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Lokales „Westbesuch“ lockt mehrere Hundert Besucher an den Plagwitzer Bürgerbahnhof
Leipzig Lokales „Westbesuch“ lockt mehrere Hundert Besucher an den Plagwitzer Bürgerbahnhof
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15:05 28.04.2019
Buntes Treiben bei herrlichem Frühlingswetter: Der „Westbesuch“ am Plagwitzer Bürgerbahnhof bleibt ein Publikumsmagnet. Quelle: Fotos (3): Christian Modla
Leipzig

So ein Glasbiotop ist eine faszinierende Sache: In ein Bügel- oder Schraubglas werden Pflanzen in Erde gedrückt. Hinzugefügtes Wasser wird aufgenommen, kondensiert an der Innenseite und tropft zurück auf den Boden. Ein bestens funktionierendes Ökosystem ohne Zutun von außen, zu bewundern und zu kaufen an einem der vielen Stände beim ersten „Westbesuch“ des Jahres. Und auch wenn hier die Durchlässigkeit gegeben ist – das Biotop kann als Sinnbild für dieses Stadtteilfest stehen, das sich Samstag am Bürgerbahnhof Plagwitz ausbreitete. Ein in sich stimmiger, unaufgeregter Mikrokosmos mit großer Anziehungskraft.

120 Stände, null Autoverkehr

Rund 120 Anlaufpunkte bietet diesmal der „Westbesuch“, dem 2019 zwei weitere im Juli und Oktober folgen sollen und der stets auch Beispiele für nachhaltiges und umweltbewussteres Handeln vorlebt. Hersteller von Produkten aus fairem Handel präsentieren sich, ein Zusammenschluss selbstständig organisierter Handwerks- und Kulturbetriebe (Betonkiste), der Jugendkulturverein Urban Souls. Und natürlich zieht sich eine lange Zeile aus Trödelständen durch das abgelegene und somit verkehrsfreie Areal.

Präsenz von Parteien

Augenfällig ist diesmal die Zahl politischer Organisationen und Parteien – Grüne, SPD und Linke zeigen Präsenz. „Im Vorfeld der Europawahl finden wir es in Ordnung, dass auch hier auf die Bedeutung von Wahlbeteiligung und die Werte von Demokratie hingewiesen wird“, erklärt Christoph Schmitt, einer der ehrenamtlichen „Westbesuch“-Organisatoren. Theoretisch hätten alle Parteien die Möglichkeit bekommen, sich darzustellen. Dass das Interesse daran nicht bei jeder vorhanden ist, erklärt sich von selbst in diesem bunten Umfeld von Multikultur, Vielfalt und Unkonventionellem. An einem Stand gibt’s nicht nur Klamotten, sondern auch die Möglichkeit, sich gegen Spende die Haare schneiden zu lassen. Schräg gegenüber bietet eine Künstlerin Porträtzeichnungen an, ein paar Meter weiter macht das Projekt „Lieber lose“ auf sich aufmerksam – im August soll an der Ecke von Zschocherscher und Weißenfelser Straße ein neuer Unverpackt-Laden eröffnen (www.lieberlose.de).

Musik von Migraphon

Als Insel der Entspannung liegt das Freiluft-Café „Heiter bis Wolkig“ im Zentrum des Treibens – bei überraschend gutem, weitgehend sonnigen Wetter. Auf der kleinen Bühne wenige Meter entfernt spielt gerade die Band Migraphon, zusammengesetzt aus Deutschen und Zugewanderten, die mit marokkanischer Musik die Lässigkeit des Frühlingstages verstärken. Später spielen der irische Folkrocker Ian Cox und die Berliner Feline & Strange.

„Hier ist es entspannter“

Zu den vom Verein grob geschätzten 2000 bis 3000 Genießern des Projekts gehören keineswegs nur junge Gäste. „Wir gehen schon seit langem zum ,Westbesuch’“, sagt Jozsef Pesti, der es sich mit seiner Frau Renate auf einer gepolsterten Bank gemütlich gemacht hat. Die Mitte-60-Jährigen kommen aus Kleinzschocher und finden es „immer wieder spannend zu sehen, was junge Leute so alles auf die Beine stellen“, wie Renate Pesti bemerkt. Das Paar war schon zu Zeiten dabei, als das Fest noch auf der Karl-Heine-Straße gefeiert wurde. „Aber an diesem Ort gefällt es uns besser, es ist entspannter.“

Umzug zum Bürgerbahnhof

Der Umzug zum Bürgerbahnhof Plagwitz lag laut Christoph Schmitt „vor allem an der zunehmenden Kommerzialisierung der Veranstaltung durch die Lokale auf der Karl-Heine-Straße. Außerdem sorgten die Straßensperrungen für hohe Kosten und viel Aufwand.“ Seit gut drei Jahren nun hat der „Westbesuch“ mehr Freiheit, mehr Möglichkeit zur Entfaltung, weniger Hindernisse. Anwohner, Kulturschaffende, Initiativen und Vereine ziehen erfolgreich an einem Strang. Wie charmant und ungezwungen das sein kann, dafür stand wieder einmal das, was sich für sieben Stunden am Samstag abspielte. Faszinierende Sache, solch ein Biotop.

www.westbesuch.com

Von Mark Daniel

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