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Lokales Trump erklärt sich zum Sieger: Das sagen US-Amerikaner aus Leipzig dazu
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„Wir haben die Wahl gewonnen“ behauptet Donald Trump. Das sagen US-Amerikaner aus Leipzig dazu.

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21:37 04.11.2020
Nicht nur in den USA, sondern auch in Leipzig fiebern Amerikaner dem Ergebnis der Präsidentenwahl entgegen. Quelle: dpa
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Leipzig

Nicht nur in den USA, sondern auch in Leipzig fiebern Amerikaner dem Ergebnis der Präsidentenwahl entgegen. „Eigentlich habe wir die Wahl schon gewonnen“, verkündete Donald Trump vor wenigen Stunden bei einer Rede im Weißen Haus in Washington DC.

Doch auch wenn er wichtige Swingstates wie Florida für sich gewinnen konnte, steht noch nicht fest, ob er oder sein Demokratischer Herausforderer Joe Biden die Wahl gewinnen wird. Trump ist jedes Mittel recht, wie er außerdem in seiner Rede erklärte: „Hier komm es gerade zum Betrug. Deshalb wollen wir jetzt an das oberste Gericht heran treten. Der Wahlprozess muss angehalten werden“.

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Leipziger Community ist empört

Die vorwiegend Demokratischen Amerikaner, die in Leipzig leben und mit der LVZ sprachen, sind empört. Das sagen sie zur Wahl und zu Trumps Plänen.

Cynthias Dyre Quelle: privat

„Wie er es so oft tut, erzählt Trump einfach nur Unsinn. Wir haben in der Geschichte unseres Landes noch nie aufgehört, rechtmäßig eingereichte Stimmzettel zu zählen, und das werden wir auch dieses Mal nicht tun. Er scheint zu glauben, dass er, wenn er so etwas laut ausspricht, es auch rechtlich durchsetzen kann. Es ist ärgerlich, aber man kann es nicht ernst nehmen. Wir müssen versuchen, ruhig zu bleiben und auf die Auszählung der Stimmzettel zu warten, die vielleicht noch nicht heute oder sogar morgen erst abgeschlossen sein wird“. Das sagt Cynthias Dyr e. Sie stammt aus New York und ist Dozentin an der Uni Leipzig und an der Theater Akademie Sachsen.

Wyatt Constantine, 30 Jahre, stammt aus Texas. Er ist Doktorand an der Uni Leipzig. Quelle: Shyiramunda Theophile

Republikaner haben Methoden, das Ergebnis zu verfälschen

Wyatt Constantine, 30 Jahre, stammt aus Texas. Er ist Doktorand an der Uni Leipzig und sagt: „Die Republikaner verstehen ganz gut, dass Sie gewinnen können, aber sie wissen, dass sie in den zwei wichtigste Bundesländern, Michigan und Pennsylvania, 2016 nur mit einem Prozent mehr Stimmen die Wahl gewonnen haben. Das bedeutet, wenn sie einen kleinen Teil der Stimmenauszählung in größeren Städten stoppen können, könnte dies zum Sieg führen. Das ist aber eine relativ alte Republikanisches Strategie – Wählerunterdrückung – aber sehr erschreckend.

Und wir sollten nicht vergessen, in 2000 hat der Amerikanische Oberste Gerichtshof bei der Präsidentschaftswahl den Nachzählungsprozess gestoppt und Bush die Präsidentschaft gegeben. Das könnte auf jeden Fall wieder passieren und mit sechs rechten Richtern und Richterinnen von heute, wissen wir schon, wie das Ergebnis wird. Ich bin nicht sicher, ob die USA noch vier Jahre republikanische Herrschaft überleben kann. Sie haben so viel beschädigt. Ich habe die Sorge, dass es permanent sein könnte“.

Ana Ribeiro stammt aus Florida, hat aber Brasilianische Wurzeln. Sie ist Journalistin und Geschäftsführerin des Online- Magazins „Leipzig Glocal“. Quelle: Justina Smile Photography

Trump kann durch die Briefwähler verlieren

Ana Ribeiro stammt aus Florida, hat aber Brasilianische Wurzeln. Sie ist Journalistin und Geschäftsführerin des Online- Magazins „Leipzig Glocal“. „Ich sehe einen Akt der Verzweiflung darin, dass Trump die Stimmenauszählung stoppen will. Ähnlich war es, als er versucht hat, den US-Post-Service zu manipulieren. Trump weiß, dass die rekordverdächtige Zahl der Briefwähler in dieser Wahl eine Rolle spielt und sie sehr gut bedeuten könnte, dass er die Wahl verloren hat.

