dem freien Markt veräußerten statt die Justiz in Anspruch zu nehmen, meint Winderlich.

Aufgrund der hohen Nachfrage sind die Preise massiv gestiegen. Lag der Verkehrswert bei sanierten Eigentumswohnungen in Leipzig vor zehn Jahren noch bei 855 Euro je Quadratmeter, so betrug er voriges Jahr bereits 1212 Euro. Nach Angaben des Amtsgerichtes konnten bei Zwangsversteigerungen vor zehn Jahren allerdings nur gut 65 Prozent Erlös erzielt werden (560 Euro je Quadratmeter). 2018 waren es hingegen etwa 117 Prozent. Das entspricht mehr als 1400 Euro je Quadratmeter. Und Prognosen zufolge werden die Preise weiter anziehen. So stieg nach Gerichtsangaben eine nicht sanierte Immobilie im Neuseenland binnen fünf Jahren im Wert massiv an – von 250 000 auf 600 000 Euro. Nach dem Euro-Crash vor einem Jahrzehnt galten Immobilien überhaupt, das sogenannte Betongold, als krisensichere Geldanlage.

„Bietergefechte“ bei Terminen

So wurden auch die Versteigerungstermine im Lauf der Jahre immer besser besucht, weiß Rechtspfleger Naumann, der nunmehr von einem regelrechten „Bietergefecht“ spricht. Inzwischen sei es sogar üblich, das Einstiegsgebot erst gar nicht unter 100 Prozent des Verkehrswertes anzusetzen.

Obwohl es weniger Verfahren gibt, ist das Interesse an den im Internet einsehbaren Daten 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 44 Prozent angestiegen, so Winderlich. Wie berichtet, sind die Verkehrswertgutachten über die Lage und den Zustand einer Immobilie, die zwangsversteigert werden soll, seit ein paar Jahren online einsehbar.

Schließlich fanden 2018 in 71,4 Prozent der Fälle die Objekte gleich beim ersten Bietertermin am Gericht einen Käufer; 2008 war das nur in knapp 50 Prozent der Fälle so. Insgesamt kamen laut einem Rückblick des Amtsgerichts vor allem Eigentumswohnungen (58 Prozent) unter den Hammer, gefolgt von Mehrfamilienhäusern (17 Prozent) sowie Einfamilien- und Doppelhäusern (14 Prozent). In geringerem Maße handelte es sich um Gewerbe, Bauland und Landwirtschaft.

„Häufig noch Zivilklage“

Im Zehn-Jahres-Vergleich stellte sich zudem heraus: Waren zunächst fast ausschließlich nicht mehr zurückgezahlte Kredite der Auslöser für Zwangsversteigerungen (sogenannte Forderungsversteigerungen), so sind inzwischen zu immerhin 30 Prozent Immobilien-Streitigkeiten zwischen Erben oder Geschiedenen der Hintergrund. „Diese Teilungsversteigerungen sind ein großes Tätigkeitsfeld geworden“, sagt Naumann.

So hatten beispielsweise zerstrittene Erben ein größeres Objekt im Umland, dessen Verkehrswert 2014 bei 500 000 Euro lag, vom Gericht zwangsversteigern lassen wollen, den Antrag in der Hoffnung auf Einigung wieder zurückgenommen, 2016 aber erneut gestellt. Das laut Gutachten dann bereits eine Million Euro teure Objekt kam tatsächlich unter den Hammer. Danach konnten sich die Erben jedoch nicht über ihre Anteile am Erlös einigen.

„Wir versilbern das Ganze. Aber wir verteilen nicht anhand der Erbquote. Es gibt einen Verteilungstermin. Lässt eine Partei den Termin platzen, endet unser Verfahren“, so Naumann. Und das Geld lande – wie auch im konkreten Fall – bei der Hinterlegungsstelle des AGL. „Häufig kommt es dann zu einer Zivilklage“, weiß der Rechtspfleger.

Von Sabine Kreuz

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