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Lokales Werk 2: Graffiti-Künstler gestalten „Wall of Fame“ neu
Leipzig Lokales Werk 2: Graffiti-Künstler gestalten „Wall of Fame“ neu
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17:45 16.06.2019
Rund 100 Künstler haben im Werk 2 Graffiti-Kunst zur Schau gestellt. Quelle: Christian Modla
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Leipzig

Man riecht sie, bevor man sie sieht: die Graffiti-Farbe, mit der Sprayer kunstvolle Bilder und Schriftzüge an die Konzeptwände im Innenhof des „Werk 2“ sprühen. Die Fläche ist am Samstagmittag voller Menschen auf Leitern und Hubsteigern, die an den Graffiti arbeiten, auf Bierbänken sitzen oder die schon entstandenen Bilder begutachten. Musik vermischt sich mit dem Klackern von Spraydosen und der Stimme von Sascha Kittel, der per Mikro den Hauptprogrammpunkt des zweitägigen Events ankündigt: das Style-Battle, bei dem 40 Künstler gegeneinander antreten.

Darstellungen rund um das Thema „New York City“ sind am Wochenende im Werk 2 entstanden. Rund 100 Künstler machten mit.

Graffiti verbindet die Menschen“

Kittel ist Leiter der Koordinierungsstelle Graffiti, die beim Graffiti-Verein angesiedelt ist. Dieser veranstaltet das Event „BetterRun Summerjam“ zusammen mit dem Grafitti-Shop BetterRun. Fast 100 Graffiti-Künstler aus verschiedenen Bundesländern sind hier versammelt, wie Kittel berichtet. „Graffiti verbindet die Menschen eben“, sagt der Leipziger. Er moderiert das Style-Battle, bei dem die Teilnehmer in verschiedenen Kategorien punkten müssen: In begrenzter Zeit sollen Schriftzüge und Konturen, die in der Szene als Tags und Outliner bezeichnet werden, sowie Bilder gesprüht werden.

„Wall of Fame“ bekommt neues Gesicht

Neben dem Wettbewerb gibt es die Möglichkeit, an der „Wall of Fame“ entlang der Außenwände des Werk 2 frei zu arbeiten. Die einzige Vorgabe ist der Bezug zum Thema der beiden Tage: New York City. „Das Mekka aller Sprayer“, wie Marcel Jürgens sagt, Inhaber von BetterRun. Er erklärt, dass in der Weltstadt an der Ostküste Amerikas die Wurzeln des Graffiti liegen. Und so entsteht an den Konzeptwänden beispielsweise eine Freiheitsstatue mit grünem Pünktchenkleid und Brille oder die New Yorker U-Bahn-Karte vor den Silhouetten der Stadt. An letzterem Werk arbeitet eine Künstlergruppe namens „Mad Flava“. „Hier trifft man sich und kann sich austauschen“, sagt ein Mitglied der Gruppe mit dem Künstlernamen Nuke. Die Stimmung sei entspannt und familiär, was ihm gefalle.

Kunst für alle sozialen Schichten und Altersgruppen

Ganz ähnlich sieht das Oliver Mann, der als Besucher zum „Summerjam“ gekommen ist. Auf die Frage, warum er hier ist, antwortet der 19-jährige Leipziger: „Leidenschaft“. Er selbst sprüht in seiner Freizeit Graffiti und beobachtet nun gespannt den Verlauf des Style Battles. Am zweiten Tag des Events können Kinder in einem Workshop Poster besprühen. Die Veranstalter wollen zeigen, dass Graffiti eine Kunst für alle sozialen Schichten und Altersgruppen ist: „Vom Geschäftsmann bis zum Schüler ist jeder dabei“, sagt Marcel Jürgen. Er wünscht sich, dass die Öffentlichkeit durch Events wie das „BetterRun Summerjam“ der Graffitikunst offener gegenübersteht: „Graffiti hat so viele Facetten und es ist schade, wenn man davon nur eine sieht.“

Von Julia Horn