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Lokales Wird Leipzigs Freiheits- und Einheitsdenkmal „nur“ ein Demokratiedenkmal?
Leipzig Lokales Wird Leipzigs Freiheits- und Einheitsdenkmal „nur“ ein Demokratiedenkmal?
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21:19 12.11.2019
Ein Freiheitsdenkmal hat Leipzig bereits – die Nikolaisäule auf dem Nikolaikirchhof. Quelle: Foto: Regina Katzer
Leipzig

Mit dem Aufruf zum Bau eines Freiheits- und Einheitsdenkmals in Leipzig (die LVZ berichtete) hat die Stiftung Friedliche Revolution erneut eine kontroverse Diskussion über das Projekt ausgelöst: Weil in dem Aufruf nur von einem „Freiheitsdenkmal“ die Rede ist, werfen Kritiker der Stiftung vor, die Deutsche Einheit nicht mehr darzustellen. Einige Prominente haben deshalb die Unterzeichnung des Aufrufs verweigert. In der Stiftung heißt es, über die Ausrichtung des Denkmals sei noch nicht endgültig entschieden.

„Sowjetpanzer wären zurückgekommen“

Einer der Kritiker ist der langjährige Leipziger SPD-Bundestagsabgeordnete Gunter Weißgerber. Er wehrt sich vehement dagegen, das geplante „Freiheits- und Einheitsdenkmal“ zu einem „Freiheitsdenkmal“ zu schrumpfen. „Die Einheit war während der Friedlichen Revolution ein ganz wichtiger Aspekt“, argumentiert er. „Deshalb hieß es auf Demonstrationen auch ,Wir sind ein Volk’.“

Die Demonstranten hätten damals sehr genau gespürt, dass Freiheit ohne Einheit nicht von Dauer sein wird, sagt Weißgerber. „Im Falle eines ,geglückten’ Augustputsches 1991 in Moskau wären wir den Sowjetpanzern und der zurückkommenden SED-Diktatur ausgeliefert gewesen“, so der 63-Jährige. „Unser Schicksal wäre das der Freiheitskämpfer von 1953 in Ostdeutschland, von 1956 in Ungarn und Polen, 1968 in der CSSR, 1981 in Polen und 1989 in China gewesen. Auf Kommunisten war und ist diesbezüglich immer Verlass.“ Deshalb müsse das Thema Einheit im Denkmal auf jeden Fall dargestellt werden.

Leipzigs Freiheitsdenkmal steht bereits“

Weißgerber sieht in dem Aufruf einen unlauteren Versuch, in Leipzig um jeden Preis eine Mehrheit für das in der Stadt umstrittene Denkmal zu gewinnen. „Für ein Freiheitsdenkmal können sich auch die SED-Genossen erklären, die gegen die Einheit sind“, sagt er. Er könne deshalb dem Bundestag nur raten, die Mittel für ein einseitiges Leipziger Demokratiedenkmal nicht zu bewilligen. „Natürlich ist Freiheit auch extrem wichtig“, argumentiert er. „Aber ein Leipziger Freiheitsdenkmal steht bereits mit der Nikolaisäule im Leipziger Nikolaikirchhof.“

Der Bürgerrechtler Uwe Schwabe hat den Aufruf ebenfalls nicht unterzeichnet. „Der Bundestag hat ein Freiheits- und Einheitsdenkmal beschlossen und kein allgemeines Demokratiedenkmal, wie es im Aufruf beschrieben wird“, sagt er. „Ich kenne viele Bürgerrechtler die angefragt wurden und genau aus diesem Grund nicht unterschrieben haben. Ganz zu schweigen davon, dass der Text des Aufrufs entgegen der Absprachen nicht noch mal im Begleitgremium besprochen wurde.“