Positiv ist, dass Demokraten Plätze im Senat gewinnen könnten. Mit Joe Biden als Präsident könnte dann eine progressivere Politik betrieben werden. Und ein paar der Schäden, die Trump angerichtet hat, würden ungeschehen gemacht werden, wie etwa Trump’s Austritt aus dem Klima-Abkommen von Paris oder seine Versuch, LGBTQ+ Leute in ihren Rechten zu beschneiden“.

Meine Hoffnung ist, das Demokraten eine Präsidentschaft erreichen, eines Tages vielleicht mit einer weiblichen, farbigen Vertreterin“.

Eric W. Fraunholz, ist stammt aus einer deutsch-amerikanischen Familie, sein Vater war Soldat und stationiert beim US-Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Er ist Geschäftsführender Direktor des Deutsch-Amerikanischen Instituts Sachsen. Quelle: privat

Trump befeuert das Narrativ des Wahlbetrugs

Eric W. Fraunholz, stammt aus einer deutsch-amerikanischen Familie, sein Vater war Soldat und stationiert beim US-Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Fraunholz ist geschäftsführender Direktor des Deutsch-Amerikanischen Instituts Sachsen. „Das Ergebnis ist noch immer sehr unklar“, sagt er. „Mein Wunsch war, dass das Ergebnis relativ schnell feststeht, damit Narrative des Wahlbetrugs und der ’gestohlenen Wahl’, wie sie Präsident Trump immer wieder wiederholt, gar nicht erst an Momentum gewinnen. Es ist jedoch ein Kopf-an-Kopf-Rennen und es könnte bis heute Nacht oder Freitag dauern, bis ein klareres Bild sichtbar wird. Es ist wichtig, dass in einer demokratischen Wahl alle Stimmen gezählt werden.

Präsident Trumps Versuch, die Wahl zu beeinflussen, wurde vorausgesehen. Wir müssen seine Drohungen ernst nehmen. Ich vertraue jedoch in die demokratischen Institutionen der USA, dass alle Wählerinnen und Wähler, die eine Stimme abgegeben haben, auch gehört werden. Würde Trump gewinnen, würde er weiter das Land polarisieren. Biden als Präsident würde viel damit zu kämpfen haben, das Land wieder zu einen, Versäumungen in der Eindämmung der COVID-Pandemie wieder gut zu machen und den Menschen Vertrauen in die demokratischen Institutionen zurückzugeben. Das wird eine Mammutaufgabe.“

Maeshelle West-Davies Quelle: privat

Trump verbreitet ein veraltetes Menschbild

„Die USA schien ein Leuchtturm für den Erfolg der Demokratie zu sein. Die Wahl ist ein wichtiger Bestandteil davon. Briefwahl ist nicht neu. Es ist wichtig, dass jeder gezählt wird. Trump versucht die Gesellschaft zu spalten. Das ist nicht das Amerika, in dem ich aufgewachsen bin und auf das ich stolz war. Das ist ein hässliches Amerika, mit dem ich mich nicht mehr verbunden fühle. Ich sehe mich generell als unpolitisch. Aber es fühlt sich an, als seien wir in den letzten Jahren in der Zeit zurück gereist.

Trumps Tweets klingen wie Relikte einer ungewollten Vergangenheit, in der weiße reiche Männer die Herrscher und Frauen nur Spielzeuge waren sowie Farbige als Kriminelle abgestempelt werden. Unnötig zu sagen, ich bin kein Trump-Fan. Mein Vater hat jedoch für ihn gewählt. Ich hoffe, ein Sieg von Biden würde zu mehr Menschlichkeit führen. Ich habe Angst mir weitere vier Jahre mit Trump vorzustellen“. Das sagt Maeshelle West-Davies. Sie stammt aus North Carolina und ist freischaffende Künstlerin in Leipzig.

Solina Jean-Louis Quelle: privat

Trump hat Angst zu verlieren

Solina Jean-Louis stammt aus Georgia. Die 24-Jährige studiert Amerikanistik an der Uni Leipzig „Dass Trump gesagt hat, dass er die Auszählungen stoppen will, ist ein klares Zeichen, dass er für die Präsidentschaft ungeeignet ist. Die Auszählung von Wählerstimmen ist eines der wichtigsten Prinzipien einer funktionierenden Demokratie. Er hat wohl Angst, dass er verliert.

