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Lokales Wie digital darf das Kinderzimmer sein?
Leipzig Lokales Wie digital darf das Kinderzimmer sein?
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13:29 02.10.2019
Kinder haben schon früh mit neuen Medien zu tun. Quelle: epd
Leipzig

Wie schaffen wir es, dass aus den Digital Natives keine Digital Zombies werden? Diese Frage von Moderatorin Karin Wollschläger ist nicht nur die Leitfrage des Abends in der Neuen Propsteikirche, sondern die einer ganzen Debatte. Denn es sind immer wieder erschreckende Erkenntnisse, die mit jedem Update der Leipziger Lifechild-Studie gewonnen werden. Wieland Kiess, Direktor der Uni-Kinderklinik, ist einer der beiden Leiter der Untersuchung, die die Entwicklung von rund 4300 Heranwachsenden begleitet – beginnend teilweise schon im Mutterleib, bis ins Jugendalter. Einige Ergebnisse sind bereits kommuniziert, zum Beispiel dieses: Wenn Kinder schon früh mit dem Smartphone daddeln, sind sie später deutlich schlechter in der Schule, vor allem in Mathe. Mit der verstärkten Mediennutzung hängt nach Einschätzung von Kiess auch diese Erkenntnis zusammen: Immer weniger Kinder treiben in ihrer Freizeit Sport, immer weniger erlernen ein Instrument. Und: Immer mehr bekommen echte Probleme, weil sie vom Internet abhängig sind. Sie brechen soziale Kontakte ab und ziehen sich zurück – sie werden zu Digital Zombies. Internetsucht sei eine schwere Krankheit, so Kiess.

Wieland Kiess: Immer weniger Kinder erlernen ein Instrument. Quelle: André Kempner

Digitalisierung ist von Geburt an ein Thema

Klar ist: Kinder haben heute von Geburt an mit Digitalisierung zu tun, konstatiert Eva Maria Welskop-Deffaa, Vorstandsmitglied im Deutschen Caritas-Verband. Die Caritas befasst sich in ihrer aktuellen Jahreskampagne mit der Digitalisierung – nach Themen wie Wohnungsnot oder Generationengerechtigkeit. Denn: Hier wie da gehe es um soziale Teilhabe und soziale Inklusion, sagt Welskop-Deffaa. Alle müssten die Chancen der Digitalisierung nutzen können, es müsse aber auch Schutz geben vor Gefahren und die Schulung im Umgang mit neuen Medien. Wichtig ist nicht unbedingt nur die Zeit, die mit Handy oder Tablet verbracht wird, sagt die Leipziger Medienpädagogin Kristin Narr. „Entscheidend ist: Was genau passiert da, wie alt ist das Kind, wann ist es überfordert?“

Kristin Narr: Es kommt darauf an, ab wann das Kind überfordert ist. Quelle: André Kempner
Eva Maria Welskop-Deffaa: Bei der Digitalisierung geht es auch um soziale Teilhabe. Quelle: André Kempner

Verbote sind sinnlos

Was also tun? Generelle Verbote sind weitgehend sinnlos, da sind sich alle einig. Aber: Regeln und Handy-freie Zonen sind nötig. In der Familie von Pädiatrie-Professor Kiess gab es schon immer ein Smartphone-Verbot während der gemeinsamen Abendbrotszeit. Und Eva Maria Welskop-Deffaa berichtet von einer Münchener Caritas-Kita, die den Eltern für die Übergabe-Zeiten der Kinder die Handynutzung untersagt: In diesen fünf bis zehn Minuten muss Raum bleiben für die ohnehin kurzen, aber wichtigen Gespräche. Offenbar gab es einen Anlass für dieses Verbot. Anlass für eine andere Schilderung sieht Mediziner Kiess: Wenn Vater oder Mutter dem Nachwuchs zur Beschäftigung ein Handy geben, um es nicht auf den Arm nehmen zu müssen, läuft etwas schief. Aus Sicht von Kristin Narr ist absolut entscheidend, dass Eltern ihren Kindern gegenüber die Nutzung von Smartphone und Tablet nicht in Bausch und Bogen ablehnen. Im Gegenteil: Väter und Mütter sollen sich offen zeigen, sich von ihren Kleinen erklären lassen, was sie da so im Netz treiben, was in ihrer WhatsApp-Gruppe los und welches Spiel an der Konsole gerade angesagt ist. Und zwar nicht einmal, als Feigenblatt, sondern immer wieder. „Natürlich ist das anstrengend“, konstatiert Narr. Aber nur auf diese Weise gibt es auch in der digitalen Welt ein offenes Klima zwischen Eltern und Kindern. So ein Klima ist die Voraussetzung für die reflektierende und (selbst-)kritische Auseinandersetzung mit digitalen Medien. Es hilft dem Kind, auf die Eltern zuzugehen, wenn es echte, konkrete Probleme in der digitalen Welt gibt. Und die nehmen ja eher zu. Also: Das Kinderzimmer ist längst digital – und das darf es auch sein. Nur braucht es Vorgaben und Grenzen.

Wieland Kiess, Eva Maria Welskop-Deffaa, Karin Wollschläger und Kristin Narr (v.l.) beim Podium in der Propsteikirche. Quelle: André Kempner

Von Björn Meine

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