„Das ist nicht die Meinung der Stiftung“

Michael Kölsch von der Stiftung Friedliche Revolution betont, bis zu einer Entscheidung vergehe noch viel Zeit. Bei zahlreichen Interviews mit Zeitzeugen habe es aber in der Tat nicht wenige Menschen gegeben die meinten, der schwierige Transformationsprozess nach der Friedlichen Revolution sollte nicht Thema des Leipziger Denkmals werden. „Das ist nicht die Meinung der Stiftung Friedliche Revolution“, so Kölsch. Die ausschließliche Verwendung des Begriffs „Freiheitsdenkmal“ im Aufruf sei offenbar „von einigen Bürgerrechtlern missverstanden“ worden. „Ziel des Aufrufes ist es vielmehr, das Thema wieder in eine breite Öffentlichkeit zu tragen.“ Und anschließend unter Beteiligung der Bürger die Frage zur klären, ob ein „Freiheits- und Einheitsdenkmal“ oder ein „Freiheitsdenkmal“ entstehen soll. Dafür seien nicht nur in Leipzigmehrere Veranstaltungen, Podiumsdiskussionen und Workshops“ geplant, bei denen die Bürger ihre Anregungen und Bedenken äußern könnten. Wie es jetzt weitergehe, werde das von der Stadt Leipzig eingesetzte Begleitgremium am 22. November beraten.

Wie berichtet, hat der Aufruf zahlreiche prominente Unterzeichner gefunden. Zu ihnen gehören unter anderem Bürgerrechtler wie Vera Lengsfeld, Roland Jahn und Freya Klier, Nobelpreisträgerin Herta Müller, der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und Künstler wie Jan Josef Liefers, Anna Loos oder Hape Kerkeling.

Das sind die Erstunterzeichner

Stephan Bickhardt, Direktor der Evangelischen Akademie Meißen

Kurt Biedenkopf, ehemaliger Ministerpräsident des Freistaates Sachsen

Martin Böttger, Gründungsmitglied des Neuen Forums

Rainer Eckert, ehemaliger Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig

Dietrich Grönemeyer, Arzt, Wissenschaftler, Autor

Ludwig Güttler, Trompeter, Dirigent

Thomas Huber, Berater für strategische Kommunikation

Roland Jahn, Bürgerrechtler, Journalist

Burkhard Jung, Leipziger OBM und Vorsitzender des Kuratoriums Stiftung Friedliche Revolution

Hape Kerkeling, Autor, Entertainer

Basil Kerski, Leiter des Europäischen Solidarność-Zentrums in Danzig

Freya Klier, Autorin, Regisseurin

Michael Kölsch, Honorarkonsul der Republik Liberia

Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung

Vera Lengsfeld, Autorin,Publizistin

Jan Josef Liefers und Anna Loos, SchauspielerIn,MusikerIn

Henry Maske , ehemaliger Boxweltmeister

Herta Müller, Schriftstellerin, Nobelpreisträgerin

Hans Georg Näder, Unternehmer, Otto-Bock-Firmengruppe

Désirée Nosbusch, Schauspielerin, Moderatorin

Gesine Oltmanns, Bürgerrechtlerin

Uwe Platzbecker, Direktor Hämatologie und Zelltherapie am Universitätsklinikum Leipzig

Grit Poppe, Schriftstellerin

Steffen Reiche, Evangelischer Theologe und Politiker

Hans-Jürgen Röder, ehemaliger DDR-Korrespondent des Evangelischen Pressedienstes (epd)

Carsten Saeger, Künstler

Richard Schröder, Theologe, Philosoph und DDR-Bürgerrechtler

Gesine Schwan, Politikerin, Präsidentin der Humboldt-Viadrina-Governance-Platform

Wolfgang Thierse, Bundestagspräsident a.D.

Kai von Klitzing, Psychoanalytiker, Universitätsprofessor am Universitätsklinikum Leipzig

Rainer Vor, Vorstand Stiftung Friedliche Revolution

Peter Wensierski, Schriftsteller, Journalist

Christian Wolff, Pfarrer i.R.

Christoph Wonneberger, Pfarrer i.R., Bürgerrechtler

Reinhold Würth, Unternehmer, Würth-Gruppe

Von Andreas Tappert

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