Ich war extrem enttäuscht von den Entscheidungen, die die Trump-Regierung in den letzten vier Jahren getroffen hat. Ich hoffe, dass die Vereinigten Staaten wieder zurück auf den richtigen Weg finden und zu dem eigenen Versprechen von „Freiheit und Gerechtigkeit für alle“ stehen können. Wenn Biden die Wahl gewinnt, so denke ich, dass andere Länder wieder Respekt für die USA haben werden, und dass unsere Alliierten wieder Vertrauen in uns haben werden.“

Kaitlyn Kennedy ist Redakteurin bei Tag24 und Vorsitzende der Democrats Abroad Saxony Quelle: Democrats Abroad Saxony

Trumps Präsidentschaft hat der USA sehr geschadet

Trumps Aussagen über das Briefwahlsystem sind bereits in der Vergangenheit hinreichend widerlegt worden. Demokraten wählen überwiegend per Briefwahl, Republikaner eher persönlich. Trump will die Ergebnisse der Briefwahl infrage stellen, weil er weiß, dass das hauptsächlich Demokratische Stimmen sind, aber diese Stimmen sollen ausgezählt werden! Mir fehlen die Worte um zu beschreiben, wie schädlich Trumps Präsidentschaft gewesen ist“, sagt Kaitlyn Kennedy,Redakteurin bei Tag24 und Vorsitzende der Democrats Abroad Saxony.

Die 27-Jährige kommt aus Texas. „Die Abschaffung von Klimaschutzmaßnahmen, die Normalisierung rassistischer Rhetorik, die unmenschliche Haftung von Asylsuchenden und deren Kindern an der Grenze zu Mexiko sind nur ein paar Beispiele. Wir von Democrats Abroad Saxony warten, bis alle Stimmen ausgezählt werden, und sind optimistisch, dass Biden sehr gute Chancen hat, die Präsidentschaft zu gewinnen“, sagt sie weiter.

Quelle: Democrats Abroad Saxony

Trump nennt das Coronavirus „Kung Flu“

Anya Leonhard, 22 Jahre, studiert Humanmedizin in Leipzig und kommt ursprünglich aus Louisiana. Sie sagt: „Die Rede Trumps war voreilig und faktisch falsch. Er hat weder die Wahl gewonnen, noch eine rechtliche Basis den Stopp der Auszählung zu fordern. In vielen Staaten werden weiterhin legitime Stimmen von Amerikanischen Wählern und Wählerinnen, die ihr Wahlrecht ausüben, gezählt. Die Wahl ist noch lange nicht vorbei, was auch seine konservativen Mitstreiter zugeben, wie sein Vizepräsident Pence. Trumps Politik ist spaltend, desaströs für unser Land und von tiefer Xenophobie und Rassismus gekennzeichnet. Angefangen mit seiner Anti-Einwanderer Rhetorik bis hin zu seiner Wortwahl bezüglich das Coronavirus - „Kung Flu“ - hat er in seiner Amtszeit wenig Interesse gezeigt, unser Land zu vereinen und die tiefen Ungleichheiten zu beseitigen.

Es war relativ vorhersehbar, dass die Wahl nicht eindeutig ausgeht. Trotzdem ist es stressig, nicht zu wissen, wer genau denn unser neuer Präsident wird. Ein Gewinn für Biden wäre ein Gewinn für unsere Demokratie und für positiven Beziehungen mit dem Ausland; ein Gewinn für Trump das genaue Gegenteil. Auch bestimmen wir mit dieser Wahl den Ausgang der COVID-19 Pandemie in den Vereinigten Staaten und die Ausgewogenheit des Supreme Courts.“

Christopher Familetti, 34, stammt aus Pennsylvania. Er ist Offizier der US-Marine und studiert momentan Leipzig. Quelle: privat

Trumps Infragestellen bestehender Abkommen war ein großer Fehler

Christopher Familetti, 34, stammt aus Pennsylvania. Er ist Offizier der US-Marine und studiert momentan Leipzig. „Ich möchte erwähnen, dass alle meine Antworten nur meine persönliche Meinung sind und nicht auf eine offizielle Meinung des US-Militärs schließen lassen“, sagt er. „In meinen Augen ist es für die USA essenziell, global zu denken und eine gute Beziehung mit unseren Verbündeten zu haben. Ich finde, Trumps Infragestellen bestehender Abkommen und Allianzen, wie der NATO, war ein großer Fehler und hat der Reputation der USA sehr geschadet. Ich hoffe natürlich auf einen Wahlsieg für Joe Biden, es ist längst Zeit für einen Wechsel in der Regierung.“

Von Pauline Szyltowski